Rekordpreise für Oldtimer Am Ende zählt die Legende

38,1 Millionen Dollar für einen Ferrari: Das Auktionshaus von Robert Brooks hat gerade einen neuen Rekord aufgestellt. Jetzt erklärt der Bonhams-Chef, warum der Hype um Oldtimer weitergeht.

Aus Pebble Beach berichtet


Robert Brooks hat - im wahrsten Sinne des Wortes - mit einem Schlag seinem Unternehmen nicht nur vier Millionen Dollar Provision beschert. Als der Chef des Aktionshauses Bonhams bei der Versteigerung eines Ferrari GTO bei 38,1 Millionen Dollar den Hammer fallen lässt, hat er auch schon wieder einen Rekord gebrochen: Kein anderes Auto hat bei einer Versteigerung je so einen hohen Preis erzielt wie der von einem V12-Motor bewegte Rennwagen aus Maranello.

Zwar hatten Experten deutlich mehr erwartet - und dass am Ende in 100.000-Dollar-Schritten geboten wurde, empfanden viele als kleinlich - doch Brooks ist über den Preis noch immer begeistert. "Noch vor zwei Jahren lag der Auktionsrekord bei zehn Millionen Dollar, und dieser Wert hatte zuvor über zwei Jahrzehnte gehalten. Dann haben wir im letzten Jahr für 29,7 Millionen den Mercedes W196 versteigert, und jetzt sind wir bei 38,1 Millionen", sagt der Bonhams-Chef.

Zwar kann sich selbst Brooks nur schwer vorstellen, dass dieses Tempo anhält, und die Hoffnung auf dreistellige Millionenbeträge hält er für überzogen. Doch es gebe ein paar Gründe, warum Oldtimer als Wertanlagen in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach stabil bleiben.

Warum die Branche auf China hofft

"Es ist so viel Geld auf der Welt, dass ich keinen Grund für einen Abschwung sehe", sagt Brooks. Die Branche blickt gespannt in den Fernen Osten. Denn war die Sammelleidenschaft für Autos bislang vor allem eine Sache der Europäer und Amerikaner, vielleicht noch der Japaner und der Reichen vom Golf, erwarten die Experten den nächsten Goldrausch in China. "Für Kunst ist Asien bei uns schon heute der größte Markt, und irgendwann werden die Chinesen auch ihre Liebe für alte Autos entdecken", sagt Brooks. Spätestens dann würden die Kurse den nächsten Sprung machen.

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Rekordversteigerungen: Die teuersten Oldtimer aller Zeiten
In Hongkong sei der Boom bereits angekommen: Dort stünden derzeit drei Exemplare des Ferrari GTO, also jenes Modell, das jetzt den Rekordwert erzielte und von dem nur 39 gebaut wurden. Brooks ist sich deshalb sicher: Auch wer jetzt erst mit dem Sammeln von Oldtimern anfange, könne am Boom für das Garagengold profitieren.

Sorge um Nachschub an rekordverdächtigen Fahrzeugen hat er nicht. Die rund 30 Autospezialisten von Bonhams seien so gut in der Szene vernetzt, dass ihnen regelmäßig Sahnestücke angeboten würden. Bei der Konkurrenz, den Auktionshäusern Gooding, RM Auctions oder Barett-Jackson sei das nicht anders.

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Rekordpreise für Oldtimer: Der Garagengoldrausch
Glamouröse Oldtimer-Shows wie der Concours d'Elegance in Pebble Beach oder das Festival of Speed in Goodwood böten die perfekte Bühne, um große Erlöse zu erzielen. Grundsätzlich sei eine Versteigerung für Verkäufer wie Käufer der beste Marktplatz - erst recht, wenn man neu und entsprechend unsicher ist, glaubt Brooks.

Das Problem mit den modernen Autos

Der Tipp des Auktionshauschefs ist nicht ganz uneigennützig - denn bei jedem Deal streicht der Auktionator eine Provision ein. Brooks' Argument für die professionelle Abwicklung: Der Verkäufer wisse, dass er auf einer Versteigerung auf ein Heer von Interessenten treffe und nicht auf einen Zufallstreffer in den Kleinanzeigen zu hoffen brauche. Gleichzeitig habe der Käufer die Gewissheit, dass er für ein Auto nicht zu viel zahlt: "Denn sobald mehrere Bieter ihre Tafeln heben, weiß auch ein Neueinsteiger, dass der Preis zum Markt passt."

"Das gilt bei einem Ford Mustang für 38.000 Dollar genauso wie bei einem Ferrari für 38 Millionen", sagt Brooks, und schildert süffisant jene spannenden Minuten der GTO-Versteigerung, als am Ende noch vier Bieter im Rennen waren und diese sich verstohlen beäugten.

Nur eine Sache bereitet Brooks Sorgen. Denn für Autos aus den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern werden zwar Millionenbeträge aufgerufen - aber unter den modernen Fahrzeugen sieht er kaum ein Modell, dass später einmal das Potenzial zum wertvollen Sammlerstück hat.

Zum einen liegt das an den vergleichsweise großen Stückzahlen, die die Preise drücken. Zum anderen fehlt vor allem die Nähe zum Rennsport. Denn Beispiele wie der Ferrari GTO oder der Mercedes Flügeltürer zeigten, dass es neben einem faszinierenden Design auch noch Ruhm auf der Rennstrecke braucht, um zu einer Legende zu werden. Viel mehr als der BMW M1 und der McLaren F1 fallen ihm da nicht ein - und die sind auch schon aus dem letzten Jahrtausend.

Robert Brooks ermuntert Auto-Aficionados trotzdem dazu, ihre Sammelleidenschaft zu pflegen. Sein Tipp für Erfahrene und Anfänger: "Folgen sie immer ihrem Herzen und nie nur dem Kopf." Wenn man ein Auto wie ein Aktienhändler allein nach den Renditechancen auswählt, dann gehe man ein hohes Risiko und könne schnell eine Enttäuschung erleben. Aber wer sich seinen Traumwagen kaufe und den regelmäßig aus der Garage hole, erhöhe mit jedem Kilometer seinen Gewinn: "Mit etwas Glück auch beim Geld, aber auf jeden Fall beim Genuss."



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insgesamt 21 Beiträge
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Linebacker1962 18.08.2014
1. Geschmack
"....erwarten die Experten den nächsten Goldrausch in China. "Für Kunst ist Asien bei uns schon heute der größte Markt...." Ja, warum nicht auch China? Schließlich braucht man fürs Spekulieren nur Geld - und nicht einen Hauch von Geschmack.
TS_Alien 18.08.2014
2.
Am wichtigsten an dieser Meldung ist der Preis für das Auto. Das sagt schon alles. Hauptsache teuer. Die Qualität ist nicht so entscheidend (technisch gesehen ist der Ferrari nicht berauschend, gegen z.B. einen viel schöneren Ford GT 40 sieht er in allen Belangen ganz alt aus), und Seltenheit ist kein Wert an sich. Im Kunst- und Weinhandel ist es genauso. Das ist dekadent.
Linebacker1962 18.08.2014
3. Macht nix
Zitat von TS_AlienAm wichtigsten an dieser Meldung ist der Preis für das Auto. Das sagt schon alles. Hauptsache teuer. Die Qualität ist nicht so entscheidend (technisch gesehen ist der Ferrari nicht berauschend, gegen z.B. einen viel schöneren Ford GT 40 sieht er in allen Belangen ganz alt aus), und Seltenheit ist kein Wert an sich. Im Kunst- und Weinhandel ist es genauso. Das ist dekadent.
Macht nix, der wird ja sowieso nie mehr einen Meter bewegt :-)
Frank Zi. 18.08.2014
4.
Zitat von TS_AlienAm wichtigsten an dieser Meldung ist der Preis für das Auto. Das sagt schon alles. Hauptsache teuer. Die Qualität ist nicht so entscheidend (technisch gesehen ist der Ferrari nicht berauschend, gegen z.B. einen viel schöneren Ford GT 40 sieht er in allen Belangen ganz alt aus), und Seltenheit ist kein Wert an sich. Im Kunst- und Weinhandel ist es genauso. Das ist dekadent.
Macht nichts, der muss ja auch nicht mehr fahren.
trader_07 18.08.2014
5. Dumm ist nur...
Zitat von Linebacker1962"....erwarten die Experten den nächsten Goldrausch in China. "Für Kunst ist Asien bei uns schon heute der größte Markt...." Ja, warum nicht auch China? Schließlich braucht man fürs Spekulieren nur Geld - und nicht einen Hauch von Geschmack.
Dumm ist nur, wenn man weder Geschmack noch Geld hat :-)
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