Neuer Kleinwagen Opel Adam Rolls-Royce lässt grüßen

Lange wurde darüber spekuliert, ob der neue Opel Adam ein billiges Einstiegsauto wird. Alles Mumpitz. Mit frischem Design, cleverem Entertainmentsystem und Austattungsdetails, wie man sie von britischen Luxuslimousinen kennt, drängt der Adam in die Lifestyle-Liga.

Opel

Dass es dem Traditionskonzern Opel nicht gut geht, hat inzwischen jeder mitgekriegt. Sparmaßnahmen durch den Mutterkonzern GM und drohende Werksschließungen beherrschen die Schlagzeilen. Automobile Vorzeigeprojekte wie der Ampera haften eher ob seiner vorübergehenden Akku-Probleme und Produktionsstopps wegen schleppender Verkäufe im öffentlichen Bewusstsein.

Insofern ist es verständlich, dass man in Rüsselsheim für den neuen Hoffnungsträger der Marke einen bodenständigen, aber bedeutungsschwangeren Namen gewählt hat: Adam ("Äddäm" ausgesprochen, was schon wieder seltsam ist, aber dazu später mehr). Das ergibt Sinn, denn Adam auch war der Vorname des Firmengründers, mit dem die lange Zeit glorreiche Zeit des Konzerns ihren Anfang nahm.

Der neue Adam ist klein, aber kein Billigheimer, wie viele Experten nach Bekanntwerden der ersten Gerüchte um das Auto vermutet hatten. Komplett in Rüsselsheim entwickelt, hat Opel den bei knapp 3,70 Metern Länge ziemlich kleinen Bruder des Corsa zu einem Lifestyle-Auto aufgerüstet, das sich mit poppigen Stadtflitzern wie dem Mini und dem Fiat 500 messen soll.

Das Auto ist ein Ego-Booster

Riesige Stückzahlen, hohe Gewinne und der nennenswerte Abbau von Überkapazitäten dürften in diesem dicht besetzen Segment schwer werden. Aber immerhin: Diesmal schwächt die Entscheidung kein deutsches Werk, sondern stärkt eines. Denn gebaut wird der Adam zusammen mit dem Corsa in Eisenach.

Das Auto ist eher ein Ego-Booster, ein Pflaster für das angekratzte Image der Marke. Wenn das Auto hält, was die Vorkommunikation verspricht, dann könnte es sogar klappen. Schließlich haben es auch Cinquecento oder der Citroen DS3 auf Anhieb in die Lifestyle-Liga geschafft, ohne dass man ihren Herstellern vorher unbedingt eine hohe Innovationskraft und ein besonderes Vermarktungsgeschick zuschreiben würde.

Für den Adam spricht ein starkes Design, das zum Glück mal ohne Retro-Look auskommt. Die Front ist mit der stark gewölbten Haube, den großen Scheinwerfern und der weit nach unten gerückten Chromspange unverwechselbar, die Flanke bekommt mit zwei gegenläufigen Sicken Spannung und Schwung, und das in vier unterschiedlichen Kontrastfarben lackierte Dach scheint über dem Auto zu schweben.

Ein Dachhimmel wie im Rolls-Royce

Auch innen treibt es der ausschließlich als Viersitzer und Dreitürer lieferbare Adam bunt: Es gibt farbige Kunststoff-Konsolen auf dem Armaturenbrett, dem Mitteltunnel und sogar im Lenkrad. Den Dachhimmel kann man in unterschiedlichen Farben bestellen. Und wie sonst nur bei Rolls-Royce funkeln dort auf Wunsch sogar ein paar Dutzend LED-Sterne.

Dazu verspricht Opel eine Ausstattung, wie es sie in dieser Klasse noch nicht gegeben hat: So sucht sich der Wagen selbst seinen Parkplatz und rangiert automatisch in die Lücke. Das Tagfahrlicht arbeitet mit LED-Technik. Es gibt neben sechs Airbags und ESP als Standard gegen Aufpreis Komfortextras wie ein beheizbares Lenkrad.

Der Clou ist das neue Infotainment-System mit dem sieben Zoll großen Touchscreen neben dem Lenkrad: Über ein Mobiltelefon holt es das Internet ins Auto, erlaubt Programme wie eine Web-Navigation und lässt sich zudem als Bedienoberfläche für Smartphones mit Apple- oder Android-Technologie nutzen: Was auf dem iPhone zu sehen ist, läuft dann auch über den Bildschirm des Adam.

Altbackenes unter der Motorhaube

Nur unter der Motorhaube geht es erst einmal altbacken weiter. Mit bekannten und alles andere als aktuellen Motoren, die schon eine Zeitlang im Corsa Dienst schieben: Einstiegstriebwerk ist ein 70 PS starker Vierzylinder von 1,2 Litern Hubraum, über dem zwei 1,4-Liter mit 87 oder 100 PS rangieren.

Moderne Triebwerke mit Turbo und Direkteinspritzer, die es dann vielleicht auch mit sechs statt fünf Gängen und Start-Stopp ohne Aufpreis geben wird, kommen erst später. Was es leider nicht geben wird, ist ein Hybridantrieb wie beim Sparkleinwagen Toyota Yaris Hybrid. Wie auch, wenn Opel alles Know-how im Ampera mit Range Extender bündelt und den normalen Hybridantrieb kurzerhand überspringt.

Stattdessen steht als Spin-off des Ampera mittelfristig zumindest eine elektrische Variante des Adam im Raum. Allerdings wurde die schon vor zwei Jahren angekündigt, aber seitdem war davon nicht mehr viel zu hören.

Schräge Namensgebung

Der Adam wird in drei Designlinien erhältlich sein - und warum die so heißen, wie sie heißen, ist genauso rätselhaft wie die Tatsache, dass der Adam "Äddäm" heißt, wo doch hippe Großstädter ihre Kinder schon seit Jahren Emil, Karl oder Paul nennen. "Jam", "Glam" und "Slam" nennt Opel die Designlinien, die wahlweise ein modisches, elegantes oder sportliches Ambiente in den Innenraum zaubern sollen.

Es sind solche kleinen Details, die ahnen lassen, dass man in Rüsselsheim noch kein ganz schlüssiges Konzept gefunden hat, wo man sich nach der Bodenständigkeit der siebziger und achtziger Jahre und der Beliebigkeit der Neunziger und der frühen Nuller-Jahre positionieren will. Nur die Tendenz ist mit dem Adam ganz klar zu erkennen - nach oben.

Denn den Aufstieg in die Lifestyle-Liga wird es beim Adam nicht zum Spartarif geben. Bei der Frage nach den Preisen hält sich Opel zwar noch bedeckt. Schließlich nehmen die Hessen erst zum Pariser Salon Ende September die Bestellungen entgegen. Doch spätestens nach dem Blick in den noblen Innenraum und auf die Liste der Ausstattungsoptionen kann man die Idee vom Billigauto vergessen.

Vierstellig, wie zum Beginn des Juniorprojekts in der Branche noch kolportiert, wird's den Adam sicher nicht geben. Wahrscheinlich muss man schon froh sein, wenn er unter seinem großen Bruder Corsa bleibt und bei 11.500 Euro startet.

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insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
Sherlock70 11.07.2012
1. Adam Opel...einfach mal googeln
Damit dürfte die Namensfrage geklärt sein.
nullnummer 11.07.2012
2.
Zitat von Sherlock70Damit dürfte die Namensfrage geklärt sein.
Das steht so auch bereits im Artikel. es geht wohl eher darum, dass hier eine englische Aussprache verwendet wird.
bartholomew_simpson 11.07.2012
3.
Sieht zwar recht knuffig aus, aber in diesem Segment tummelt sich bereits zu viel Konkurrenz. Der antiquierte Motor wird das angepeilte Käuferpublikum nicht besonderds stören, da es mehr auf Optik ankommt. Es fehlt aber bei Opel die prestigeträchtige Oberklasse, in deren Glanz die kleineren Fahrzeuge "aufgewertet" werden. Auch wenn Audi, Mercedes und BMW mit ihren Oberklassenfahrzeugen nicht viel verdienen, so sind diese für das Marketing der Massenfahrzeuge zwingend notwendig.
Golfkiller8443 11.07.2012
4. optional
Da kann man doch drauf warten, dass GM mit anderem Namen und anderer Front 2.000 € billiger auf den europäischen Markt werfen wird - Opel muss doch irgendwie kaputt zu kriegen sein! Und wer bei dieser Ausstattung einen Preis unter 10.000 € erwartet, sollte vielleicht vor dem Schreiben noch mal nachdenken.
leser008 11.07.2012
5. Wer soll den kaufen ?
Auwei. Die Front mit dem Buckel ist einfach zu US-style für Europa. Und wer so ein Design möchte, kauft sich einen original Mini, und gut ist. Ein nogo sind die alten Motoren, ein altes Opel Leiden. Es lohnt sich für die Quartalsdenker im Führerhauptquartier eben nicht in moderne Motoren zu investieren. Schliesslich der Preis............. Und wer weiss, ob es Opelersatzteile in 5 Jahren noch gibt ?
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