Opel GT Concept Rote Botschaft

Zuletzt war Opel vor allem wegen der Abgaswerte des Zafira in den Schlagzeilen, davon lenken die Rüsselsheimer jetzt geschickt ab: Mit der Studio GT Concept, einer möglichen Neuauflage des legendären GT - rote Reifen inklusive.

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Die roten Gummis springen sofort ins Auge. Geht's um eine neue Reifenmarke? Spezielle Sommerpneus? Nein, die Dinger sind nur ein Trick, um maximal aufzufallen. Tatsächlich geht es um einen neuen Opel. Einen Sportwagen, wie man ihn sich eigentlich nur wünschen kann: flach, schnittig, kompakt. Doch offenbar mag sich Opel nicht auf die Anziehungskraft der Form verlassen, und hat sich den Gag mit den roten Socken ausgedacht. Concept GT heißt die Designstudie, die auf dem Autosalon in Genf (3. bis 13. März) für Aufmerksamkeit sorgen soll und von der jetzt erste Bilder veröffentlicht wurden.

Mal wieder reaktivieren die Rüsselsheimer also das Kürzel GT, bei dem jeder sofort den zierlichen Sportwagen aus den Sechzigerjahren vor Augen hat, dessen Design mit Schlafaugen-Scheinwerfern und Coke-Bottle-Hüftschwung noch heute verzückt. Mehr als 100.000 Autos dieser Mini-Corvette verkaufte Opel damals, der Werbeslogan "Nur Fliegen ist schöner" ging in den Alltagswortschatz ein.

Das Original: Opel GT von 1968
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Das Original: Opel GT von 1968

Vor zehn Jahren startete Opel den ersten Versuch, die einstige GT-Euphorie aufzuwärmen. "Die Legende ist zurück" lautete das Motto, als beim Autosalon in Genf 2006 der Opel GT Roadster enthüllt wurde. Der offene Sportwagen kostete allerdings mehr als 30.000 Euro und war ein Auto, das im damaligen Opel-Portfolio völlig deplatziert wirkte. Zwischen 2007 und 2009 wurden lediglich 7519 Exemplare im General-Motors-Werk in Wilmington gebaut. Die zwei Schwestermodelle Saturn Sky und Pontiac Solstice waren sehr viel gefragter.

Neues Selbstbewusstsein mit altem Kürzel

Nun also gibt's einen neuen Anlauf, um das Kürzel GT wiederzubeleben und daraus zumindest einen Imagegewinn zu schlagen. "Der GT Concept zeigt, wofür Opel inzwischen steht. Wir sind selbstbewusst, innovativ und wollen mit jedem neuen Auto mehr Kunden für die Marke begeistern", sagt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann über die Sportwagenstudie.

Das Remake: GT Concept - Premiere auf dem Autosalon in Genf
Opel

Das Remake: GT Concept - Premiere auf dem Autosalon in Genf

Schon nach einem flüchtigen Blick auf das Auto ist klar, dass es in dieser Form niemals in Serie gehen wird: Ohne Türgriffe, ohne Außenspiegel, ohne Kofferraum, aber mit knallroten Vorderreifen. Und die nahtlos in die Karosserie übergehenden Seitenscheiben sehen zwar schick aus und senken den Luftwiderstand, dürften aber zugleich die Produktionskosten derart in die Höhe treiben, dass sie bis auf Weiteres nicht realisierbar sind. Möglicherweise gilt das auch für die originelle Aufhängung der Türen, deren vorderer Teil beim Öffnen ins Radhaus schwenkt und so den Öffnungswinkel größer und den Ein- oder Ausstieg in engen Parklücken bequemer macht.

Erfreulich realistisch hingegen ist die Motorisierung des GT Concept. Unter der lang gezogenen Motorhaube sitzt ein hinter der Vorderachse platzierter 1-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, der 145 PS mobilisiert und seine Kraft über ein sequenzielles Sechsganggetriebe an die Hinterräder leitet. Eine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h soll die Studie, die "weniger als 1000 Kilogramm" wiegt, erreichen.

Wer erwartet von Opel einen Sportwagen?

"So sieht der Sportwagen der Zukunft aus", titelt Opel selbstbewusst über der Pressemitteilung, die jetzt zusammen mit den ersten Bildern des GT Concept verbreitet wurde. Das zeugt vom wiedergewonnenen Ego der Rüsselsheimer und bedeutet zugleich ein Dilemma. Denn niemand erwartet von Opel, jetzt, da der Aufschwung allmählich Konturen annimmt, sogleich einen Sportwagen. Die Frage ist ja ohnehin: Erwartet überhaupt jemand einen Sportwagen von Opel?

Andererseits aber, und hier beginnt das Dilemma, zeigt Opel jetzt eine rassige Sportwagenstudie - und wenn deren Effekt nicht einfach verpuffen soll, dann muss zumindest eine Perspektive für ein Serienauto dieser Art vorhanden sein. Anders gesagt: Wer gackert, muss auch legen. Ob Opel das wirklich vorhat, wird man erst in ein paar Jahren wissen. Bis dahin ist der GT Concept ein toller Hingucker - und vielleicht sogar ein Versprechen.

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
waswoasi 27.01.2016
1. BMW Z4 lässt grüssen, ...
mehr sag ich nicht!
patrick6 27.01.2016
2. Erst dachte ich...
...och nee, nicht noch so ein Retroding.... Aber wenn man sich das mal genauer anschaut, ist die Grundform des (alten) GT tatsächlich klasse. Und in dieser Studie nett weitergeführt. Dass da keine Kofferraumklappe dabei ist, wird wohl auch ein Zitat des Originals sein: Der hatte sowas auch nicht.
kugelsicher, 27.01.2016
3.
Wenn der gesamte rote Unfug weg kommt und im Innenraum auch Platz für 1,96m ist, dann ein schönes Auto.
totalmayhem 27.01.2016
4.
Opelfahrer in Badehose mit Playboy-Magazin umgeben von heissen Miezen in Leoparden-Bikini... O tempora, o mores. ;) Der GT war in der Tat nur fuer echte Kerle, war das schwache Geschlecht doch meist ueberfordert, wenn Scheinwerferzug und -gelenk etwas Rost angesetzt hatte. Aber die Studie ist echt niedlich, viel Glueck damit, Opel. Bloss mit dem Ein-Liter Motoerchen zieht das Ding halt keine Wurschtpelle vom Teller, "Zukunft" hin oder her, das ist entschieden zu wenig.
spontanistin 27.01.2016
5. Spaßauto???
Soll es tatsächlich noch Leute geben, denen das Bewegen eines solchen Gefährtes im normalen Straßenverkehr Spaß macht? Der Angeberfaktor dürfte im Vordergrund stehen. Oder: Porsche 911 für den "Popel",
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