Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring In der grauen Hölle

Eine sommerliche PS-Party war geplant, doch das Eifelwetter wurde beim Oldtimer Grand Prix am Wochenende seinem schlechten Ruf gerecht. Nebel über dem Nürburgring machte die grüne zur grauen Hölle. Reichlich Trubel herrschte dennoch - vor allem abseits der Piste.


Der Spruch ist als selbstironische Werbung gedacht: "Siehst Du die Burg nicht, ist es schlechtes Wetter. Siehst du sie, kommt schlechtes Wetter. Mach dich auf was gefasst: Der Nürburgring." An diesem Wochenende aber konnte niemand darüber lachen. Einmal mehr zeigte sich der Ring von seiner schlechtesten Wetterseite, die 37. Auflage des Oldtimer-Grand-Prix verschwand in dichtem Nebel und die Stimmung bei einer der weltweit größten Veranstaltungen für historischen Motorsport war entsprechend gedämpft. Ausnahmsweise war mal nicht die aktuelle Krise der Grund.

Dabei mangelte es nicht an Zuspruch. Während der Neuwagenabsatz stockt, ist die Faszination für die mobile Tradition scheinbar ungebrochen. Um genügend Starter mussten sich die Veranstalter jedenfalls nicht sorgen. "Was einst mit 63 Oldtimern und 40 Motorrädern begann, ist heute zu einem drei Tage währenden Spektakel geworden", sagt Malte Jürgens vom Fachblatt "Motor Klassik". Etwa 600 Fahrzeuge und 900 Fahrern aus aller Herren Länder waren in diesem Jahr für 20 Läufe gemeldet.

Doch nachdem am Freitag beim Warm-Up auf der Nordschleife noch alles so wunderbar sonnig und heiß begonnen hatte, ging am Samstag morgen auf dem Formel-1-Kurs nichts mehr. Weil man kaum die Hand vor Augen sehen konnte, wurden erst das Training abgesagt und dann die Wertungsläufe peu à peu nach hinten verschoben. Ehe die ersten Renner auf die Piste gingen, hatte das offizielle Programm schon fast fünf Stunden Verspätung.

Gewinner des undurchsichtigen Wetters war das britische Auktionshaus Coys, das im Fahrerlager mehr als 200 Klassiker unter den Hammer brachte. Beinahe im Minutentakt wechselten Mini Cooper für vierstellige Preise und italienische Pretiosen für sechsstellige Summen die Besitzer. Versteigert wurden nicht nur Klassiker, sondern auch exotische Neuheiten wie ein Maybach 62 oder ein Gumpert Apollo. Am schönsten drapiert aber war ein mattschwarzer Jaguar E von 1963, der noch keine 5000 Kilometer auf dem Zähler hatte und mehr als 40 Jahre lang in einer Scheune stand. Die Sitze nur noch Skelette, Rostfraß überall - doch einen E-Type aus erster Hand mit so geringer Laufleistung gibt es nicht alle Tage.

Erst in die Sauna, dann ins Bett

Als später doch noch die ersten Rennen gestartet wurden, waren die Zuschauerränge weitgehend verwaist. Manche der erwarteten 65.000 Motorsportfans waren angesichts der düsteren Prognosen zu Hause geblieben. Und wer gekommen war, tummelte sich in den Zelten des Fahrerlagers. "Am liebsten würde ich jetzt wieder ins Hotel fahren, dann in die Sauna und danach ins Bett", sagte ein genervter Gast, er aus München angereist war.

Doch auch ohne durchgehendes Rennprogramm wurde den Unverzagten Einiges geboten. Schließlich ist der Oldtimer-Grand-Prix für viele Hersteller längst zum Marketing-Instrument geworden. Mini und Jaguar etwa ließen am Rande des historischen Rennzirkus den Mini sowie das Modell MK II für je ein halbes Jahrhundert hochleben.

Opel zeigte den privaten Kadett von Altkanzler Helmut Schmidt sowie einen verschollenen Prototypen des allerersten Kadett aus den dreißiger Jahren. Schon damals hatten die Ingeniere die Idee von einem kleinen Cabrio, die allerdings nur auf Fotos und Skizzen überlebt hat. 70 Jahre haben die Rüsselsheimer das Modell "Strolch" - 3,62 Meter lang, 23 PS stark und 98 km/h schnell - trotz aller Turbulenzen neu konstruiert und zur Jungfernfahrt mit an den Ring gebracht. Erst einmal wurde er allerdings im Zelt vor dem Nieselregen geschützt.

Als sich der Nebel lichtete, gaben die Cracks Gas

Doch auch wenn das Wetter den Elan ein wenig bremste, wurde auf der Strecke dann nicht minder aggressiv und ambitioniert um Ideallinien und Bestzeiten gekämpft. "Wur müssen dem Wettergott danken, dass wir dieses Rennen noch fahren konnten", sagte Daniel Schrey, der mit einem Porsche 935 K3 aus dem Jahre 1979 das Revival der Deutschen Rennsportmeisterschaft für sich entscheiden konnte. "Wir haben die Zuschauer für die lange Wartezeit entschädigt."

Ob ohrenbetäubende historische Grand-Prix-Renner von 1961 bis 1965, das Revival der Deutschen Rennsportmeisterschaft von 1972 bis 1981, die Boliden der Vorkriegsjahre oder, als moderne Ausnahme im Altmetall, die Mini-Challenge - weder Fahrer noch Fahrzeuge wurden geschont, als es dann endlich losging.

Und was die Augen in diesem Jahr am Nürburgring nicht sahen, das mussten Ohren und Nase kompensieren. Denn spätestens nach einem Vollgaslauf im dichten Nebel wird auch der letzte begreifen, warum Rennsport ein Erlebnis für fast alle Sinne ist. Wenn eines Tages Elektrorenner um die Wette fahren, mag sich das ändern, doch die Oldies werden weiterhin unüberhörbar sein. Pisten-Veteran Hans-Joachim "Striezel" Stuck: "Krach gehört zum Rennsport. Man kann einem Fußballfan ja auch nicht das Jubeln und Singen verbieten."

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