Oldtimer im Alltag Stilvoll sparen

Oldtimer sind cool, aber teuer. Soweit das Vorurteil. Rechnet man aber genau nach, ergibt sich ein anders Bild: Unterm Strich sind manche Klassiker sogar billiger als der beliebteste Neuwagen Deutschlands.

BMW

Von Christian Frahm


Oldtimer-Fahrer kennen das: Wenn sie sich im Familien,- oder Freundeskreis als solche outen, ernten sie neidische und skeptische Blicke gleichermaßen. Menschen, die noch keinen Oldtimer besitzen, aber offen über den Kauf einer Rarität nachdenken, werden aus ihrem Vernunftauto fahrenden Umfeld in der Regel nur mit Skepsis bedacht und als finanzielle Hasardeure abgetan. Oldtimer: verrückt - und viel zu teuer.

Aber stimmt das wirklich? Der Online-Oldtimer-Marktplatz Classic Trader aus Berlin macht jetzt - selbstverständlich auch in eigenem Interesse - eine andere Rechnung auf. Ein klassisches Fahrzeug kann billiger sein als das neuwertige Pendant aus dem Autohaus, behaupten die Altmetall-Experten. Auch für Otto-Normal-Fahrer könne ein Klassiker damit zu einer ökonomisch vernünftigen Alternative werden.

In den Beispielrechungen von Classic Trader werden die Anschaffungs- und Unterhaltskosten eines Neuwagens mit denen ausgewählter klassischer Alltagsfahrzeuge verglichen. Als Basis zugrunde gelegt wurde eine Nutzungsdauer von drei Jahren und eine jährliche Fahrleistung von 10.000 Kilometern. Um die Versicherungskosten zu kalkulieren, wurde eine Zulassung in Berlin angenommen sowie ein Hundert-Prozent-Beitrag für Teil- und Vollkasko-Versicherung mit je 300 Euro Selbstbeteiligung.

Als Vergleichsauto fungiert ein aktueller VW Golf Comfortline mit 1,4-Liter-TSI-Benzinmotor und 125 PS. Der Listenpreis des Kompaktwagens liegt bei 22.475 Euro; dazu fallen pro Jahr 78 Euro Kfz-Steuer, 890 Euro für die Versicherung und etwa 676 Euro Kraftstoffkosten an. Rechnet man den Wertverlust von jährlich rund 3170 Euro mit ein, schlägt der Golf in mit rund 4800 Euro im Jahr zu Buche. Das also ist die Vergleichssumme für den jährlichen Unterhalt, an dem sich ein paar klassische - und weitaus coolere Autos - messen lassen müssen.

Drei Auto-Klassiker im Kostencheck

BMW 635 CSI: Das Coupé aus dem Baujahr 1982 wird in gutem Zustand auf dem Online-Oldtimer-Portal für rund 27.000 Euro angeboten. Die Anschaffung ist also teurer als die des beschriebenen, fabrikneuen VW Golf. Was die Unterhaltskosten betrifft, werden pro Jahr 191 Euro Kfz-Steuer mit H-Kennzeichen, 700 Euro Versicherung und rund 1860 Euro Spritkosten fällig. Der Reihensechszylinder mit 215 PS schluckt schließlich im Schnitt rund 13 Liter Super Plus pro 100 Kilometer. Jedoch: Es gibt bei diesem Modell, eine pflegliche Behandlung vorausgesetzt, keinen Wertverlust mehr, eher im Gegenteil. Die jährlichen Kosten summieren sich damit laut Classic Trader auf lediglich 2755 Euro.

Alfa Romeo Giulia GT 1300 Junior: Als zweite Alternative zum Neuwagen VW Golf wird ein Alfa Romeo Giulia Baujahr 1970 vorgeschlagen. Modelle in guten Zustand gibt es für rund 22.500 Euro, was dem Preisniveau des Beispiel-Neuwagens entspricht. Auch bei diesem Wagen gibt es laut Classic Trader keinen Wertverlust mehr, wodurch sich die jährlichen Kosten inklusive Kfz-Steuer (191 Euro), Versicherung (rund 460 Euro) und Kraftstoff (1518 Euro) auf 2170 Euro belaufen.

Ford Mustang Cabrio: Für alle, die anstatt von einem Durchschnitts-Neuwagen von einem US-Klassiker schwärmen, gibt es die Beispielrechnung auch für ein Ford Mustang Cabrio aus dem Jahr 1966. Das Auto mit 4,7-Liter-V8-Motor und 203 PS soll ab Preisen von 23.100 Euro in gutem Zustand zu kaufen sein. Der größte Posten neben Versicherung (450 Euro) und Kfz-Steuer (191 Euro) ist wegen des durstigen Motors der Kraftstoff, der jährlich auf etwa 3.036 Euro taxiert wird. Insgesamt häufen sich so rund 3680 Euro an jährlichen Kosten an - was immer noch deutlich unter denen des neuen VW Golf liegt. Allerdings rechnen die Oldtimer-Experten auch beim Mustang keinen Wertverlust ein und setzen damit eine gleichbleibend hohe Nachfrage nach diesem Klassiker voraus.

Oldtimer können tatsächlich billiger sein

Aber ist das nicht ein bisschen naiv gerechnet? Nicht unbedingt, sagt Nobert Schroeder, Leiter des Competence Center Classic Cars des TÜV Rheinland. "Rein wirtschaftlich schneiden klassische Fahrzeuge im Preissegment bis 25.000 Euro im Vergleich zum Neuwagen tatsächlich oft besser ab." Allerdings, ergänzt Schroeder, gelte das nicht für jedes beliebige Modell. "Beim Kauf sollte man sich für ein klassisches Auto entscheiden, dass technisch und in seiner Grundsubstanz sehr solide ist." Er rät insbesondere zu den Volumenmodellen der jeweiligen Jahrgänge - allein schon wegen der Ersatzteilversorgung. Und noch einen Tipp hat Schroeder parat: Besonders Oldtimer aus den Achtzigerjahren seien solide Gebrauchsklassiker für den problemlosen täglichen Einsatz.

Den Kostenunterschied zwischen Neuwagen und Klassiker macht vor allem der Wertverlust aus. Alte Typen behalten meist ihren Wert, mitunter steigt er sogar. Ganz anders ist das bei Neuwagen: Der durchschnittliche Wertverlust bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern liegt im ersten Jahr nach der Neuzulassung bei 24,2 Prozent. In den darauffolgenden Jahren sind es dann jeweils fünf bis sechs Prozent, wie die Bähr & Fess Forecasts GmbH festgestellt hat, die auf Wertverlustprognosen für Neuwagen spezialisiert ist.

Dennoch sollten beim Kauf eines Klassikers die Folgekosten bedacht werden. Einen schicken alten Wagen wird man kaum auf der Straße stehen lassen - also benötigt man einen trockenen Stellplatz, der locker 100 Euro pro Monat kosten kann. Und während Neuwagen nur etwa alle 30.000 Kilometer gewartet werden müssen, verkürzt sich dieses Intervall bei klassischen Autos auf 10.000 Kilometer oder weniger. Pro Inspektion muss man mit 400 bis 600 Euro rechnen - sollte es Reparaturbedarf geben, wird es natürlich teurer. Und auch die Laufleistung sollte eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. "Wenn man jährlich mehr als 25.000 Kilometer fährt, dann wird die Rechnung natürlich sehr eng", sagt TÜV-Experte Schroeder.

Und dann ist da noch die Sicherheitsfrage

Und es gibt noch einen heiklen Punkt. Schroeder: "Was bei dieser Diskussion oft außer acht gelassen wird, ist die aktive und passive Sicherheit. Die ist bei älteren Fahrzeugen noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als heutzutage. Dessen muss man sich bewusst sein." Zwar haben die Fahrzeuge seit den Achtzigerjahren relativ hohe Sicherheitsstandards, an die Anforderungen aktueller Modelle reichen aber auch diese nicht heran.

Wie beantwortet man nun die Frage Neuwagen oder Altauto? Mit einem entschiedenen: Kommt drauf an! Etwa darauf, wie viel man fährt, ob man eine Garage besitzt, bereits ist den Wagen zu pflegen und natürlich, das vor allem: Wie viel einem ein cooles, wirklich individuelles Auto wert ist. Das könnte die Rechnung nämlich auch total verändern.

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insgesamt 2 Beiträge
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Hamberliner 24.02.2016
1. alt und spießig ist etwas anderes als Oldtimer
Stilvoll sind die genannten Beispiele nicht. Cool können Oldtimer nur sein wenn sie älter sind als 50 Jahre und zu ihrer Zeit enweder Hingucker oder sehr typisch für Land und Epoche. Beispiele: Käfer, Bulli T2, Porsche 356, Goggomobil T-300, Isetta Citroen 2CV, DS und Mehari, Renault 4CV, 4, 8 und Alpine Seat 600 und 1500 Fiat 500, Alfa Romeo Spider Mini Cooper, Jaguar E-type und Mark 2
rubu22 06.07.2016
2.
Zitat von HamberlinerStilvoll sind die genannten Beispiele nicht. Cool können Oldtimer nur sein wenn sie älter sind als 50 Jahre und zu ihrer Zeit enweder Hingucker oder sehr typisch für Land und Epoche. Beispiele: Käfer, Bulli T2, Porsche 356, Goggomobil T-300, Isetta Citroen 2CV, DS und Mehari, Renault 4CV, 4, 8 und Alpine Seat 600 und 1500 Fiat 500, Alfa Romeo Spider Mini Cooper, Jaguar E-type und Mark 2
Ich gebe dir vollkommen recht. Vor allem der Fiat 500 oder Alfa Romeo ist absoluter Klassiker. Am besten ab Baujahr 1960 sind sie am schönsten!
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