Von Tom Grünweg
Als der Opel Zafira 1999 erstmals auf den Markt kam, war das Auto ein Trendsetter. Denn so pfiffig konnte man damals in keinem anderen Kompaktvan die Sitze umsortieren, ohne sie auszubauen. Die zweite Auflage 2005 perfektionierte die Vorzüge, ohne wirklich etwas Neues zu bieten. Nun steht die dritte Generation bereit. Das Auto stand bereits als Studie im März auf dem Autosalon in Genf und wird auf der IAA in Frankfurt im September Weltpremiere feiern. Bei den Händlern steht das Auto dann zum Jahreswechsel - doch schon jetzt hat Opel erste Fotos des Serienmodells veröffentlicht.
Sie zeigen einen Familienvan mit völlig neuem Design. Die Frontpartie ist inspiriert vom Elektrowagen Ampera und hat Schweinwerfer, die entfernt an die Zähne eines Walross erinnern. Die Flanke ist stark modelliert und trägt die gleiche aufsteigende Sicke wie die Modelle Astra und Insignia. Das Heck wiederum ist breit und praktisch. Schließlich soll der Zafira auch ein Lademeister sein. Deshalb ist das Auto auch deutlich größer. Der Radstand legt um sechs Zentimeter auf nun 2,76 Meter zu, ist rund zehn Zentimeter breiter und fast 20 Zentimeter länger. 4,66 Meter misst der neue Opel Zafira; damit legt nicht nur das Kofferraumvolumen zu, das bei eingeklappter dritter Sitzbank jetzt 710 und im zweisitzigen Betrieb 1860 Liter fasst, sondern es wächst auch die Beinfreiheit.
Bei der ersten Sitzprobe überzeugt der Zafira. Die dritte Reihe bleibt zwar ein Notbehelf, doch auf den drei Einzelsitzen in der zweiten Reihe reist man jetzt bequemer als in mancher großen Limousine. Die Sitze lassen sich um bis zu 21 Zentimeter verschieben. Zudem gibt es optional eine sogenannte Lounge-Bestuhlung. Sie ist so konstruiert, dass der Mittelsitz in Reihe zwei zur Armlehne eingeklappt wird und die beiden äußeren Sitze um 28 Zentimeter nach hinten und zugleich um fünf Zentimeter zur Mitte hin gleiten. Nicht nur die Knie haben dann mehr Freiraum, sondern auch um die Schultern wird es angenehm licht.
Ein Familienvan, der auf Wellness-Auto macht
Das Serienauto soll noch mehr Komfort bieten. "Dazu gehören für mich vor allem Ruhe und Gelassenheit", sagt Opel-Entwicklungschefin Rita Forst. Deshalb sei der Zafira besonders gut gedämmt. Und deshalb ist er auch gutmütig gefedert, wie SPIEGEL ONLINE vor ein paar Wochen bei Abnahmefahrten am Polarkreis feststellen konnte. Flotter Fahrspaß ist nur einen Knopfdruck entfernt, denn an Bord ist das Flexride-Fahrwerk, das bereits aus den Modellen Astra und Insignia bekannt ist.
Es bietet variable Federn und Dämpfer und lässt sich damit im Charakter verändern. Auch sonst haben sich die Entwickler aus dem Baukasten der anderen Modelle bedient. So erhält auch der Zafira das sogenannte Opel-Eye, dessen Videokamera neben Tempolimits auch Überholverbote erkennen kann. Es gibt Assistenzsysteme für Spurführung und -wechsel und ein ziemlich pfiffiges Lichtsystem, das sich automatisch auf die Situation einstellt. Neu - zumindest für Opel - ist eine elektronische Abstandskontrolle, die nicht nur den Tempomat steuert, sondern auch automatisch bremst, falls ein unvermeidbarer Auffahrunfall droht. Das soll wenigstens den Schaden etwas mindern.
Der Zafira fährt zunächst mit bekannten Motoren vor
Die Motorenpalette ist im Prinzip bekannt. Starten wird der Zafira mit drei Versionen des 2,0-Liter-Dieselaggregats, die 110, 130 oder 165 PS leisten. Außerdem gibt es in der Benzinfraktion den 1,4 Liter großen Turbomotor mit 120 oder 140 PS. Alle Maschinen kombiniert Opel mit Sechsgang-Getrieben, und zum ersten Mal durchgängig auch mit einer Start-Stopp-Automatik. Für Spritsparer folgt kurz nach der Markteinführung eine Ecoflex-Variante, und auch Versionen für Erd- und Flüssiggas sollen angeboten werden. Stärkere Benziner aus einer neuen Motorengeneration sind übrigens auch avisiert.
Mehr als ein halbes Jahr vor der Markteinführung hält sich Opel bei den Preisen allerdings noch bedeckt. Das neue, größere, intelligentere und modernere Auto wird es jedoch kaum zum alten Tarif von aktuell 20.995 Euro geben, sondern es wird wohl deutlich teurer. Wer aufs Geld schauen muss, kann allerdings weiterhin den alten Zafira kaufen. Der bleibt nämlich im Programm - sozusagen als hauseigenes Billigmodell.
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