Von Tom Hillenbrand
Das Langzeitchart zeigt steil nach oben - bis 1990, da gibt es eine hässliche Delle. "Der Zeitraum von 1990 bis 1994 war die Internetblase des Oldtimermarktes", sagt Dietrich Hatlapa. Seitdem geht es mit den Preisen stetig aufwärts. Ablesen kann man diese Entwicklung am Oldtimer-Index HAGI, den der ehemalige Banker konzipiert hat.
Oldtimer wären demnach eine erheblich bessere Anlage als Aktien. Wer 1980 umfassend in edles Altmetall investierte, der kam seitdem bis 2008 auf eine jährliche Rendite von mehr 12,6 Prozent. Zum Vergleich: Der US-Aktien-Leitindex Standard & Poor's 500 legte im gleichen Zeitraum pro Jahr nur 10,8 Prozent zu. 1,8 Prozent Renditeunterschied, das klingt bescheiden - im Ergebnis entsteht über den langen Zeitraum dadurch aber ein riesiger Unterschied im Wertzuwachs (siehe Grafik).
Hatlapa hat früher für Barings, ING sowie Macquarie gearbeitet und ist selbst ein Liebhaber alter Autos. Im Herbst 2009 fuhr er beim englischen Goodwood Revival mit seinem Porsche RS 60 Spyder mit. Das Modell ist äußerst selten, Hatlapas Wagen kam 1960 in Le Mans zum Einsatz, hinter dem Steuer saß damals der legendäre Rennfahrer Carel Godin de Beaufort.
Derlei seltene Autos, die eine Rennhistorie vorweisen können, kommen bei Auktionen häufig für Millionenbeträge unter den Hammer. Trotzdem sei der Markt für Premium-Oldtimer "intransparent, ineffizient und unreguliert", meint Hatlapa. Verlässliche Informationen, gar umfassende Analysen, seien schwer zu bekommen.
In Kleinarbeit 100.000 Datensätze gesammelt
Den ehemaligen Banker ärgerte dieser Umstand so sehr, dass er in Zusammenarbeit mit dem britischen Index-Experten Bruce Johnson ein Barometer für Oldtimerpreise entwickelt hat, den Historic Automobile Group Index, kurz HAGI TOP. Ähnlich wie bei Dax oder S&P 500 gibt es Einzelwerte, die mit einer prozentualen Gewichtung in die Indexberechnung eingehen.
Im HAGI TOP sind derzeit 38 Automodelle enthalten, demnächst sollen es 50 sein. "Uns geht es ausschließlich um das Premiumsegment", sagt Hatlapa. Alte Mantas oder Kadetts sind folglich nicht dabei, weil zu billig und zu beliebig. Die drei Indexschwergewichte heißen Mercedes 300 SL Roadster (8,78 Prozent), Porsche Carrera GT (7,32 Prozent) und Ferrari 250 GT SWB Coupé (6,44 Prozent).
Die Stände des monatlich ermittelten HAGI basieren nicht auf Schätzungen, sondern auf dokumentierten Verkäufen. Da es jedoch keine Oldtimerbörse an der Wall Street gibt, keinen zentralen Handelsplatz, sind Daten schwer zu bekommen. Hatlapas Team hat in mühevoller Kleinarbeit 100.000 Transaktionen aus den Jahren 1980 bis heute gesammelt. Die Informationen stammen beispielsweise von Händlern oder aus Auktionskatalogen.
Eigene Subindizes für Porsche und Ferrari
Den ganzen Markt kann HAGI so nicht erfassen, er ist zu sehr fragmentiert. "Das ist nicht repräsentativ, aber es ist eine sehr gute Annäherung", sagt Hatlapa. Neben dem Gesamtindex berechnet er auch Subindizes der beiden wichtigsten Oldtimermarken Porsche und Ferrari. Im Verlauf des Jahres 2009 zog der HAGI Porsche bis Ende November am stärksten an, insgesamt um 17,1 Prozent. Der Gesamtindex stieg um 10,4 Prozent.
Das sind Renditen, die selbst ohne Rezession und Bankenkrise traumhaft wären. Wer sich jedoch für Oldtimer als Anlageklasse interessiert, braucht viel Kapital. Er müsste sich nämlich ein breit gestreutes PS-Portfolio zulegen, idealerweise aus einigen Dutzend Autos bestehend.
Weil das wohl nur für einige Scheichs in Frage kommt, erhält Hatlapa zunehmend Anfragen von Anlegern, die gerne in eine Art Oldtimer-Zertifikat investieren würden. Theoretisch wäre es für eine Bank möglich, ein Anlageinstrument zu bauen, das auf dem HAGI basiert. Hatlapa gibt sich schmallippig und sagt lediglich, man schaue sich das Thema an.
Oldtimer waren in den vergangenen 30 Jahren stets eine solide Wertanlage, ob sie es bleiben, muss sich zeigen. Auf der einen Seite hat es in den vergangenen Jahren eine Reihe spektakulärer Einzelauktionen mit Rekorderlösen gegeben. Gleichzeitig gibt es auch Anzeichen für Kaufzurückhaltung. Im August 2009 etwa bot das Auktionshaus Bonhams den legendären Auto Union Typ D zum Kauf an, ebenso den Ferrari Daytona Spyder von Evel Knievel. Keines der Fahrzeuge erreichte das Mindestgebot.
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