Opel Olympia Revolution aus Rüsselsheim

Vor 70 Jahren setzte Opel neue Maßstäbe im Automobilbau. Im April 1935 wurde das Modell Olympia vorgestellt, der erste deutsche Großserienwagen mit selbst tragender Ganzstahlkarosserie. Die Reklame verspricht: "Er ist der Wagen unserer Zeit."


Opel Olympia: Das erste deutsche Großserienmodell mit selbst tragender Karosserie, Baujahr 1935

Opel Olympia: Das erste deutsche Großserienmodell mit selbst tragender Karosserie, Baujahr 1935

Kutschen waren in den ersten Jahrzehnten des Automobils die Vorbilder für die neuen Benzinwagen, besonders was die Bauart betraf. Achsen, Räder, Motor, Antriebsstrang und Lenkung waren an einem Rahmen befestigt, auf den schließlich ein Aufbau gesetzt wurde. Holz und Stahl wurden dabei nebeneinander verwendet - zahlreiche Karosseriefirmen bauten höchst unterschiedliche Aufbauten für ein und dasselbe Fahrgestell. Damit räumte der Opel Olympia auf - der seinen Namen übrigens im Vorgriff auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin erhalten hatte.

Bereits im Herbst 1934 hatte Opel das "sprengwerkartige Wagenkastengerippe" zum Patent angemeldet. Dabei wurde die Karosserie komplett aus Stahlteilen im Punktschweißverfahren zusammengebaut. Motor, Getriebe und Achsen wurden dann unter die an einer Förderkette hängende Karosserie gehoben und mit ihr verbunden. Den Vorgang nennt man noch heute "Hochzeit", und am 26. Juni 1935 meldete Opel das neue Montageverfahren zum Patent an. Ein Prinzip, das auch heute noch den Automobilbau bestimmt.

Olympia-Montage: "Hochzeit" in der Fabrik in Rüsselsheim

Olympia-Montage: "Hochzeit" in der Fabrik in Rüsselsheim

Die selbst tragende Karosserie hatte gegenüber der bisherigen Bauart mehrere Vorteile. Sie sparte Gewicht, verbesserte die Leistung, erhöhte die Sicherheit und senkte den Preis. Denn das neue Produktionsverfahren war billiger zu bewerkstelligen. Der Opel Olympia mit 1,3-Liter-Vierzylindermotor und einer Leistung von 24 PS kostet im Sommer vor 70 Jahren exakt 2500 Reichsmark. Das Auto wog 835 Kilogramm, lief maximal 95 km/h schnell und verbrauchte rund neun Liter Benzin auf 100 Kilometern. Es gab eine zweitürige Limousine sowie eine Cabrio-Version.

Neu am Opel Olympia waren auch die Scheinwerfer. Statt wie bislang üblich die Lampen separat neben der Karosserie zu befestigen, waren bei diesem Modell die Scheinwerfer in die Frontpartie integriert. Der Kofferraum, auch das eine Neuheit, konnte nur von innen beladen werden. Die Sitze waren mit Cord überzogen, und die Opel-Werbung hob hervor, dass man auf Grund des geräumigen Innenraums "keine Fahrstrapazen spürt". Eine besondere Aktion starteten die Rüsselsheimer im Juni des Jahres 1936, als zwei Olympia-Modelle nach Griechenland fuhren und von dort den Fackelstaffellauf des Olympischen Feuers über 3075 Kilometer bis nach Berlin eskortierten.

Cabrio-Limousine: Diese Karosserieversion war damals überaus beliebt, Opel verlangte für den Wagen 2500 Reichsmark

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In den folgenden Jahren wurde das Auto mehrfach überarbeitet und modernisiert. Wesentlich waren die Änderungen des Baujahrs 1938, als die bisherige zweigeteilte und mittig angeschlagene Motorhaube durch eine neue so genannte Alligatorhaube ersetzt wurde. Sie öffnete - wie heute noch üblich - den Zugang zum Motorraum von vorne. Unterm "Krokodilsmaul" saß ein neuer 1,5-Liter-Vierzylinder-"Hochleistungsmotor" mit oben liegender Nockenwelle und 38 PS. Eine Maschine, die sogar im Rennsport Karriere machte. Die Karriere des Opel Olympia endete 1940, als in Rüsselsheim die Fertigung ziviler Fahrzeuge eingestellt werden musste. Bis dahin waren 168.875 Modelle des Typs Olympia gebaut worden - und das erste Nachkriegsmodell von Opel ließ 1947 den Namen wiederauferstehen.

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