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Online-Mitfahrzentrale von Daimler: Twittern statt trampen

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Mobil sein will jeder, aber ein Auto brauchen dafür immer weniger Menschen. Daher startet Daimler nach dem Leih-Smart-Projekt "car2go" jetzt in Ulm das nächste Mobilitätsangebot. Über die neue Internetplattform "car2gether" sollen sich Fahrgemeinschaften zusammenfinden.

Daimler-Mitfahrzentrale: Mobilität per SMS Fotos

Die Zukunft bietet für die Autohersteller womöglich mehr Risiken als Chancen. Zwar werden Menschen in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien den Fahrzeugabsatz künftig wohl gewaltig ankurbeln. Parallel dazu lässt jedoch auf den etablierten Pkw-Märkten das Kaufinteresse dafür nach. Immer mehr Menschen in den großen Ballungsräumen werden nach den Prognosen von Zukunftsforschern künftig ohne eigenes Auto leben. Immobil werden sie deshalb aber noch lange nicht.

"Das Bedürfnis des Einzelnen nach flexibler, komfortabler und günstiger Mobilität bleibt bestehen", sagt zum Beispiel Daimler-Manager Michael Kuhn. Die These gilt bei Automobilherstellern als fundamental - und so denken immer mehr Unternehmen über Mobilitätskonzepte nach, die ohne starre Eigentumsverhältnisse auskommen.

Daimler beispielsweise startet am 18. September eine Internetplattform namens "car2gether". Dahinter verbirgt sich eine virtuelle Mitfahrzentrale - und die ist nicht auf Autos aus dem Konzern beschränkt. Twittern statt trampen könnte man das Projekt auch nennen, das zunächst auf Ulm begrenzt ist. Mitfahrgesuche und Streckenangebote werden per Kurznachricht an das System gesendet, das wiederum nahezu in Echtzeit die passenden Fahrpartner vermittelt.

Soziales Auto-Netzwerk

Das System soll nach Angaben der Schwaben ebenso schnell wie simpel funktionieren: Teilnehmer müssen sich lediglich einmal auf der "car2gether"-Website registrieren und eine Software auf ihr Mobiltelefon laden. Beides ist während der Startphase noch kostenlos, später jedoch will Daimler eine Vermittlungsgebühr kassieren.

Sind Benutzername und Profil samt Foto hinterlegt, genügen in der Folge Kurznachrichten für die Reiseplanung: Wer eine Fahrgelegenheit anzubieten hat oder eine solche sucht, gibt Start, Ziel und Uhrzeit via Handy oder Computer an und erhält den jeweils passenden Partner vermittelt. Stimmen beide zu, werden automatisch die Kontaktdaten ausgetauscht, und die gemeinsame Fahrt kann beginnen. Parallel dazu erscheinen alle Angebote und Gesuche im 15-Sekunden-Takt auch auf einem Live-Ticker, der sich laut Daimler am Micro-Blogging-Dienst Twitter orientiert.

Der Preis ist Verhandlungssache

Den Preis für die Mitfahrgelegenheit handeln die Fahrzeuginsassen selbst miteinander aus. Analog zur Grundidee des Ulmer Smart-Mietwagen-Projekts "car2go" empfiehlt "car2gether" keine Kostenbeteiligung auf Basis der Entfernung, sondern die Abrechnung nach Zeit: 9,5 Cent pro Minute sollte der Mitfahrer dem Chauffeur bezahlen, so der Vorschlag. In den ersten Wochen sollen die Geschäfte in bar abgewickelt werden, später ist eine automatisierte Zahlung über die Web-Plattform geplant.

Noch ist unklar, wie die Idee bei den Ulmern ankommen wird. Werden sich genügend Fahrer und Mitfahrer zusammenfinden und wie schnell funktioniert die elektronische Partnersuche tatsächlich? Sicherheitshalber wurde deshalb auch ein Link zur Taxizentrale auf die Seite gestellt; die Integration der Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs ist zudem in Vorbereitung.

"Die Pilotphase dient dazu, einzelne Funktionen des Systems sowie die Akzeptanz und das Nutzungsverhalten der Teilnehmer zu testen", heißt es bei den Machern. In enger Zusammenarbeit mit den Nutzern würden Erfahrungswerte für das System gesammelt und zur Weiterentwicklung von "car2gether" genutzt. "Bis Jahresende wird Daimler das Pilotprojekt von "car2gether" auf eine weitere Stadt in Deutschland ausweiten", sagt Projektleiter Kuhn.

Mobilitätsmärkte und Carsharing mit intelligenter Vergütung und flexibler Nutzung kommt - mit Angeboten wie Mu by Peugeot in Paris oder Berlin - allmählich in Mode. Auch in Ulm funktioniert die Idee mit dem Gemeinschaftsauto; hier startete Daimler vor anderthalb Jahren das Projekt "car2go". Mittlerweile sind 300 Smart-Modelle in der Stadt an der Donau im Einsatz und inzwischen schon mehr als 20.000 Fahrer registriert. Am Ziel angekommen, stellt man den Wagen einfach wieder ab, bucht sich aus und zahlt für jede Minute der Nutzung 19 Cent.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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1. so ein Quatsch
angela_merkel 06.09.2010
für den zitierten Preis kann ich auch Taxi fahren. In einem richtigen Auto statt in einem "smart". Taxis gibt's seit fast 100 Jahren und sie sind immer noch das bessere Konzept als dieser Unsinn von Daimler-Benz.
2. richtige Autofahrer in richtigen Autos
arni_dee 06.09.2010
Zitat von angela_merkelfür den zitierten Preis kann ich auch Taxi fahren. In einem richtigen Auto statt in einem "smart". Taxis gibt's seit fast 100 Jahren und sie sind immer noch das bessere Konzept als dieser Unsinn von Daimler-Benz.
der Satz 'in einem richtigen Auto' entlarvt diesen wie an dieser Stelle folgende 'richtige Autofahrer'. Die sehe ich beim allmorgendlichen Lauf um die Alster tagtäglich jeden für sich allein in ihren richtigen Autos im Stau stehen. Sie würden sich nicht in Bus oder Bahn, auf das Fahrrad und natürlich nicht in einen Carsharing-Smart (der an dieser Stelle ja auch keine Sinn machen würde) setzen - so wie richtige Männer auch kein Kondom benutzen, Virus hin, Schwangerschaft her .... Weicheier wie ich fahren dagegen für 0,17 - 0,21 EUR pro km + Grundgebühr mit einem DB-Carsharing-Auto, wenn Sie unbedingt müssen, leisten sich ein Taxi, wenn Sie können und sind auch sonst schlau unterwegs - aber eben leider keine richtigen Autofahrer ...
3. Re
Espressomaschine, 06.09.2010
Zitat von angela_merkelfür den zitierten Preis kann ich auch Taxi fahren. In einem richtigen Auto statt in einem "smart". Taxis gibt's seit fast 100 Jahren und sie sind immer noch das bessere Konzept als dieser Unsinn von Daimler-Benz.
Der Sinn eines Beitragstitels hatte sich mir bislang noch nicht erschlossen, doch bei Ihnen umschreibt der Titel des Beitrags sehr treffend den Inhalt. Rechnen Sie einfach noch mal nach und verraten mir dann bitte, wo ich für 1,90 Euro 7-12 km Taxi fahren kann.
4. Sinnvolle...
sappelkopp 07.09.2010
...Sache, wie so viele Car-Sharing Angebote. Allerdings wird das nicht den Verkehr eindämmen, weil lediglich von anderen automobilen Angeboten (Leihwagen, leihen im Freundeskreis etc.) verlagert wird. Denn so ein Auto nutzen in der Regel nur Bahnfahrer, wenn sie ihr Ziel mit der Bahn nicht erreichen. Damit wird keine Auto abgeschafft.
5. ....
exilostfriese 07.09.2010
Zitat von angela_merkelfür den zitierten Preis kann ich auch Taxi fahren. In einem richtigen Auto statt in einem "smart". Taxis gibt's seit fast 100 Jahren und sie sind immer noch das bessere Konzept als dieser Unsinn von Daimler-Benz.
Vom Bahnhof zu meiner Wohnung kostet das Taxi 8 Euro. Das ganze dauert keine 10 min. Zum Flughafen kosten 20 Euro und das sind ca. 20min. Im Taxi kostet das ganze ca. 1 Euro pro Minute. Das wären ca. die fünffachen Preise. Taxikosten: Grundpreis ca. 2,50 - 3 Euro, plus 1,50 - 2 Euro pro Kilometer. 1km schafft man in ca. 1-2 min. Zugegeben: Das Taxi ist schon noch bequemer. Die Idee finde ich generell gut. Nur braucht es eine gewisse Masse um vernünftig zu funktionieren. An einer Uni könnte ich mir so etwas gut vorstellen als Start. Gerade Studenten unterliegen eher dem Kostendruck. Bei Firmen müsste es eher noch zusätzliche Anreize geben, ansonsten fahren die Leute doch eher lieber alleine. Wenn sich das etabliert, wäre es aber steuerlich mal interessant.
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