Abgasaffäre Dobrindt ignoriert konkreten Vorwurf gegen Opel

Die Deutsche Umwelthilfe und das TV-Magazin "Monitor" haben erhöhte Abgaswerte bei einem Opel Zafira gemessen. Doch dem Verkehrsministerium, das sich in der VW-Affäre als Aufklärer gibt, reicht ein Dementi der GM-Tochter.

Opel Zafira auf dem Prüfstand in Biel, Schweiz
Steffen Holzmann / DUH

Opel Zafira auf dem Prüfstand in Biel, Schweiz


Das Bundesverkehrsministerium unter Minister Alexander Dobrindt (CSU) will erneute Hinweise, dass Opel bei den Abgaswerten getrickst haben könnte, offenbar nicht weiter verfolgen. "Es wird darauf verwiesen, dass in dem Monitor-Bericht aufgeführte Sachverhalte von Opel zurückgewiesen wurden", hieß es dazu auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

"Monitor" hatte bei einem Opel Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor ein verdächtiges Verhalten bei gleich mehreren Abgasprüfungen festgestellt. Dieses deutet auf eine illegale Abschaltvorrichtung hin, wie sie auch VW im großen Stil bei Dieselfahrzeugen eingesetzt hat. Opel wies die Vorwürfe zurück, konnte aber keine technisch plausible Erklärung für die um das Vier- bis Fünffache überhöhten Werte beim Stickoxidausstoß liefern.

Damit steht die Reaktion des Verkehrsministeriums in starkem Kontrast zum Vorgehen der US-Behörden im VW-Abgasskandal. Dort waren die zuständigen Ämter einem Hinweis der Umweltschutzorganisation ICCT gefolgt und hatten nach eigenen Tests VW schließlich zum Eingeständnis der Manipulationen gezwungen.

Beim Bundesverkehrsministerium sieht man es offenbar etwas entspannter: "Minister Dobrindt hat umfangreiche und strenge Nachprüfungen angeordnet - von betroffenen VW-Dieselmodellen sowie von Fahrzeugen anderer Volumen-Hersteller aus dem In- und Ausland. Die Tests finden sowohl "auf der Rolle" als auch im Realverkehr auf der Straße statt. Dabei werden auch die CO2-Werte gemessen. Sobald die Nachprüfungen abgeschlossen sind, wird es ein Gesamtergebnis geben", heißt es aus dem Ministerium. Nur: Dieses wenig konkrete Mantra ist von dort schon seit Wochen zu hören, Zwischenergebnisse oder eine ungefähre Aussicht auf einen Abschluss der Untersuchungen gibt es nicht.

Zweiter Test, schon wieder Ungereimtheiten

Für die deutsche GM-Tochter ist es nicht das erste Mal, dass sie mit dem Vorwurf, bei den Abgaswerten getrickst zu haben, konfrontiert wird. Bereits Ende Oktober hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Ergebnisse eines Tests mit einem Zafira mit einem 1,6 Liter Dieselmotor vorgelegt. In einem unabhängigen Labor in der Schweiz hatte die DUH das Fahrzeug untersuchen lassen und dabei erhebliche Ungereimtheiten festgestellt. Je nach Messmethode haben die Stickoxid-Emissionen (NOx) das bis zu 17-Fache des gültigen Euro-6-Grenzwertes betragen.

Opel wies auch damals die Vorwürfe zurück, berief sich dabei auf eigene Messungen, veröffentlichte bislang allerdings nur deren Ergebnis, nicht aber die Prüfprotokolle. Das das Magazin "Monitor" nun zu einem ähnlichen Ergebnis kommt wie die DUH, bringt den Hersteller zusätzlich in Erklärungsnot. Die Redakteure der Sendung ließen einen Opel Zafira immerhin in gleich zwei unabhängigen Laboren testen - einmal in der Schweiz, einmal in Tschechien. Dabei verfolgten sie streng die Vorschriften für das in der EU gängige Testverfahren.

Zunächst wurde der Wagen auf dem Prüfstand konditioniert. Dafür muss er ein exakt festgelegtes Fahrprofil abfahren. Nach einer vorgeschriebenen Ruhephase von sechs Stunden folgte der Prüfzyklus, der eine 20-minütige Fahrt in der Stadt und über Land simuliert. Entsprechend vorkonditioniert hielt der Zafira die Vorgaben des NEFZ-Zyklus problemlos ein.

Keine plausible Erklärung von Opel

Anschließend wurde der Wagen auf der Straße bewegt, das Auto hatte die ideale Betriebstemperatur erreicht, hätte also folglich einen anschließenden Testzyklus eigentlich ebenfalls bestehen müssen. Doch ohne Konditionierung stieß der Wagen auch beim Testzyklus im Labor vier bis fünf Mal mehr Stickoxid aus und konnte den gültigen Grenzwert von 80 Milligramm je Kilometer nicht mehr einhalten. "Monitor" wiederholte das Experiment - mit dem gleichen Ergebnis.

Für Partikel-Experte Michal Vojtisek von der Technischen Universität Prag lässt sich dieses Verhalten nur durch Veränderungen bei der Motorsteuerung erklären. Diese verhält sich im offiziellen Test und bei entsprechender Konditionierung offensichtlich anders: "Das würde unter die Definition einer verbotenen Abschalteinrichtung fallen. Es sei denn, es gibt dafür einen schlüssigen technischen Grund", sagte er in der Sendung. Doch genau diesen konnte Opel bislang nicht liefern.

mhu



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wo_st 04.12.2015
1.
Na und, ohne Bestätigung von Herrn Dobrint hat Opel nichts unsauberen gemacht. Oder?
vish 04.12.2015
2.
Dobrindt - der neue Pofalla? "Ich hab' da angerufen und damit ist die Affäre beendet!" Die deutsche Politik ist eine einzige Ansammlung von Witzfiguren, mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen.
jackoconnor 04.12.2015
3. Die goldene Pflaume...
Ich bin dafür, einen neuen Preis einzuführen. Den nennt man "die goldene Pflaume" und er geht jedes Jahr an den Bundesminister mit der permanent schlechtesten Leistung in Verbindung mit einem dümmlichen Grinsen und konsequenter Missachtung der Realität... ach, nee, der Name ist nicht schön... Nennen wir ihn einfach den Dobrindt-Preis!!
romeov 04.12.2015
4. Opel ist ja auch kein deutsches Unternehmen.
wer glaubt denn an das Märchen, dass die VW-Manipulation aus Einzelinitiative aufgeklärt wurde. Ich denke das ist Teil eines Wirtschaftskrieges, in diesem Spiel ist OPEL, als Teil von GM, uninteressant.
Holbirn 04.12.2015
5. Seriosität ist anders
Man hat irgendwie den Eindruck, dass Dobrindt einfach da weitermacht, wo es ihm am ehesten gefällt: Vor der Entdeckung der Betrügereien. Da tut er dann so, als wäre nichts niemals gewesen, obwohl sein Ministerium doch schon bei der VW-Affäre eine mehr als maßgebliche Rolle spielte. Das ist dreist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.