Parkgebühren per Mobiltelefon zahlen Klingeln im Groschengrab

Kleingeld beult nur das Portemonnaie aus, klimpert in der Hosentasche und fällt beim Automaten ohnehin durch. Und im Schlitz für die Geldkarte klebt garantiert ein Kaugummi. In einigen deutschen Städten kann man die Parkgebühren deshalb mit dem Handy bezahlen.


Das Mobiltelefon wird zusehends zum Allzweckgerät bei der Bewältigung des Alltags - auch hinter dem Steuer. Zwar darf man das Handy dort ohne Freisprecheinrichtung nach wie vor nicht benutzen. Doch sobald der Wagen steht, geht nicht nur das Gequatsche los. Sondern in immer mehr deutschen Städten kann man jetzt mit dem Handy sogar seine Parkgebühren bezahlen. Die lästige Suche nach dem nächsten Automaten ist damit ebenso passé wie die gebräuchliche Ausrede, man habe gerade kein Kleingeld dabei gehabt und deshalb im Laden nebenan nur schnell den Zehner wechseln lassen.

Handyparken: Per Mobiltelefon die virtuelle Parkuhr aktivieren

Handyparken: Per Mobiltelefon die virtuelle Parkuhr aktivieren

Möglich macht das unter anderem die Mobile-City GmbH aus Saarbrücken, die vor knapp einem Jahr die Initiative "Schlauer Parken" gestartet und mittlerweile unter anderem Verträge mit Saarbrücken und der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden abgeschlossen hat. Basis des Dienstes sind die Internetplattform www.schlauer-parken.de und ein kostenlos unter der Nummer 0611-37 58 77 - 100 erreichbares Callcenter, wo sich die Autofahrer vor der Erstbenutzung registrieren lassen müssen. Ein knappes Jahr nach dem Start des Programms sind nach Angaben der Betreiber heute rund 25.000 Fahrer eingetragen, und jeden Monat kommen 500 bis 700 neue Anwender hinzu. Zusammen stehen sie allerdings bislang nur für etwa zwei Prozent aller Parkvorgänge in den beteiligten Städten.

Wer einmal als "schlauer Parker" angemeldet ist, kann sich den Gang zum Parkscheinautomaten sparen. Stattdessen genügt nach Angaben der Betreiber der Anruf bei einer speziellen Telefonnummer, die jeder Parkzone zugeteilt und auf Schildern ausgewiesen ist. Noch bevor der Rechner in der Zentrale überhaupt das Gespräch annimmt, hat er den Autofahrer anhand der übermittelten Rufnummer bereits registriert, zur Bestätigung eine SMS verschickt und die virtuelle Parkuhr gestartet. Wer seine Einkäufe erledigt hat, meldet sich mit einem erneuten Anruf einfach wieder ab, bekommt eine zweite SMS und fährt davon. Die Parkgebühr wird zum Monatsende in Rechnung gestellt oder von einem zuvor gefüllten Pre-Paid-Konto abgebucht. Dabei sind die Handy-Parker nicht auf ihre Heimatstadt limitiert. Wer zum Beispiel in Wiesbaden angemeldet ist, muss auch im Saarland keine Parkuhren mehr suchen. Und künftig gibt es über diese Plattform in Städten wie Köln, Bonn oder Osnabrück auch noch Fahrkarten für den Bus.

Die Parkgebühr wird minutengenau abgerechnet

Mit dem neuen System wird das Bezahlen der Parkgebühren aber nicht nur bequemer, sondern auch billiger und weniger riskant. Denn erstens wird minutengenau abgerechnet. Und zweitens muss man sich nicht schon bei der Ankunft entscheiden, wann man denn später wieder abfahren will. Natürlich befreit einen auch das Handy nicht von der Höchstparkdauer. Doch wer beim Arzt im Wartezimmer länger sitzt oder beim Italiener nach der Pizza auch noch einen Espresso bestellt, der muss jetzt zwischendurch nicht mehr zur Parkuhr flitzen. Vor Knöllchen und Diskussionen mit den Damen und Herren vom Amt für Verkehrsüberwachung ist man dagegen auch bei der neuen Dienstleistung nicht gefeit. Denn kontrolliert wird auf jeden Fall. Dafür bekommen die Ordnungshüter einen speziellen Kleincomputer, der über eine Mobilfunkverbindung den Kontakt zum Zentralrechner hält und Parksünder entlarvt.

Nicht ganz so bequem, aber zumindest ebenfalls ohne Kleingeld, funktioniert der "mPark-Service", den es seit rund einem Jahr in Bremen, Düsseldorf und Köln gibt. Statt die Automaten weiter mit Münzen zu füttern, lässt sich ihnen nun der Parkschein per Anruf entlocken. Auch dafür müssen sich die Autofahrer allerdings zuvor im Internet registrieren. Auf der Seite www.parkschein.de, per Telefon oder per Post übermitteln sie Name, Anschrift und Mobilnummer, wählen zwischen Kartenzahlung oder Bankeinzug und bekommen dafür die Freischaltung ihres Telefons. Außerdem gibt es per E-Mail oder SMS eine Anmeldebestätigung, einen Benutzernamen und ein Passwort, mit denen die persönlichen Daten auf dem Server verwaltet werden können.

Bequemlichkeit am Automaten: Bei Anruf Parkschein

Ist das Mobiltelefon freigeschaltet, dann stellt man seinen Wagen ab und geht - anders als in Saarbrücken oder Wiesbaden - ganz normal zum Parkscheinautomaten. Dort allerdings greift man nicht zum Portemonnaie, sondern zum Telefon, wählt wie mit der SMS-Tastatur die Nummer 0700-PARKSCHEIN (0700-72 75 72 43 46) und wird mit der Zentrale verbunden. Dort fragt eine Computerstimme nach der am Automat angegeben Ident-Nummer und aktiviert danach das Bedienfeld. Als hätte man Münzen eingeworfen oder seine Karte gezückt, kann dann wie gewohnt die Parkzeit gewählt und der Parkschein aus dem Drucker genommen werden.

Von den neuen Parksitten profitieren natürlich nicht nur die Autofahrer. Auch für die Kommune macht das Klingeln im Groschengrab Sinn. So stellt Anbieter "mPark" den Bürgermeistern nicht nur einen Imagegewinn und die Kostensenkung durch längere Entleerungsintervalle in Aussicht, sondern darüber hinaus auch mehr Einnahmen. Denn wer den Automaten nicht mit Kleingeld füttern müsse, so die Argumentation der Dienstleister, der lege auch eine bessere Zahlungsmoral an den Tag.

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