Partikelfilterpflicht für Benzinmotoren Kein Herz mehr für Stinker

Benzin-Autos mit Direkteinspritzer stoßen gefährliche Rußpartikel aus. Die EU-Kommission will deswegen Partikelfilter einführen. Die Mitgliedstaaten stimmten heute in Brüssel für den Rußschlucker - trotz immensen Lobbydrucks.

Rußpartikelfilter
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Bislang standen vor allem Diesel-Fahrzeuge wegen der durch die Volkswagen-Affäre bekannt gewordenen Abgasmanipulationen in den Schlagzeilen. Sie gelten als heimliche Stinker, deren Stickoxid-Emissionen verantwortlich dafür sind, dass vor allem in den Wintermonaten die Grenzwerte in den deutschen Städten überschritten werden. Was derzeit nur in Fachkreisen diskutiert wird: Auch Otto-Motoren mit Benzin als Kraftstoff sind in den letzten Jahren wieder schmutziger geworden, und das sogar mit staatlicher Duldung.

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Immer mehr Hersteller bieten den Benziner mit Direkteinspritzung an. Doch dieser technische Spritspar-Kniff verursacht in der Verbrennungskammer ganz ähnliche Probleme wie beim Diesel: der Kraftstoff verbrennt unsauber und es entsteht Ruß. "Wenn sie heute mal den Auspuff von modernen Diesel- und Benziner vergleichen, dann werden sie sehen, dass das Rohr beim Benziner schwarz ist - beim Diesel aber nicht", sagt Axel Friedrich, Ex-Beamter des Umweltbundesamts und Berater der Deutschen Umwelthilfe.

Während nämlich heutzutage alle Dieselfahrzeuge mit Partikelfiltern ausgerüstet werden müssen, ist es der Autoindustrie seit Jahren gelungen, die Pflicht zum Einbau jener Rußschlucker bei Benzinmotoren zu verhindern. Lange Zeit sah es so aus, als würde das auch weiterhin so bleiben.

Die Luft wird rein

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte in den letzten Monaten versucht, den Einbau von Partikelfiltern bei Benzin-Autos mit Direkteinspritzung auf EU-Ebene zu verschieben. Der SPIEGEL hatte in seiner aktuellen Ausgabe darüber berichtet, dass sich die Bundesregierung in dieser Woche bei der Abstimmung über eine entsprechende EU-Emissionsverordnung enthalten müsse - weil das Haus von Minister Sigmar Gabriel (SPD) sich gegen das Umwelt- und Verkehrsressort stellen wollte. In der Zwischenzeit allerdings gab es eine Sitzung der zuständigen Staatssekretäre, wo das Wirtschaftsministerium seine Zustimmung für die Partikelfilterpflicht verkündete.

Heute fand in der Brüsseler EU-Kommission die entscheidende Sitzung zum Thema statt. Dank der nun einheitlichen Haltung der deutschen Regierung gelang es, eine Mehrheit für die Partikelfilterpflicht unter den 28 Mitgliedstaaten zu erzielen.

Die EU-Kommission wird nun ab dem Jahr 2018 auch bei den Benzinmotoren Partikelfilter einführen. Die Industrie würde diesen Termin weiterhin gerne verschieben - natürlich nach hinten. Zudem wehrt sie sich auch gegen die Bauart des Filters. Die Konzerne würden am liebsten Filter einbauen, die nur Partikel mit einem Durchmesser von 23 Nanometer aufhalten, die EU-Kommission will Partikel bis zu sieben Nanometern Größe herausfiltern. Bei Messungen der Deutschen Umwelthilfe fielen die Benzin-Direkteinspritzer mit vielfach zu hohen Ruß-Werten auf.



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