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Deutsche Umwelthilfe: Auch Opel soll bei Abgaswerten getrickst haben

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Zafira auf dem Rollenprüfstand: Auffällige Abweichungen Zur Großansicht
Steffen Holzmann / DUH

Zafira auf dem Rollenprüfstand: Auffällige Abweichungen

Die Deutsche Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe gegen Opel. Bei einem Test waren die Abgaswerte eines Zafira deutlich höher als erlaubt. Die deutsche GM-Tochter gerät in Erklärungsnot.

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte durch Volkswagen erhebt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auch schwere Vorwürfe gegen Opel. Ein Test der Umweltschützer legt nahe, dass auch die deutsche GM-Tochter bei den Abgaswerten getrickst haben soll.

Die Deutsche Umwelthilfe hat von einem unabhängigen Labor in der Schweiz einen Zafira mit einem 1,6 Liter Dieselmotor untersuchen lassen und dabei erhebliche Ungereimtheiten festgestellt. Je nach Messmethode haben die Stickoxid-Emissionen (NOx) das bis zu 17-fache des gültigen Euro-6-Grenzwertes betragen, teilte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch auf einer Pressekonferenz mit. Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule ist vor allem für Schweizer Behörden tätig.

Der Umwelt-Aktivist hütete sich jedoch, konkrete Verdächtigungen zu äußern, mit welchen Mitteln die offiziellen Testergebnisse erreicht worden sein könnten. Dagegen schilderte er umso genauer, in welchen Details der genormte Testzyklus (NEFZ) verändert worden ist, und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das Abgasverhalten des Familienvans hatten. Das Ergebnis zeigt starke Parallelen zum VW-Fall. Dort hatte das Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions der West Verginia University im Auftrag der Umweltorganisation ICCT Unregelmäßigkeiten im Abgasverhalten eines VW-Jetta festgestellt. Die Untersuchungen waren mitverantwortlich dafür, dass der Abgasskandal bei VW überhaupt aufgedeckt werden konnte.

In den ersten Versuchen nach den Vorgaben des NEFZ stand der Zafira mit der angetriebenen Vorderachse auf dem Rollenprüfstand, die Hinterräder bewegten sich nicht. Aggregate, welche die Motorleistung in Anspruch nehmen - etwa die Klimaanlage oder die Lichtmaschine - blieben ausgeschaltet. Unter diesen Bedingungen schaffte der Wagen locker den NOx-Grenzwert nach Euro 6.

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Ganz anders sahen die Messwerte jedoch aus, als die Testingenieure einzelne Variablen veränderten. Etwa durch Zuhilfenahme eines so genannten Zwei-Rollen-Prüfstands, der normalerweise für Allradautos eingesetzt wird. Beim Prüfling sorgte die Rolle an der Hinterachse dafür, dass sich die Räder mitdrehten. Ergebnis: Ein signifikanter Anstieg der NOx-Emissionen.

Interessant waren auch die Messergebnisse bei kaltem und warmen Motor. Normalerweise fallen direkt nach dem Start die meisten Schadstoffe an. Erst bei höheren Temperaturen arbeitet die Abgasreinigung im optimalen Bereich. Beim Zafira war dies unter den geänderten Testbedingungen jedoch genau umgekehrt. "Ich habe keine normale, technisch plausible Erklärung für das Abgasverhalten des Opel-Fahrzeuges", sagte DUH-Verkehrsberater Axel Friedrich dazu. Er forderte die Bundesregierung auf, die Abweichungen zu prüfen.

Einen Verdacht für die ungewöhnlichen Messergebnisse haben die Umweltschützer jedoch sehr wohl. Doch sie hüteten sich, juristisch angreifbare Formulierungen während der Pressekonferenz zu verwenden. So ließe sich leicht annehmen, dass zum Beispiel die ABS-Sensoren an der Hinterachse dem Auto Hinweise liefern, dass er gerade auf dem Prüfstand läuft. Dass daraufhin die Elektronik ein anderes Kennfeld für die Motorsteuerung abruft, ist nicht beweisbar, wäre aber logisch.

Aus Sicht von Opel sieht das anders aus: "Die Anschuldigungen sind eindeutig falsch und unbegründet", erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Trotz mehrfacher Aufforderung habe die DUH die Messergebnisse Opel nicht zur Verfügung gestellt. Man habe nach der ersten Anfrage der DUH denselben Test nachgefahren. Die Werte seien korrekt und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.

Die DUH hat bereits auch die anderen deutschen Autohersteller BMW und Daimler der Manipulation verdächtigt. Die Autokonzerne hatten dies zurückgewiesen und der Organisation mit rechtlichen Schritten gedroht.

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insgesamt 160 Beiträge
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1. Haha ...
kuddemuddel 23.10.2015
... da wird in mancher Vorstandsetage sicherlich der Angstschweiß reichlich fließen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass VW der einzige Buhmann sein soll.
2. Klage gegen GM
rieberger 23.10.2015
Bitte sofort den Mutterkonzern GM in den USA auf Milliarden verklagen. Mal sehen, wie die Gralshüter des Rechts ihren amerikanischen Konzern schützen werden.
3. Die Opel-Mutter, General Motors, aus den USA...
kaischek 23.10.2015
...wird das nicht die Bohne interessieren. Amerikanische Medien werden sich darüber nicht aufregen und im "land of the free" weiß jeder, dass europäische Belange zahnlose Tiger sind. Die europäischen Behörden sprechen irgendwann eine Rüge aus, Opel zahlt die Ordnungswidrigkeit aus der Portokasse und dann kehrt Ruhe ein. Ganz anders hingegen das Theater und die Konsequenzen um und für VW. Hier zerfleischt ein ganzes Land den guten Ruf des Wirtschaftsstandortes Deutschland aus Lust an der Zerstörung. Betrug, ja, aber kein Grund für dieses typisch deutsche, mediale Fertigmachen eines gestrauchelten Weltmarktführers.
4. Norm
promo-nl-de 23.10.2015
Hm, unter genauer Einhaltung des genormten Prüfverfahrens schafft er die Euro 6 locker. Wo ist jetzt das Problem? Das diese Werte in der Praxis nicht erreicht werden ist genau so bekannt wie beim Verbrauch. Also, nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen...
5. Gesunde Nasen wissen...
moabitmoe 23.10.2015
...das schon lange. Man riecht es doch sofort bei welchem Fahrzeug die Filter korrekt arbeiten. Bei den meisten Omnibussen z.B.. Die betroffenen PKW begehen Körperverletzung im großen Stil.
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