Opel auf der IAA: Aufatmen mit dem Astra

Aus Frankfurt berichtet Jürgen Pander

Monatelang hing die Zukunft von Opel an den dünnen Fäden eines verwirrenden politisch-ökonomischen Geflechts. Mit dem Einstieg des österreichischen Zulieferers Magna sieht es wieder besser aus, Rüsselsheim schöpft neuen Mut. Was auch am neuen Kompaktauto Astra liegt.

Jürgen Pander

"Wir begrüßen die Entscheidung sehr und freuen uns auf die gemeinsame Zukunft mit Magna", sagte Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster zu Beginn seiner IAA-Rede. Der Mann wirkte aufgeräumt und bester Dinge, und es war beinahe spürbar, welche Last durch die Entscheidung im scheinbar endlosen Opel-Drama von Forster abgefallen war. "Jetzt brennen alle im Unternehmen darauf zu beweisen, dass wir das Vertrauen, das in uns gesetzt wird, verdient haben."

Um den Neustart deutlich zu markieren, stellte Forster erst einmal den neuen Markenslogan "Wir leben Autos" vor. Der Spruch solle "die Leidenschaft der Menschen bei Opel" demonstrieren. Und wie könnte man die besser unter Beweis stellen als mit einem neuen Auto? So fügt es sich prima, dass ausgerechnet jetzt Opels wichtigstes Modell Weltpremiere feiert: der Kompaktwagen und ewige VW-Golf-Konkurrent Astra. Andere Typen sind spektakulärer, die meisten Studien raffinierter und attraktiver - aber wohl kaum ein anderes Auto der IAA hat diese Bedeutung für den Hersteller wie der Astra für Opel.

Forster stellte das neue Modell in eine lange Ahnenreihe - wohl auch, um en passant das Image des Unternehmens als deutsche Traditionsmarke zu festigen; der Premieren-Astra sei die inzwischen zehnte Opel-Kompaktwagen-Generation. Die Zählart setzt voraus, dass man beim 1936 vorgestellten Opel Kadett Mainz beginnt. 21 Millionen Autos wurden seither von den Rüsselsheimern in dieser Klasse verkauft - inzwischen ist die Astra-Baureihe das Rückgrat der Marke mit etwa einem Drittel Anteil am gesamten Verkaufsvolumen.

Keine Kompromisse mehr

Nun also kommt der neue Astra, ein Auto, das laut Forster "Qualität ausstrahlt" und "in vielen Dingen eine Art kleiner Insignia ist". So gibt es für den Wagen, der ab Anfang Dezember bei den deutschen Händlern stehen wird, Hightech-Extras wie ein Scheinwerfersystem das sich der Fahrsituation anpasst (Aufpreis 1250 Euro), eine Frontkamera zur Verkehrsschilderkennung inklusive Spurhalteassistent (525 Euro) oder das Flex-Ride genannte Fahrwerk mit elektronischer Dämpferregelung (930 Euro). Der Astra soll, das sagt einem jeder Opel-Mitarbeiter, den man auf der IAA auf das Auto anspricht, keine Kompromisse mehr machen.

Optisch sieht das Auto außen wie innen modern, elegant und angenehm solide aus. Anfangs wird es den Wagen ausschließlich als Fünftürer geben, im kommenden Jahr sollen die Kombiversion Sports Tourer und später auch ein dreitüriges Modell folgen. Außerdem soll schon bald nach dem Marktstart eine Ecoflex-Variante das Sortiment ergänzen, die mit 4,2 Liter Diesel je 100 Kilometer auskommen und damit 109 Gramm CO2 ausstoßen soll. Forster kündigte an, man werde "in nächster Zeit auch CO2-Werte von weniger als 100 Gramm erreichen".

Die Motorenpalette reicht von 87 bis 180 PS, insgesamt habe man den Spritverbrauch über das komplette Angebot um zwölf Prozent gesenkt erklärte Forster - obwohl das Auto deutlich gewachsen und damit geräumiger geworden ist. Auch der Preis wurde jetzt erstmals bekanntgegeben. Ab 15.900 Euro ist das Einstiegsmodell zu haben, mit 1,4-Liter-Benziner und 87 PS. Zum Vergleich: Der billigste VW Golf kostet 16.650 Euro und ist mit einem 1,4-Liter-Benziner mit 80 PS motorisiert.

Neuer Schwung dank Astra?

Gebaut wird der Astra vorerst am britischen Standort Ellesmere Port und im polnischen Werk Gliewice. Ob das Auto später auch noch in einer deutschen Opel-Fabrik produziert wird, hängt nicht zuletzt vom Erfolg des Modells ab. Der lässt sich momentan noch nicht prognostizieren, bestellt werden kann der Wagen erst seit diesen Tagen. Die Opel-Mitarbeiter hoffen, dass der Astra den Schwung nutzen kann, den das neue Mittelklassemodell Insignia für die Marke gebracht hat.

Sind es schon erste Anzeichen von Nervosität beim Kompaktklasse-Platzhirsch VW, über die das Branchen-Fachblatt "Automobilwoche" jetzt berichtete? Auf der Webseite ist zu lesen, dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech den designierten Opel-Eigner Magna kritisierte. "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden", wird der VW-Patriarch zitiert. Das Drohpotential ist enorm, denn VW gehört zu den großen Kunden des österreichischen Zulieferers.

Unterdessen arbeitet Opel bereits am nächsten Schritt zur Konsolidierung, denn auf der IAA zeigte die Marke neben dem neuen Astra auch die Serienversion des Elektroautos Ampera, das in rund zwei Jahren auf den Markt kommen soll. Der Wagen, der 60 Kilometer rein elektrisch fährt und dann mit dem Strom, den ein Vierzylinder-Benziner an Bord produziert, weitere 500 Kilometer weit kommt, ist Opels aktuelle Hightech-Visitenkarte. Pflichtgemäß, aber jetzt wohl auch ein bisschen zuversichtlicher als noch vor wenigen Wochen, sagt Aufsichtsratschef Forster: "Wir glauben, dass wir eine große Zukunft vor uns haben."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Opel an Magna - wirklich die beste Lösung?
insgesamt 179 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Werden wir erst in zwei drei Jahren wissen
kleinrentner 14.09.2009
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
wenn feststeht, wieviel Autos in Russland gebaut werden - und wenn feststeht was hier alles geschlossen/verkauft wurde. Für den Steuerzahler wird es kein Happy-End geben. Wenn die Krise anhält ist m.M.n. Magna selbst der nächste PleiteKandidat. Dann kriegen die Russen alles.
2. Das Insolvenzverfahren . . .
rieberger 14.09.2009
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
. . . ist das Mittel der Wahl. Aber die Politik und die Politiker haben aus Holtzmann nichts, aber gar nichts gelernt. So versenken wir Steuermilliarden.
3.
ballballa 14.09.2009
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
Genau so viel, wie am 31 Mai 2009 versprochen wurde! Was soll denn diese Frage?
4.
Gebetsmühle 14.09.2009
Zitat von kleinrentnerwenn feststeht, wieviel Autos in Russland gebaut werden - und wenn feststeht was hier alles geschlossen/verkauft wurde. Für den Steuerzahler wird es kein Happy-End geben. Wenn die Krise anhält ist m.M.n. Magna selbst der nächste PleiteKandidat. Dann kriegen die Russen alles.
wenn sie den bankrotten laden nehmen wollen, warum nicht? sollen sie glücklich damit werden. pleite ist er so oder so.
5. Noch besteht Hoffnung
Albedo4k8, 14.09.2009
das die EU diesem Bloedsinn ein Riegel vorschiebt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema IAA 2009
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -139-
Fotostrecke
Opel auf der IAA: Aufatmen mit dem Astra


Aktuelles zu