Autogramm Corsa Opels treue Seele

Der Corsa hat Opel in den Krisenzeiten vor der völligen Bedeutungslosigkeit bewahrt. Jetzt dankt es ihm der Hersteller mit aufwendigen Verbesserungen - vor allem am Heck.

Von Jürgen Pander

Opel

Der erste Eindruck: Ganz schön proper, der Kleine. Immer noch unverkennbar ein Corsa, aber gereifter als der Vorgänger. So markante Blechfalzen an den Flanken wie bei diesem Modell hat es bislang bei Opel nicht gegeben.

Das sagt der Hersteller: "Bei Opel herrscht Aufbruchstimmung", sagt Vertriebsvorstand Peter Küspert, "und der Corsa ist ein wichtiger Baustein in dieser Phase, denn das Auto macht ein Viertel unseres Gesamtabsatzes aus."

Von den bisherigen vier Corsa-Generationen wurden in den vergangenen 32 Jahren rund 12,4 Millionen Exemplare verkauft; man kann die Bedeutung des neuen Modells für die Marke also kaum hoch genug einschätzen. Im September lag der (jetzt auslaufende) Typ laut Statistik des Kraftfahrtbundesamts (KBA) mit 5912 Neuzulassungen sogar erstmals vor dem VW Polo. Die Opel-Leute sehen das nur zu gern als gutes Omen.

Das ist uns aufgefallen: Das Aha-Erlebnis mit dem neuen Corsa folgt gleich nach dem Einsteigen. Einen so sorgfältig und modern eingerichteten Innenraum hat noch kein kleiner Opel geboten. Das fängt bei den angenehm weichen Oberflächen an, setzt sich fort mit dem satten Klacken, mit dem die Handschuhfachklappe ins Schloss rastet und geht bis hin zum übersichtlich und reduziert gestalteten Cockpit. Die Aufpreisliste hält darüber hinaus etliche Dekordetails parat, mit denen sich der Innenraum bunter oder edler aufpeppen lässt.

Der ordentliche Ersteindruck setzt sich beim Fahren fort. Der neue Dreizylinder-Benziner treibt das Auto flott voran. Auf einer kurvigen Landstraße zeigen das überarbeitete Fahrwerk und die neue, elektrische Servolenkung, dass im bisherigen Modell noch einiges Verbesserungspotenzial steckte. Der Corsa bügelt munter und komfortabel über Land, und wenn man mit vernünftigen Kleinwagen-Ansprüchen an das Auto heran tritt, muss man nach den ersten hundert Kilometern sagen: Der neue Corsa erfüllt sie alle.

Selbst im Fond können zwei Erwachsene problemlos sitzen, wobei der Wagen voll besetzt dann sicher etwas von seinem Temperament einbüßt. Aber das gilt für fast alle Autos dieser Klasse.

Das muss man wissen: Ab Januar wird der neue Corsa beim Händler stehen, das billigste Modell, der Dreitürer mit dem 70-PS-Saugmotor, wird 11.980 Euro kosten. Die fünftürigen Modelle kosten jeweils 750 Euro mehr.

Die Auswahl an Antrieben ist vom Start weg reichhaltig: Fünf Benziner mit einem Leistungsspektrum von 70 bis 115 PS sowie zwei Dieselmotorisierungen (75 und 95 PS) stehen zur Wahl, dazu Fünf- oder Sechsgang-Schaltgetriebe, ein automatisiertes Fünfgang-Getriebe und eine Sechsstufen-Automatik. Ganz neu im Angebot ist der von uns gefahrene 1-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 115 PS, der in Kombination mit einem ebenfalls neuen Sechsgang-Schaltgetriebe ausgezeichnet zum Auto passt.

Der Dreizylindermotor, den es auch mit 90 PS gibt, ist laut Opel der einzige Motor dieses Kalibers mit einer Ausgleichswelle. Das merkt man daran, dass man eben nichts merkt: weder irritierende Vibrationen noch quengelnde Geräusche. Die Maschine schnurrt spontan und kraftvoll drauflos. Während der Normverbrauch für die 90-PS-Variante bei 4,3 Liter je 100 Kilometer liegt, gibt Opel für die 115-PS-Version 5,9 Liter an. Nach unserer 115 Kilometer langen Testrunde durch den Taunus meldete der Bordcomputer einen Schnitt von 6,0 Liter.

Ein komplett neuer Motor samt Getriebe, ein überarbeitetes Fahrwerk, ein überarbeitetes Außendesign und ein rundum renovierter Innenraum - logisch, dass Opel von einem neuen Corsa spricht. Andererseits nutzt der Corsa mit der internen Bezeichnung E nach wie vor die Typgenehmigung - also quasi die amtliche Freigabe - des bisherigen Modells Corsa D. Und deshalb darf in der Klimaanlage auch noch das althergebrachte Kältemittel R134a schwappen. Die Chemikalie ist zwar sehr viel klimaschädlicher als das neue Alternativmittel R1234yf. Dieses jedoch könnte, würde es bei einem Unfall austreten und in Brand geraten, lebensgefährliche Flusssäure bilden. Deshalb versuchen einige Autohersteller, den aufgrund der EU-Regularien nötigen Einsatz des neuen Mittels so lange wie möglich hinauszuzögern.

Das werden wir nicht vergessen: Das Heck ist die Schokoladenseite des neuen Corsa. Stämmig und geräumig wirkt das Auto von hinten, was vor allem an den breiten, zweigeteilten Rücklichtern liegt, die jeweils auf Kotflügel und Heckklappe platziert sind. Sowas ist deutlich teurer als einteilige Rücklichter in den Kotflügeln, weshalb die Opel-Entwickler an anderen Stellen offenbar sparen mussten: Die Haltegriffe klacken ungedämpft gegen den Dachhimmel und in der Beifahrer-Sonnenblende gibt es nicht einmal einen Spiegel.

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Leser1000 15.10.2014
1. Opel macht sich
Der Corsa hat an Qualität gewonnen. Der Adam einfach nur "knuddelig". Man merkt es in der Firma. Kolleginnen und durchaus auch Kollegen (die nicht gerade Opel Fans waren), äußern gerade für den Adam Respekt (=nettes, gelungenes Auto, Motto: das ist was für meine Tochter).
aufmerksamer Leser 15.10.2014
2. Qualität
Zitat von Leser1000Der Corsa hat an Qualität gewonnen. Der Adam einfach nur "knuddelig". Man merkt es in der Firma. Kolleginnen und durchaus auch Kollegen (die nicht gerade Opel Fans waren), äußern gerade für den Adam Respekt (=nettes, gelungenes Auto, Motto: das ist was für meine Tochter).
Es gibt 20 (!!) verschiedene Fahrzeuge bei Opel (lt. Homepage). Das kann unmöglich wirtschaftlich sein, geschweige denn, dass sich die Namen den Kunden einprägen würden. Das "knuddelige" Auto musste ebenso wie der Corsa zurückgerufen werden (9000 betroffene Fahrzeuge seit 02/2014), weil ein Teil des Lenkungssystems nicht den Spezifikationen entsprach. Die KFZ-Halter wurden aufgefordert, ihr Fahrzeug stehen zu lassen: http://www.opel.de/recall.html
spon-facebook-10000136230 15.10.2014
3.
Zitat von aufmerksamer LeserEs gibt 20 (!!) verschiedene Fahrzeuge bei Opel (lt. Homepage). Das kann unmöglich wirtschaftlich sein, geschweige denn, dass sich die Namen den Kunden einprägen würden. Das "knuddelige" Auto musste ebenso wie der Corsa zurückgerufen werden (9000 betroffene Fahrzeuge seit 02/2014), weil ein Teil des Lenkungssystems nicht den Spezifikationen entsprach. Die KFZ-Halter wurden aufgefordert, ihr Fahrzeug stehen zu lassen: http://www.opel.de/recall.html
das ist schlichtweg eine falsche aussage. wenn ich das lese, bekomme ich körperliche schmerzen. wenn sie fahrzeuge wie - astra & astra GTC & cascada- combo & combo kastenwagen - insignia & insignia CT - zafira familiy & zarifa tourer - movano & movano combo - vivaro & vivano combo - als separate fahrzeuge zählen, geht die rechnung auf. allerdings sind es de facto identische fahrzeuge! wenn man die modellvarianten weglässt, landet man bei 13 modellen. mit ihrer milchmädchenrechnung hat bmw bedeutend mehr als 20 modelle in seiner palette. und von rückrufen bei anderen herstellern fange ich jetzt mal nicht an...
zipfiklatscher63 15.10.2014
4. langsam gehts aufwärts
Ich liebe Kleinwagen. Bin über 50 , Kids sind erwachsen. Papa will spielen. Warum nicht den neuen Corsa mal mit 180 PS? Aber ohne Prolldesign a la OPC? So wie Citroën das mit dem DS3 wunderbar verpackt. Verbrauch niedrig (um die 7 Liter) Spaß riesig...Das gefällt auch alten Säcken wie mir ;-)
rathat 15.10.2014
5.
"Die Haltegriffe klacken ungedämpft gegen den Dachhimmel und in der Beifahrer-Sonnenblende gibt es nicht einmal einen Spiegel." Wenn dafür die Technik mit Langlebigkeit punktet ist das zu verschmerzen. Bei VW verliert man sich gerne in solchen Details, aber das man dort nicht in der Lage ist, einen Motor mit Steuerkette, geschweige denn ein haltbares Doppelkupplungsgetriebe zu bauen, wird nicht erwähnt. Ebenso scheinen Edelstahl-Auspuffanlagen immernoch nicht serienmäßig verbaut zu werden. Aber die sieht ja beim Kauf eh keiner.
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