Pedalritter Helm auf oder Helm ab?

DPA

2. Teil: Sind Helmträger die besseren Radfahrer?


Carmen Hagemeister, Psychologin an der TU Dresden und ADFC-Mitglied, hält die Aussagekraft derartiger Studien für begrenzt. "Noch ist unzureichend untersucht, wie sich Personen, die freiwillig einen Helm tragen, von Personen unterscheiden, die dies nicht tun", sagt sie. "Sind diese Menschen vorsichtiger, halten sich also an die Regeln? Fahren sie nicht betrunken Rad, haben sie ein ordentliches Licht am Rad?" Dies werde in den medizinischen Analysen nicht kontrolliert, man könne es aber annehmen.

Wenn sich Helmträger weniger schwer verletzen, dann könnte das also auch daran liegen, dass diese Radfahrer sich insgesamt viel mehr um ihre Sicherheit kümmern. Der Helm wäre dann das letzte Glied in einer langen Kette von Vorsichtsmaßnahmen wie funktionierendem Licht und defensivem Fahrstil.

Gewissheit über den Nutzen des Tragen eines Helms könnte nach ihrer Meinung nur eine aufwendige Studie bringen. "Man müsste Tausende Personen zufällig auf zwei Gruppen aufteilen, die mit und ohne Fahrradhelm jahrelang im Straßenverkehr unterwegs sind." Zu untersuchen wären dann auch diverse Indikatoren von Risikokompensation, also Beobachtungen zum Fahrverhalten, Befragungen zum Fahren unter Alkohol oder zu Fahrradinspektionen.

"Der Helm schützt"

Unfallforscher Haasper will die Einwände nicht gelten lassen: "Es gibt eindeutige Daten in der Literatur, dass der Helm schützt." Zugegebenermaßen seien die Arbeiten alle methodisch angreifbar. "Dies gilt aber aus meiner persönlichen Sicht besonders für die Arbeiten zum negativen Effekt des Helms", meint Haasper. Radfahrer seien ungeschützte Verkehrsteilnehmer und hätten zweifelsfrei ein erhöhtes Risiko. "Ich denke, dass man aufklären muss, dass der Helm im Falle eines Sturzes eher nützt als schadet."

Christian Wöhrl, der aus Überzeugung ohne Helm die Alpen erklimmt, wird das wohl auch auf absehbare Zeit weiter tun können. Eine Helmpflicht in Deutschland ist nicht in Sicht. Denn die könnte, so die Befürchtung praktisch aller Fachleute,dazu führen, dass weniger Menschen Rad fahren und somit nichts mehr für ihre Gesundheit und die Umwelt tun.

Selbst Unfallforscher lehnen eine Helmpflicht ab. "Aufgrund meiner liberalen Grundhaltung bin ich für Aufklärung", sagt Mediziner Haasper. "Das Tragen sollte zumindest dem mündigen Bürger frei stehen. Bei Kindern sollte eine öffentliche Diskussion geführt werden, wie sehr wir unseren Nachwuchs schützen wollen."

Christian Wöhrl hat auch diese Diskussion für sich schon geführt. Sobald seine Kinder sicher fahren konnten, erlaubte er ihnen etwa auf Waldwegen, den Helm wegzulassen. Nur in der Stadt müssen die Kleinen den Kopfschutz tragen.

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 248 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kanadasirup 12.11.2009
1. Sowas
Ich freu mich schon auf den ersten Sonnentag im nächsten Jahr. Letztes Jahr durfte ich auf meiner Lieblingsstrecke zwei Ambulanzen und 3 blutige Köpfe von Fahrradfahrern erleben. Wer sich gegen Helme ausspricht hat für meine Begriffe einen Mangel an Realitätsbewußtsein. Aber man schwitzt ja so darunter, wie eklig.
mwalker, 12.11.2009
2. Selten so einen Unsinn gelesen
"Christian Wöhrl fährt nur noch ohne. Früher trug er regelmäßig den Kopfschutz aus Styropor, fand ihn jedoch "unkomfortabel, weil schweißtreibend". Nachdem er sich aber intensiver mit den Argumenten für und gegen den Helm beschäftigt hatte, war die Entscheidung klar: ab sofort ohne. " Beim Kopfschutz des Herrn Wöhrl muss es sich um irgendein SteinzeitBilligprodukt gehandelt haben. Moderne leichte Helme spürt man nach kurzer Zeit kaum noch , weder Gewicht noch Belüftung geben Grund zur Klage. Und mit dem "Argument" Helmbenutzer fahren riskanter kann man doch jegliche Sicherheitstechnik in Frage stellen Sicherheitsgurt, Airbag ABS ESB Motorradhelm etc alles Blödsinn ? Mann muss nur defensiver fahren ? Ich glaube der Autor des Artikels ( und Herr Wöhrl) sind einmal zu oft ohne Helm gestürtzt...
kthoene 12.11.2009
3. Streit? Welcher Streit?
Da es keine Helmpflicht gibt und unser Krankenkassensystem (leider noch) die persönlichen Sportunfälle bezahlt ... Ich zitiere eine meiner Lieblingsbands, Randale: "Helm auf du Penner - sonst schubs ich dich vom Rad ..." Zum Glück sind die Lieder nur für Kinder. Aber Vorsicht! Das Tragen von Helmen macht schweißnass und verletzt Eitelkeit.
lazard 12.11.2009
4. Helmmuffel quasseln Unsinn
Ich hatte vor Jahren einen schweren Radunfall in Budapest. Mein Kopf knallte wie eine Mörsergranate auf das Kopfsteinpflaster. Mein Fahrrad war ein Totalschaden, mein Kopf überstand den Einschlag blessurenfrei.Ohne meinen Helm hätte man mich zu Grabe getragen... Werte Helmmuffel, noch Fragen?
debe, 12.11.2009
5. zumindest schadet ein Helm nicht!
Zitat von sysopWorüber streiten Radfahren am liebsten? Über den Helm. Die einen schwören auf den Kopfschutz, die anderen zweifeln an seiner Wirkung. Und Wissenschaftler sind sich genauso uneins, hat SPIEGEL-ONLINE-Fahrradkolumnist Holger Dambeck herausgefunden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,660328,00.html
Das scheint mir aber eher eine sehr konstruierte Uneinigkeit zu sein, die von der eigenen Uneinsichtigkeit ablenken soll. Denn daran, dass ein Helm den Kopf, der auf die Straße knallt, schützt, besteht ja wohl kein Zweifel! Und wenn ein Radfahrer mal nicht stürzt, dann schadet so ein Helm zumindest nicht!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.