Parken in Manhattan Robo, hol' schon mal den Wagen

Nirgends ist Baugrund so teuer wie in New York. Das merken vor allem Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz. Um jeden Quadratmeter perfekt zu nutzen und den Kunden für die horrende Parkgebühr etwas Besonderes zu bieten, übernehmen mittlerweile Roboter das Rangieren.


Man liest es in jedem Reiseführer und erlebt es unmittelbar nach der Ankunft: Parken in New York ist die Hölle. Legale Stellplätze am Straßenrand sind in Manhattan seltener als ein freies Taxi bei Regen, und die Parkgebühren in Tiefgaragen sind angesichts der exorbitanten Grundstückspreise mit Tarifen von mehr als 15 Dollar die Stunde nahe am Wucher. Und sie sind meist schäbig, unkommod und nicht gerade Vertrauen erweckend: Dort seinen Wagen abzugeben, ihn oft mit wenigen Millimeter Freiraum einparken oder auf ein Hochregal rangieren zu lassen erfordert Gottvertrauen und Geduld. Denn bis man sein Auto wieder bekommt, können 20 Minuten vergehen. Und für Beulen, Kratzer oder andere Schäden übernehmen die Parkhaus-Betreiber oft keine Haftung.

All diese Probleme hat Ari Millstein auf einen Schlag gelöst: Mit der Firma Auto-Motion Parking Systems betreibt er seit gut einem Jahr in der Baxter Street - ganz in der Nähe von Little Italy und Chinatown - die erste und noch immer einzige Robotergarage in Manhattan. Statt Schlüssel und Wagen einem Unbekannten zu überlassen, vertrauen seine Kunden ihr Auto einer computergesteuerten Maschinerie der deutschen Firma Stolzer Parkhaus aus Achern an. Die Technik rangiert große Limousinen, kleine Cabrios oder schwere SUVs wie von Geisterhand ins Tiefparterre, parkt enger und schneller als jeder PS-Profi und spuckt den Wagen maximal zweieinhalb Minuten nach der Anfrage wieder aus.

Die Kunden müssen nicht viel mehr tun, als ihr Auto in eine breite, saubere und warm geheizte Box zu stellen, die Handbremse anzuziehen, auszusteigen, abzuschließen und sich mit einer Chipkarte anzumelden. "Das ist einfacher als durch eine Waschstraße zu fahren", sagt Millstein, während er einen Nissan Murano auf der große Metallplatte am Boden abstellt. Vier Laseraugen an der Decke kontrollieren, ob der Wagen nirgends übersteht. Sobald alle Passagiere ausgestiegen sind und die Bewegungsmelder grünes Licht geben, schließt sich das Rolltor und der Computer übernimmt das Kommando.

Die Elektronik lässt die Stahlplatte mitsamt dem Auto ins Untergeschoss herab, bugsiert den Wagen vor eine freie Lücke und schiebt den Murano mitsamt der Plattform in Windeseile in ein Hochregal mit drei Etagen. Vorher allerdings wird der Wagen noch um 180 Grad gedreht, damit sein Besitzer später starten kann, ohne noch rangieren zu müssen. Danach schnappt sich der Parkroboter eine leere Palette und rauscht wieder nach oben in die Einfahrtbox, um auf den nächsten Kunden zu warten. Wird der Wagen später wieder abgeholt, läuft das Spiel in umgekehrter Richtung: Der Kunde meldet sich an und bestellt sein Auto, die Plattform wird aus dem Regal gezogen und wieder nach oben gefahren.

Weniger Lärm, geringeres Risiko, kaum CO2

Mit dem System minimiert Millstein nicht nur das Risiko für die Autos und senkt Lärmpegel und CO2-Ausstoß, weil nicht mehr stundenlang rangiert werden muss. Sondern vor allem spart er Platz. "Wo früher auf sechs Etagen 100 Stellplätze waren, gibt es jetzt 67 Boxen für den Parkroboter plus 24 Appartements und drei Geschäfte", sagt Millstein und schwärmt davon, dass sich das Parkhaus auf diese Weise fast von selbst finanziere. Umsonst sind die Stellplätze natürlich trotzdem nicht. "Wir nehmen die gleichen Tarife wie normale Parkhäuser", sagt Millstein. Die Peistafel beginnt bei elf Dollar für die halbe Stunde und reicht bis 500 Dollar pro Monat. Rund 60 Prozent der Kunden sind Abonnenten, die ihren Wagen täglich in der Baxter Street parken.

Personal braucht Millstein für sein Parkhaus eigentlich nicht. Denn der schrankgroße Computer im Keller stellt die Autos auch ohne Aufsicht immer an den richtigen Platz. Und Schäden gibt es keine. "Von unseren konventionellen Parkhäusern wissen wir, dass es zwei oder drei Mal im Monat kracht. Aber hier hatten wir jetzt schon 20.000 Autos und noch keinen einzigen Zwischenfal", zieht Millstein nach einem Jahr Bilanz. Dass trotzdem jemand im Kassenhäuschen sitzt, dient eher dem Kundenservice. "Natürlich haben manche Autofahrer Fragen, wenn sie hier zum ersten Mal rein kommen", sagt Millstein.

Der große Hummer muss leider draußen bleiben

Verunsicherten Parkplatzsuchern soll Millsteins Mitarbeiter helfen, ihm das System erklären und ihn persönlich einweisen. Und in ganz seltenen Fällen muss er die Parkwilligen auch wieder wegschicken. Wenn deren Autos zu groß sind für die Parkbox. "Im Prinzip kann das System mit Fahrzeugen aller Größen umgehen", erläutert Millstein. "Doch irgendwo muss man eine Grenze ziehen." In der Baxter Street liegt das Limit bei 5,20 Metern Länge und 2,5 Tonnen Gewicht. "Den kleinen Hummer schaffen wir, aber der Große muss draußen bleiben", sagt Millstein, der auch dem Lincoln Towncar, den schweren Suburbans und dem langen Cadillac DTS den Parkplatz verwehren muss. "Etwa fünf Prozent alle Modelle auf dem US-Markt passen bei uns nicht rein", gesteht der Chef.

Doch es sind ohnehin nicht die großen Straßenkreuzer, die bei Millstein eingestellt werden. Sondern in seiner Garage parken auffallend viele, meist teure europäische Autos vom Range Rover über den 5er BMW bis zur Mercedes M-Klasse. Und auch der erster Roboterkunde fuhr ein europäisches Fabrikat, einen Aston Martin. "Der hat seinen Wagen aus Angst vor Schäden früher in einer Spezialgarage in Brooklyn geparkt, hat 1200 Dollar im Monat gezahlt und ist dann mit Taxi oder U-Bahn zur Arbeit nach Downtown gefahren", erzählt Millstein. "Seit er bei uns steht, ist das Risiko geringer, er kann zum Büro laufen und zahlt nur noch die Hälfte."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.