Oldtimer aus den Achtzigerjahren Diese alte Liebe rostet nicht

Aus ästhetischer Sicht waren die Autos der Achtziger keine Offenbarungen. Begehrenswert sind sie trotzdem. Denn noch nie war eine Oldtimer-Generation so rostfrei, robust und alltagstauglich.

Volvo

Von Jürgen Pander


Auf der Techno Classica, der weltweit größten Messe für Oldtimer und Youngtimer, die am Donnerstag in Essen beginnt, wird gefeiert. Zum Beispiel das 90-jährige Jubiläum des Rolls-Royce Phantom. Die Lusxuslimousine ist ein Oldtimer im klassischen Sinn: sehr alt, sehr selten, sehr teuer - und auf keinen Fall dazu geeignet, jeden Tag damit herumzufahren. Das Gegenteil gilt allerdings für Autos aus den Achtzigern - und genau die errreichen jetzt nach und nach das offizielle Oldtimer-Alter von 30 Jahren.

"Es ist die erste Oldtimer-Generation, die zum Alltagsauto taugt", sagt Martin Stromberg, der Geschäftsführer des Marktbeobachters Classic Data. "Rostvorsorge ab Werk stand damals hoch im Kurs, das macht sich heute noch bemerkbar."

In der Tat gelten die Achtzigerjahre nach den rostbraunen Siebzigern als Jahrzehnt der deutlichen Qualitätsverbesserungen. Hohlraumversiegelung, Unterbodenschutz, verzinkte Bleche und Aluminiumbauteile machten die Autos robuster. Die Technik in den Fahrzeugen war noch überschaubar, erhebliche Teile des Antriebs und der Mechanik galten als ausgereift. Vor allem die deutschen Hersteller begründeten in diesem Jahrzehnt ihren Ruf, qualitativ hochwertige Autos zu bauen.

"Es gab damals eine Qualitätsoffensive"

Der 1983 eingeführte VW Golf II beispielsweise war der erste Volkswagen, der für eine automatisierte Montage ausgelegt wurde und dessen Karosserie teilverzinkt war. Audi führte ab 1985 vollverzinkte Karosserien bei der 100er- und 200er-Baureihe ein; Martin Winterkorn war damals Vorstandsassistent für Qualitätssicherung in Ingolstadt und treibende Kraft hinter dieser Art des Korrosionsschutzes.

VW Golf II GTD aus den frühen Achtzigern
Volkswagen

VW Golf II GTD aus den frühen Achtzigern

"Wenn ich Autos aus diesem Jahrzehnt bewerte, ist es immer wieder erstaunlich, dass sie sowohl in Bezug auf die Karosserie als auch den Antrieb in einem guten Zustand sind", sagt Norbert Schroeder, Geschäftsführer des Competence Center Classic Cars des TÜV Rheinland in Düsseldorf. "Es gab damals eine Qualitätsoffensive, die man tatsächlich auch bemerkt. Der Korrosionsschutz wurde sehr viel ernster genommen, und auch die Präzision in der Herstellung nahm zu."

Die Qualität dieser Autos sei jedoch nicht der alleinige Grund dafür, dass sie zunehmend in den Fokus des Interesses rückten. Den Liebhabern alter Fahrzeuge gehe es vielmehr um Erinnerungen aus der eigenen Jugend oder Symbole einer bestimmten Auto-Epoche, erklärt TÜV-Mann Schroeder. Anders gesagt: Wer sich heute mit Mitte 40 für ein angesagtes Auto aus seiner Jugendzeit interessiert, landet automatisch bei den Typen aus den Achtzigern. Und die sind - das wird als angenehmer Nebeneffekt natürlich gern in Kauf genommen - nun mal überdurchschnittlich langlebig, zuverlässig und im Alltag brauchbar.

Unkaputtbar - aber auch unauffällig

Nach und nach erreichen diese Modelle jetzt das Alter von 30 Jahren, sie werden damit hierzulande offiziell zu Oldtimern und zugleich zu potenziellen Kandidaten für das H-Kennzeichen. Anfang vergangenen Jahres - aktuellere Zahlen gibt es derzeit nicht beim Kraftfahrt-Bundesamt - waren in Deutschland 279.310 Pkw mit H-Kennzeichen unterwegs. Gut 22 Prozent dieser Autos stammten aus den Baujahren 1980 bis 1983.

Das "Problem" dieser Autos: Man nimmt sie gar nicht als Oldtimer wahr. Eben weil sie so alltagstauglich und robust sind, werden sie häufig gefahren - und fallen daher im Straßenbild nicht unbedingt als exotische Raritäten auf. Zumal das Design vor 30 Jahren überwiegend unaufdringlich und effektfrei war. Nach einem Mercedes 190, einem VW Golf II, einem Ford Scorpio, einem Opel Rekord E oder einem Peugeot 309 dreht man sich nicht um.

Der "Baby Benz" Mercedes 190 war nicht gerade ein Design-Kunstwerk
Daimler

Der "Baby Benz" Mercedes 190 war nicht gerade ein Design-Kunstwerk

Möglicherweise wird sich das in Zukunft ändern, denn es könnte sich lohnen, in ein grundsolides Auto aus den Achtzigerjahren zu investieren. "Die untere Wertgrenze dieser Fahrzeuge ist erreicht", sagt Classic-Data-Experte Stromberg. "Wenn sie in einem guten Zustand sind und das H-Kennzeichen bekommen, dann steigt künftig auch der Wert."

Für einen abgerockten Golf II mit 350.000 Kilometern auf dem Zähler gelte das sicher nicht, wohl aber für einen gut gepflegten Golf II Country oder einen Golf II 16V oder einen Mercedes 190 E Evo. Stromberg: "Wer sich ein gut erhaltenes Auto aus den Achtzigern kauft, darf auf Wertsteigerung hoffen. Vorausgesetzt allerdings, es handelt sich um die jeweilige Top-Version."

Mitarbeit: Christian Frahm



insgesamt 93 Beiträge
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spon-1262857861028 16.04.2015
1. Und was ist mit dem Saab
...900? Der ist doch auch ein Klassiker, und nahezu unkaputtbar....
karl.h.u.n.dert 16.04.2015
2. Aus ästhetischer Sicht sind die Autos wohl 1000 mal hübscher
...als die heutigen Einheitsbrei-Karren. Wo kein Geld für Design, da auch kein Design
Pelao 16.04.2015
3. Tja, mal wieder auf dem Opel-Auge blind ...
¿Was ist mit dem Opel Kadett E und dem Opel Omega? Vom Design her diesem ganzen VW-Kram um Jahre voraus und als Caravan weitaus praktischer. ¿Nicht unkaputtbar? ... Mein Kadett aus dem Jahre 1984 fährt noch !
rennflosse 16.04.2015
4. Möglichkeiten
In der Zeit bis in die achtziger Jahre hinein scheint es noch Möglichkeiten gegeben zu haben, Design zu praktizieren. Anscheinend ergeben gesetzliche Zwänge und eine Art Marktkonformität, dass die Autos heute alle relativ grausam und relativ gleich aussehen.
Ölprinz 16.04.2015
5. Mit der heissen Nadel gestrickt
Schon beim oberflächlichen Lesen der Bildunterschriften finden sich mindestens zwei Fehler: den Alfa 75 gab es auch mit dem 3l V6 und das Topmodell der 124er Baureihe war eher der 500E als der 300E. Und egal ob man ihn mag oder nicht: zu schreiben "der Baby Benz Mercedes 190 war nicht gerade ein Design-Kunstwerk" zeugt nicht gerade von Wertschätzung der Arbeit eines der profiliertesten Fahrzeugdesigner, der je für Mercedes tätig war. Ich werde sein Meisterwerk, den W126, jedenfalls noch lange fahren.
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