Versteigerung von Kriegsfahrzeugen Die Abrüstungsauktion

Panzer, Haubitzen, Raketenträger - man könnte eine kleine Armee ausrüsten mit der Littlefield Collection. Jetzt wird eine der weltweit größten Privatsammlungen von Militärfahrzeugen versteigert. Und die meisten Gefährte sind noch voll einsatzfähig.

Auctions America

Von Jürgen Pander


Jacques M. Littlefield, geboren 1949 in San Francisco, spielte schon als Junge am liebsten mit Soldatenfiguren. Der Spross aus reichem Haus klebte Modellbaupanzer zusammen und schob Miniaturgeschütze durchs Kinderzimmer.

Die Leidenschaft fürs Militärische wurde später vollends zu seinem Lebensinhalt: Littlefield, vorübergehend als Ingenieur bei Hewlett-Packard beschäftigt, anschließend mit der Verwaltung des Familienvermögens befasst, baute in den Achtziger- und Neunzigerjahren eine der größten Privatsammlungen von Militärfahrzeugen auf. Vor fünf Jahren starb er an Krebs. Jetzt wird ein Großteil seiner kriegerischen Kollektion versteigert.

"Die meisten der 115 Fahrzeuge der Versteigerung sind fahr- und funktionstüchtig und können für den Privatgebrauch genutzt werden", sagt Ian Kelleher, Militaria-Fachmann des Auktionshauses Auctions America, das die zweitägige Versteigerung organisiert. Neben den Panzern, Haubitzen, Geschützen, Mannschaftswagen und mobilen Raketenabschussrampen kommen auch Dutzende von Einzelteilen wie Motorteile, Munitionsbehälter oder Tarnnetze unter den Hammer.

Grund der Versteigerung ist die Auflösung der ursprünglichen Littlefield Collection von mehr als 200 Fahrzeugen und Tausenden von Einzelteilen, die zehn große Ausstellungshallen auf dem Familienanwesen "Pony Tracks Ranch" im kalifornischen Portola Valley füllte. Rund 80 Militärfahrzeuge übernimmt die Collings Foundation, eine Non-Profit-Organisation, die sich als Volkshochschule für Geschichte versteht und in den USA Histo-Shows mit Flugzeug- und Auto-Veteranen veranstaltet. Der Rest wird zugunsten der Collings Foundation verkauft.

Die Kampfspuren sind echt

Vor allem die großen Kampfpanzer sollen etliche Millionen in die Kasse spülen. Ein deutscher Panzerkampfwagen IV, Ausführung H, der vermutlich 1944 im Nibelungenwerk im niederösterreichischen St. Valentin gebaut wurde, später über die Tschechoslowakei nach Syrien gelangte und im Sechstagekrieg 1967 den israelischen Truppen in die Hände fiel, könnte bis zu 2,6 Millionen US-Dollar bringen, schätzt das Auktionshaus. Auch ein israelischer M50 Sherman-Panzer, ein 50 Tonnen schweres "Pion" 203-Millimeter-Geschütz aus der Sowjetunion oder ein britischer Minenräumpanzer vom Typ Churchill, das letzte von insgesamt 42 gebauten Exemplaren, dürften Militaria-Fans zu Höchstgeboten reizen.

Insgesamt steht Militärgerät aus 15 Nationen zum Verkauf, und die meisten Fahrzeuge kamen in mindestens einem bewaffneten Konflikt zum Einsatz. Wobei Littlefield nicht einfach aufkaufte, was er aus Armeebeständen kriegen konnte. Ihn interessierte die jeweils beste und innovativste zeitgenössische Militärtechnik, weshalb er parallel zum Kriegsgerät auch die dazu passenden Bücher und technischen Dokumente sammelte. Das riesige Archiv machte er ab 1998 in der "Military Vehicle Technology Foundation" Historikern, Modellbaufirmen und Ingenieuren der Rüstungsindustrie zugänglich.

Zahlreiche der zum Teil seltenen Fahrzeuge dürften nach der Auktion in alle Welt zerstreut werden. Auctions America nannte im Vorfeld zwar keine Einzelheiten zu potenziellen Käufern, teilte allerdings mit, dass die Ankündigung der Auktion weltweit erhebliches Interesse in einschlägigen Sammlerkreisen ausgelöst habe. Auch wenn es Modellbaupanzer in jedem Spielwarenladen gibt - dass ein Panzer-Original, und in diesem Fall sind es ja sehr viele mehr, zum Verkauf steht, ist dann eben doch die ganz große Ausnahme.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
indepen 11.07.2014
1. Schnäppchen
Wow, wenn das Halbkettenfahrzeug von Citroen wirklich für 5.000 bis 10.000 weggehen sollte, wäre das wirklich ein Schnäppchen.
airley 11.07.2014
2. komisch
komisch und das deutsche Halbkettenfahrzeug, von dem bestimmt mehr Masse gebaut wurde soll bis einer Mio kosten. Also für das Citroen Modell biete ich hiermit 10.001 US-Dollar. Die Lieferkosten sollte aber der Verkäufer tragen.
Spiegelwahr 11.07.2014
3. Ich kanns nicht fassen
Ich kanns nicht fassen, wenn diese Preise stimmen, dann wird eine wertvolle Sammlung unter Wert verschleudert. 300.000 $ für einen echten Sherman Panzer. Das ist doch ein Witz oder der Preis für einen Leopard 1 A für 400.000 $ dafür bekommt man ein anständiges Auto. Eine Schade ist das, wie hier ein Erbe verschleudert wird.
xtechnokratx 11.07.2014
4. Hat
Zitat von indepenWow, wenn das Halbkettenfahrzeug von Citroen wirklich für 5.000 bis 10.000 weggehen sollte, wäre das wirklich ein Schnäppchen.
mich auch verwundert, gibt davon bestimmt nicht mehr als 500 aber vielleicht ist das Fahrzeug nicht vollständig und fahrbereit...
reever_de 11.07.2014
5. Schöne Sammlung ...
Schöne Exponate, auch wenn vielfach bestimmt der amerikanische Drang zum Über-Restaurieren festgestellt werden wird. Trotzdem schade, das eine solche Sammlung in alle Winde zersprengt wird. In vielen amerikanischen Museen, Militärsammlungen oder Kasernen stehen teils extrem seltene "Beutestücke" verrostet und vergammelt, bestenfalls mit reichlich Farbe überschmissen, im Außengelände rum und sind irgendwann hin ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.