Opel Rekord B Lückenbüßer und Wegbereiter

Bieder war er, der Rekord B. Von Opel-Fahrern wurde er später immer nur als das "Zwischenmodell" bezeichnet. An den Erfolg seines Nachfolgers reichte er nie heran. Heute ist das Modell in erster Linie eines: eine Rarität.


Eckige Frontscheinwerfer: Die Lampen des Rekord B wurden auch beim erfolgreicheren Nachfolgemodell übernommen
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Eckige Frontscheinwerfer: Die Lampen des Rekord B wurden auch beim erfolgreicheren Nachfolgemodell übernommen

Rüsselsheim - Der Opel Rekord B ist der Auto gewordene Widerspruch. Als er 1965 zu den Händlern kam, war er ein neues Auto, das andererseits so neu nicht war. Er war altbacken wie modern, war Lückenbüßer und Wegbereiter. Jener Rekord, der zwischen den erfolgreichen Familienmitgliedern A und C stand, stellte mit einer Bauzeit von gerade mal elf Monaten einen Rekord ganz eigener Art auf.

Der Modellname Rekord war über Jahrzehnte eine feste Größe, die mit der Marke Opel verbunden wurde. Bis in die achtziger Jahre bekamen die unverwüstlichen Gebrauchslimousinen der Mittelklasse dieses Namensschild an die Kofferraumklappe geschraubt. Begonnen hatte die Geschichte 1953, als ein Opel Olympia erstmals den Namenszusatz erhielt. Zehn Jahre später rollte das erste Modell vom Band, das nur noch Rekord genannt wurde. Den Buchstaben A kam später dazu.

Zweitüriges Coupé: Ein Hauch von Extravaganz für die Familienkutsche
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Zweitüriges Coupé: Ein Hauch von Extravaganz für die Familienkutsche

1965 sollte dann der Rekord B folgen. Denn mittlerweile war es Zeit für einige Neuerungen im Hause Opel. Nicht nur das Design des ersten Rekords wirkte altbacken. Die Motoren hatten sich laut der in Mainz erscheinenden Zeitschrift "Oldtimer Markt" zwar im Laufe der Zeit einen Ruf "absoluter Unkaputtbarkeit" erarbeitet, gleichzeitig waren sie aber alles andere als der aktuelle Stand der Technik: Die Grundkonstruktion hatte zu diesem Zeitpunkt fast 30 Jahre auf dem Buckel.

Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, bekam der Rekord B also völlig neue Motoren. Gewählt werden konnte zwischen drei Ausführungen: einem 1500er mit 44 kW/60 PS, dem 55 kW/75 PS starken 1700 und als Topmodell unter diesen Vierzylindern dem 1900er mit 66 kW/90 PS. Auch ein Sechszylinder stand zur Wahl.

Runde Heckleuchten: Das Design tauchte beim Opel GT und dem ersten Opel Manta wieder auf
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Runde Heckleuchten: Das Design tauchte beim Opel GT und dem ersten Opel Manta wieder auf

Natürlich muss sich ein neues Modell auch äußerlich vom Vorgänger unterscheiden, um das Interesse der Käufer zu wecken. Bei Opel jedoch schien man nicht die rechte Lust gehabt zu haben, dem Auto ein komplett neues Kleid zu verpassen. Und so erinnert der B zumindest in der Seitenansicht stark an den ersten Rekord. An Front und Heck dagegen fällt die Unterscheidung nicht schwer.

So weist die Frontpartie statt der runden Leuchten des Vorgängers rechteckige Scheinwerfer auf. Sie wurden beim späteren Erfolgsmodell Rekord C nahezu unverändert übernommen. Ähnliches gilt für das Heck, an dem an beiden Seiten je zwei runde Leuchten prangten. Diese Heckbeleuchtung sollte auch dem Klassiker Opel GT sowie dem ersten Opel Manta zu einem eigenen Erscheinungsbild verhelfen.

Wenig spektakulärer Innenraum: Heute gilt der von Opel-Liebhabern als "Zwischenmodell" bezeichnete Rekord B als begehrte Rarität
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Wenig spektakulärer Innenraum: Heute gilt der von Opel-Liebhabern als "Zwischenmodell" bezeichnete Rekord B als begehrte Rarität

Ansonsten bot der Rekord B wenig Aufsehen Erregendes - was aber auch niemand wirklich erwartete. Schließlich war so ein Opel der typische Familientransporter seiner Zeit. Er sollte eben nichts anderes sein als praktisch und zuverlässig. Für diejenigen, die zumindest einen leichten Hang zur Extravaganz verspürten, gab es immerhin noch ein zweitüriges Coupé. Fast wie zum Ausgleich für diesen Exoten wurde aber auch eine Kombiversion angeboten. Allen gemein war, dass sie innen reichlich Platz boten.

Doch irgendwie war das alles nichts Halbes und nichts Ganzes. Zwar konnten die Fahrer eines Rekord 1900S nun mit 160 km/h über die Autobahn brettern. Aber das konnten andereAutos auch - und die waren optisch nicht so ein verzweifelt aufgepepptes Altauto. Vielleicht hat man auch die Begeisterung der typischen Opel-Klientel für moderne Motorentechnik über- und den Wunsch nach einem wirklich neuen Auto unterschätzt.

Unverwüstliche Gebrauchslimousine der Mittelklasse: Der Opel Rekord wurde bis in die achtziger Jahre gebaut
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Und vielleicht waren die Mannen bei Opel mittlerweile selbst zu begeistert vom Nachfolger dieses Nachfolgemodells: Nur elf Monate nach dem Start des Rekord B im August 1965 war im Juli 1966 schon wieder Schluss. In dieser Zeit hatte sich der Rekord immerhin fast 300.000-mal verkauft - was an sich ja eine ganze Menge ist. Trotzdem wollte Opel mehr, wollte es der Konkurrenz endlich richtig zeigen.

Also folgte der Rekord C, der dann tatsächlich als millionenfach gebautes Erfolgsmodell in die Geschichte eingehen sollte. Ob ihm die Gesichtszüge des Rekord B mit den typischen rechteckigen Scheinwerfern dabei halfen - wer weiß?

Von Heiko Haupt, gms

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