Autogramm Opel Adam: Bunt ist die Hoffnung

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Autogramm Opel Adam: Mode-Mobil Fotos
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Opel treibt es kunterbunt und fährt in der Krise des Unternehmens den fröhlich-frischen Kleinwagen Adam vor. Die automobile Technik ist Durchschnitt, dafür gibt's Tausende Individualisierungsmöglichkeiten inklusive LED-Sternenhimmel - und konsequente Internet- und Multimediavernetzung.

Der erste Eindruck: Bunt wie eine Tüte englischer Bonbons sieht der Parkplatz mit den Testautos des neuen Opel Adam aus. Greller Lack, farbige Felgen, getönte Scheiben, Chromstreifen und kontrastierende Dachbleche - so farbenfroh war Opel noch nie. Und sobald man einsteigt in den neuen Kleinwagen mit der Schmollmund-Blechschnute geht der Regenbogen-Reigen weiter: Sitznähte, Dachhimmel, Lenkradleder, Zierkonsolen, LED-Beleuchtung - hier drinnen herrscht Disco-Pop-Konfetti-Atmosphäre.

Das sagt der Hersteller: Opel preist den Adam als "ersten trendigen, urbanen Kleinwagen" der Marke, der sich in bislang nicht gekannter Vielfalt individualisieren und vernetzen lasse. Markenchef Thomas Sedran kalkuliert mit mehr als 50 Prozent Opel-Neukunden unter den Adam-Käufern. "Das Auto ist authentisch und einfach anders als seine Mitbewerber."

Patriotisch argumentieren die Hessen dann auch noch. Anders als die Konkurrenten Fiat 500, Mini, Citroën DS3 und Audi A1 sei er der einzige Vertreter in diesem Segment, der komplett in Deutschland entwickelt und auch hier gebaut werde, sagt Opel. Der Wagen entstand im Ingenieurzentrum in Rüsselsheim und wird in der Opel-Fabrik in Eisenach produziert. Während andere Werke ums Überleben ringen, sind die 120 Millionen-Euro-Investitionen in Thüringen für die dortigen Opel-Werker eine gute Botschaft.

Das ist uns aufgefallen: Die bunte Ausstattung im Innenraum macht einen guten Eindruck und überrascht mit vielen Details - wie etwa mit der nur beim Bedienen feuerrot aufflammenden Skala der Klimaregelung. Außerdem entpuppt sich der Kleine schon auf den ersten Metern als richtig großer Junge. Mit Sportfahrwerk und 18-Zöllern liegt der Wagen stramm und knackig auf der Straße - wie ein Auto größeren Formats.

Der 1,4 Liter große Vierzylinder-Benziner in unserem Testwagen verlangte nach ordentlich Drehzahlen; wenn man ihm die gönnt, macht er aus dem Adam geradezu einen kleinen Wirbelwind. Die Servolenkung ist angenehm direkt ausgelegt, von der City-Taste, mit der die Lenkunterstützung für leichteres Rangieren verstärkt werden kann, sollte man jedoch die Finger lassen, denn die Lenkung wird dann geradezu gefühllos. Die Platzverhältnisse in der ersten Reihe sind ok, beim Blick über die Schulter ist man jedoch überrascht, wie wenig Auto da nur noch kommt. Die Rücksitze des Zweitürers sind eine Zumutung für alle, die aus dem Kindergartenalter raus sind.

Was auch auffällt, sind ein paar handwerkliche Schnitzer, die im kunterbunten Lifestyle-Rummel fast untergehen: Der Kofferraum ist nicht nur klein, sondern hat auch eine viel zu hohe Ladekante. Den Getrieben fehlt der sechste Gang und die Motoren haben schon ein wenig Patina angesetzt. Moderne Turbo-Direkteinspritzer wird es frühestens in 18 Monaten geben, und zum Thema alternative Antriebe sagt Opel noch gar nichts.

Wichtiger waren den Hessen offenbar Lifestyle-Extras wie das Intelli-Link-Infotainment-System, auf dem man ähnlich problemlos surft wie auf einem Tablet-Computer. Der Touchscreen ist quietschbunt, sehr sensibel und lässt sich kinderleicht mit allerlei Smartphones koppeln. So gelangen Navigations-Apps, Internetradio sowie alle Audio-, Video- und Bilddateien des Smartphones auch ins Auto.

Das muss man wissen: Der Adam kommt ab Mitte Januar in den Handel, das billigste Modell kostet 11.500 Euro. Damit ist er etwa 500 Euro billiger als der vergleichbare Opel Corsa, dessen technische Basis er teilt. Mit 3,70 Metern Länge ist er allerdings um 30 Zentimeter kürzer als der Corsa und spielt in einer Liga mit Mini (3,71 Meter, ab 15.650 Euro) und Fiat 500 (3,55 Meter, ab 11.600 Euro).

Es gibt den Adam zunächst mit drei Motoren mit 1,2 oder 1,4 Liter Hubraum von 70 bis 100 PS. Damit sind Geschwindigkeiten zwischen 165 und 185 km/h sowie Verbrauchswerte zwischen 5,0 und 5,5 Litern möglich. Dieselmotoren sind bislang nicht im Angebot. Doch die dürften ebenso folgen, wie eine besonders sportliche Version sowie ein Cabrio.

Zwölf Karosseriefarben, drei Dachlackierungen, 31 Rad-Designs, Felgenzierclips in sechs Farben, vier Innenraumgrundtöne, 15 Sitzpolstervarianten, 19 zum Teil indirekt beleuchtete Dekore, sechs Dachhimmel: "Kein Adam wird aussehen wie der andere", sagt Opel. Um alle Optionen zu fassen, musste die Preisliste auf DIN-A4-Format wachsen und wurde 20 Seiten stark. Enthalten sind dort auch einige in dieser Klasse ungewöhnliche Details wie ein ausziehbarer Fahrradträger, Lenkradheizung oder Einpark-Automatik. Und als Clou ein Sternenhimmel mit ein paar Dutzend LED unterm Dach, wie man ihn sonst nur von Rolls-Royce kennt. 280 Euro kostet das Extra bei Opel, bei Rolls-Royce ist das Show-Firmament teurer als ein kompletter Adam.

Das werden wir nicht vergessen: Den großen Spaß, den das kleine Auto gemacht hat. Erst beim Anschauen, danach beim Fahren. Der Adam ist endlich mal wieder ein starkes automobiles Argument dafür, dass es sich lohnt, um die Marke Opel zu kämpfen.

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insgesamt 137 Beiträge
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1. ecoboost
tropicali 06.11.2012
wenn da noch ein motor wie der 1,0l ecoboost von ford einzug hält....
2. Frage an Opel:
herr_kowalski 06.11.2012
Zitat von sysopOpel treibt es kunterbunt und fährt in der Krise des Unternehmens den fröhlich-frischen Kleinwagen Adam vor. Die automobile Technik ist Durchschnitt, dafür gibt's tausende Individualisierungsmöglichkeiten inklusive LED-Sternenhimmel - und konsequente Internet-, und Multimedia-Vernetzung. Opel Adam: Ein kunterbunter Kleinwagen für die Lifestyle-Ecke - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/opel-adam-ein-kunterbunter-kleinwagen-fuer-die-lifestyle-ecke-a-865300.html)
Was kommt eher ? Moderner Direkteinspritzmotor oder die Pleite. Die Amis werden die Konkurrenz im eigenen Haus massakrieren. Und die lächerliche Anleihe an die Adam Opel AG mit dem KFZ-Namen ADAM ist einfach nur albern. Junge kaufen was anderes und alte kaufen VW.
3.
dale_gribble 06.11.2012
Zitat von tropicaliwenn da noch ein motor wie der 1,0l ecoboost von ford einzug hält....
was ist dann? schicht im schacht?
4. die gute alte Zeit
mr_uk 06.11.2012
der Wagen erinnrt mich an den vorletzten Corsa, den ich mir vor 16 Jahren gekauft hatte. Also doch etwas retro, obwohl nicht ganz so alt. Der Verbrauch ist sogar ähnlich hoch.
5. Ein Klick & Tschüss
akrisios 06.11.2012
Kleinwagen für TEUR 14? Derselbe Wahn wie bei VAG. Klick & Tschüss, Opel...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Adam 1.4 Ecoflex
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.398 ccm
Leistung: 87 PS (64 kW)
Drehmoment: 130 Nm
Von 0 auf 100: 12,5 s
Höchstgeschw.: 176 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 119 g/km
Kofferraum: 170 Liter
umgebaut: 663 Liter
Gewicht: 1.120 kg
Maße: 3698 / 1720 / 1484
Versicherung: 15 (HP) / 17 (TK) / 13 (VK)
Preis: 14.605 EUR
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