Pedalritter Erleuchtung auf zwei Rädern gesucht

Abgerissene Kabel, durchgebrannte Glühlampen, rutschende Dynamos: Die Beleuchtung von Fahrrädern ist ein ständiges Ärgernis. Schuld daran sind nicht nur marode Technik und antiquierte gesetzliche Vorschriften, sondern auch die Radfahrer selbst.

Von


Fotostrecke

6  Bilder
LED vorn und hinten: Das perfekte Licht fürs Rad

Was habe ich mir schon für dreckige Finger geholt. Nicht beim Kettenwechsel oder Reifenaufziehen, sondern beim Versuch, die Lampen meines Rades wieder zum Leuchten zu bringen. Im Vergleich zum Durchschnittsradler bin ich dabei geradezu privilegiert: Als Diplom-Physiker hat man eine Ahnung davon, dass zum Leuchten immer zwei Kontakte nötig sind.

Doch genützt hat mir all das Know-how der Elektrotechnik wenig. Angeknackste, schon mehrfach wieder zusammengeflickte Kabel, verrostete Stecker und Wackelkontakte in der Lampe selbst haben mich immer wieder zum Verzweifeln gebracht. Irgendwann habe ich es mit Akkuleuchten probiert. Aber die wurden entweder geklaut oder waren gerade dann leer, wenn es dunkel wurde.

Derartige Pleiten habe ich mit meinem Auto noch nicht erlebt. Exakt zwei Glühbirnen sind in den vergangenen fünf Jahren ausgefallen. Eine habe ich selbst gewechselt, die andere die Werkstatt, weil ohnehin eine Durchsicht anstand. Warum aber sind ausgerechnet Fahrräder mit derart unzuverlässiger, ausfallträchtiger Beleuchtung ausgerüstet? Wo Radfahrer doch im Dunkeln schnell mal übersehen werden?

Nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) streikt das Licht an Fahrrädern nicht einmal häufiger als bei Autos. "Es fällt bei letzteren aufgrund der Vielzahl der oft doppelt vorhandenen Lichter nur weniger auf", sagt VCD-Sprecherin Anna Fehmel. Schätzungen zufolge sei etwa ein Drittel bis die Hälfte der Fahrräder mit mangelhafter Beleuchtung unterwegs. Ähnliche Fehlerquoten fänden sich bei Autos. Der TÜV habe beispielsweise im Jahr 2004 bei 28 Prozent aller Autos Lichtdefekte beanstandet. Allerdings gilt bereits eine ausgefallene Nummernschildbeleuchtung als Mangel - und die Zahl der Lampen ist am Auto wesentlich höher als beim Rad.

Zweiadrige Verkabelung ist keine Pflicht

Keine Frage, die Voraussetzungen für ein funktionierendes Licht sind beim Fahrrad denkbar schlecht: Kabel und Lampen werden nicht wie beim Auto durch eine Karosserie oder massive Gehäuse geschützt. Schnell ist eine Leitung abgerissen oder ein Rücklicht angeknackst.

Hinzu kommen Kontaktprobleme. Vor allem bei älteren Rädern führt nur eine Leitung vom Dynamo zur Lampe, der Rückfluss läuft über den Rahmen, der als sogenannte Masse fungiert. Ein wenig Rost an einer Lampenbefestigung genügt bereits, um den Stromkreis zu unterbrechen.

Es gab übrigens sogar einen Versuch, die Chancen auf ein funktionierendes Licht per Gesetz zu verbessern. Der Entwurf einer Fahrradausrüstungsverordnung von 2006 sah unter anderem eine zweiadrige Verkabelung vor, die Masseprobleme praktisch ausschließt. Im Bundesrat kam die Regelung jedoch nicht durch, man befürchtete eine Überregulierung. Folge: Billiganbieter können weiterhin auf das Doppelkabel verzichten.

Viele Experten plädieren tatsächlich für weniger Regulierung, denn die Radbeleuchtung gilt schon seit Jahren als überreglementiert. Olaf Schultz vom Arbeitskreis Technik des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) stöhnt über "Klein-Klein" und "Gängelung" in der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) und den zugehörigen Technischen Anforderungen. Detailliert werden darin beispielsweise Spannung und Stromverbrauch geregelt, die Möglichkeiten moderner Techniken wie Standlichtfunktion bleiben jedoch unberücksichtigt. Ein besonders bizarres Beispiel: Rot blinkende LEDs, die besonders gut auffallen, sind am Rad verboten, nicht jedoch am Körper des Radfahrers.

Vorbild Österreich

Nach Meinung des VCD ginge das alles viel einfacher: Vorn ein weißes Licht mit einer Mindestleuchtstärke, das niemanden blendet oder bei Gegenverkehr abgeblendet werden kann (Fernlicht). Hinten ein rotes Licht, das auch Mindestwerte aufweisen muss, und ein zusätzlicher Reflektor als Ausfallreserve. Keine Vorschriften zur Energiequelle (Dynamo oder Akku), zur Spannung, zur Bauart der Lampen. "Die österreichische Fahrradverordnung könnte mit ihren einfachen Vorschriften hierbei Vorbild sein", sagt VCD-Sprecherin Anna Fehmel.

Im Bundesverkehrsministerium sieht man hingegen keinen Handlungsbedarf. Bei den geltenden Vorschriften handle es sich um Mindestvorgaben, sagt Sprecherin Vera Moosmayer. Jeder Radfahrer könne freiwillig mehr tun, beispielsweise durch zusätzliche Beleuchtung am Helm oder durch Reflektoren am Rad und an der Kleidung. "Vorgeschrieben ist, dass ein straßentaugliches Fahrrad eine funktionierende Lichtanlage haben muss", sagt Moosmeyer. Es liege in der Verantwortung und im Interesse des Nutzers, dass diese Ausrüstung funktioniere. Dynamo und Kabel müssten deshalb geprüft und notfalls repariert werden.

Ärger mit rutschenden Dynamos und Massekontakten kenne ich zum Glück nicht mehr. Mein zuletzt gekauftes Fahrrad hat einen Nabendynamo und doppelte Verkabelung - Probleme gab es nur zweimal mit durchgebrannten Halogenbirnen. Und auch dafür gibt es längst eine Lösung: LED-Scheinwerfer. Beim Rücklicht sind rote Leuchtdioden mit Standlichtfunktion ja schon lange Standard, nun werden auch die weißen LEDs für die Front erschwinglich. 30 Euro und weniger kosten die Einsteigermodelle.

Akkuleuchten sind übrigens nur bei Rennrädern eine legale Alternative zum Dynamo. Der ADFC kritisiert die "Privilegierung von Rennrädern" als nicht nachvollziehbar und plädiert für eine Ausweitung der Sonderregel auf Sporträder. Für eine Freigabe dieser oft extrem leistungsstarken Lampen macht sich unter anderem der ADAC stark.

Nach Angaben des Automobilclubs will das Bundesverkehrsministerium künftig tatsächlich den Batterie- oder Akkubetrieb erlauben. "Eine Verständigung hierüber wurde bereits auf Fachebene getroffen", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Wann eine Neuregelung aber geltendes Recht wird, ist offen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Eppelein von Gailingen 03.03.2010
1. Wie der Herr, so sein G'scherr
Zitat von sysopAbgerissene Kabel, durchgebrannte Glühlampen, rutschende Dynamos: Die Beleuchtung von Fahrrädern ist ein ständiges Ärgernis. Schuld daran sind nicht nur marode Technik und antiquierte gesetzliche Vorschriften, sondern auch die Radfahrer selbst. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,678067,00.html
Gilt gerade für gewisse Radfahrer und ihr entgeistertes Verhalten im Straßenverkehr, neben den Chaoten im Auto - in Mantel und Hut. Rücksichtslosigkeit, Selbstüberschätzung, Herrschsucht und eine leere Birne neben kräftigen Ellenbogen sind heute angesagt. Besser, einer erfindet automatisch leuchtende Birnen, oder Köpfe, damit gewisse Verkehrsteilnehmer auf diese Weise auch tags auffallen.
72%Edelcacao, 03.03.2010
2. Es werde Licht
Ich benutze eine 10/40 Lux Akku-Frontleuchte und eine Diodenbatterieleuchte am Heck, fahre seit 20 Jahren täglich insgesamt 14 km zur Arbeit. Seit 20 Jahren sehe ich Radfahrer ohne jede Beleuchtung im Dunkeln, freihändig und oft genug am frühen Morgen bei "Rot" über Ampeln fahren. Es interessiert niemanden, schon gar nicht die Polizei. Daher brauchte man über dieses Thema auch keinen Artikel zu schreiben, die notorischen Schwarzfahrer sind nicht zu bekehren.
jannek, 03.03.2010
3. Es sollten...
...einfach mal alle Licht anmachen. Das reicht völlig.
mcduschvorhang 03.03.2010
4. Irgendwann fahre ich bestimmt mal einen um
In meiner (Studenten-)Stadt ist das Fahren ohne Licht geradezu ein Volkssport. Ich selbst habe bei noch so maroden Fahrrädern praktisch immer ein Akkulicht dabei gehabt. Es interessiert die Polizei doch überhaupt nicht (haben mir mehrere Beamte bestätigt), ob jemand eine den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechende Lichtanlage hat - Hauptsache es leuchtet. Trotzdem besteht der Bedarf einer Gesetzesänderung. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich als Autofahrer noch mal irgendwann einen von plattmache. Ich hoffe nur für mich, dass ich damit klarkommen werde...
m-pesch, 03.03.2010
5. ...
Leidiges Thema. Akkuleuchten zulassen und fertig. Dieser Generatorquatsch stammt aus Zeiten wo ein Fahrraddynamo die 25 Stunden die heute mein Batteriescheinwerfer mir einem Batteriesatz leuchtet miemals im Dauerbetrieb durchgestanden hätte und verglüht wäre. Von Glühbrnchen die bergab keine 30 Sekunden überlebten gar nicht erst zu sprechen. Die Forderung nach einer Doppelverkabelung ist natürlich auch blödsinnig. Beim Auto braucht man die ja schließlich auch nicht. Wenn man die Verbindung zur masse vernünftig herstellt gibt es auch keine Probleme. Die Lösungen sind längst da und jeder Polizist der mich anhält sieht ein das meine illegalen (Fahrrad ist 3 Kilo zu schwer um die Lampen zu legalisieren) Batterielampen am Rad besser sind als fast alles was mit Dynamo an Fahrrädern heute noch so verbaut wird. Hier könnte vielleicht die EU mal eingreifen und den Deutschen Ihren Sonderweg verbieten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.