Pedelecs Rad-Schub aus dem Akku

Entspannt radeln mit Batteriepower - das ist der neueste Trend beim Radfahren. Auf dem Elektrovelo verlieren Berge und Wind ihren Schrecken, die Fahrt ins Büro ist weniger schweißtreibend. Aber wehe, wenn der Akku schlappmacht oder die Elektronik spinnt.

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SPIEGEL ONLINE

So ein Mist! Der steile Anstieg des Wasebergs hat gerade erst begonnen, ein selbst bei Profis gefürchteter 15-Prozent-Hügel in Hamburg-Blankenese. Doch dann macht plötzlich der Akku die Grätsche. Eben noch hat das Display als Kapazität zwei von fünf Balken angezeigt. Aber nach ein paar Metern bergauf ist Schluss mit der Trethilfe von bis zu 250 Watt. In der Anzeige ist noch ein Balken zu sehen, und kurz danach keiner. Jetzt stehe ich am Berg mit einem 25 Kilo schweren Elektrofahrrad, dem die Puste ausgegangen ist.

Bei den Hamburger Cyclassics nutzen Radprofis den kurzen aber steilen Waseberg gern zum Attackieren, schon oft haben sich hier Ausreißergruppen abgesetzt. So was in der Art hatte ich eigentlich heute auch vor. Aber mit leerem Akku geht das nicht. Mir bleibt keine andere Wahl: Ich drehe um und radle auf dem ebenen Elbradweg zurück Richtung Hamburg-Zentrum.

Solange der Akku mitmacht, ist das Radeln mit Stromunterstützung auf jeden Fall ein großer Spaß. Beim Anfahren dreht der Motor nach einigen Pedalumdrehungen plötzlich auf und katapultiert einen regelrecht auf 25 km/h. Und am Berg spürt man, was 250 Watt Unterstützung ausmachen. Zum Vergleich: Ein Radprofi tritt bei Anstiegen mit 400 bis 500 Watt in die Pedale.

Die meisten Elektroräder sind sogenannte Pedelecs, bei denen man immer auch selbst treten muss. Nur wenn der Sensor am Tretlager meldet, dass sich die Pedale drehen, wird der Motor zugeschaltet. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h ist allerdings Schluss mit der elektrischen Schubhilfe. So sieht es das Gesetz vor. Dafür braucht man für ein Pedelec weder Mofa-Führerschein noch extra Versicherung.

Was die Technik angeht, verfolgen die Hersteller unterschiedliche Konzepte. Der Elektromotor steckt meist in einer klobigen Radnabe. Bei vielen Rädern ist das Hinterrad angetrieben, es gibt aber auch Modelle mit Vorderradantrieb. Manche Hersteller setzen auch auf einen Tretlagermotor.

Fotostrecke

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Pedelecs & Co: Radeln mit Strom

Was für normale Räder gilt, trifft erst recht für E-Bikes zu: Jedes fährt sich anders. SPIEGEL ONLINE hat diverse Modelle getestet - von einem extrem günstigen Leviatec (Preis unter 900 Euro) bis zur Schweizer Nobelmarke Flyer (3000 Euro).

Vor allem bei der Steuerung des Motors gibt es spürbare Unterschiede: Günstige Räder messen nicht die Kraft, mit der man tritt, sondern nur, ob man überhaupt tritt. Der Motor kann dann natürlich keinen sanften Schub liefern, sondern setzt eher ruckartig ein. So wird das Fahrrad zum störrischen Gaul, der immer mal wieder stark beschleunigt.

Selbst bei teuren Modellen mit Kraftsensor am Tretlager entsteht ein solcher Eindruck, etwa beim schnittigen town exp von Winora (siehe Fotostrecke oben). Soll der Radler so einfach immer wieder daran erinnert werden, dass er auf einem E-Bike sitzt? Dass es auch sanfter geht, zeigt beispielsweise der BionX-Antrieb, der freilich zu den teuersten überhaupt gehört.

Eine weitere Erfahrung: Wer auf einem Pedelec gleichmäßig radeln will, sollte nicht zu schnell fahren. Wenn die Geschwindigkeit im Bereich von 25 bis 27 km/h schwankt, dann schaltet sich der E-Antrieb nämlich ständig an und aus. Denn er darf ja nur bis 25 km/h mitschieben - plus der Toleranz von zehn Prozent, die viele Hersteller gern ausnutzen (macht 27,5 km/h). Deutlich besser fährt es sich mit 23, 24 km/h. Man tritt nur leicht und der Motor hilft permanent mit.

Fahrradästheten dürfte an E-Bikes vor allem der klobige Akku stören. Er sitzt entweder unter dem Gepäckträger oder ist ähnlich wie eine Trinkflasche am Rahmen festgeschraubt. Am elegantesten ist es da natürlich, die Batterie im Rahmen verschwinden zu lassen, wie etwa beim E-Versa, einem Faltrad von Hercules (siehe Fotostrecke). Beim Design der Elektroräder gibt es auf jeden Fall noch Verbesserungspotential.

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insgesamt 77 Beiträge
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AntiGravEinheit 27.04.2010
1. Ein Pedelec für 1500 Euro kann nichts taugen ...
... kostet doch ein vernünftiges Fahrrad ohne Motor schon etwa diese Summe. Abgesehen davon habe ich bisher noch jedes Pedelec abgehängt, obwohl ich alles andere als ein Profi bin - meine 92kg Kampfgewicht wollen auch erstmal bewegt werden. Denn die Schubabschaltung bei Geschwindigkeiten von über 25km/h ist DER Hinderungsgrund. Dann schleppt man Motor und Akku ganz umsonst mit herum. Das kann ich auch billiger mit ein paar Gewichten haben. Wenn ich mal alt und tattrig bin, dann denke ich drüber nach, mit ein Pedelec zu kaufen. Das dauert aber noch - und vielleicht gibt's dann auch schon welche mit kaltem Wasserstoffantrieb. Oder solche Akkus, die aus Alkohol Strom produzieren (bei Notebooks gibt's das schon im Versuchstadium). Nachts dann, letzte Runde in der Kneipe, sagt man dann zum Wirt, bitte noch einen Schnaps für mein Pedelec ...
HariboHunter, 27.04.2010
2. Neues Rad
Natuerlich kann man sich ein neues schmuckes Erad kaufen. Man koennte aber auch sein altes und noch sehr gutes Rad mit einem Antrieb ausruesten. Dies kommt auf jeden Fall guenstiger.
SchneiderG 27.04.2010
3. Vergleiche mit China Modellen!
Zitat von sysopEntspannt radeln mit Batteriepower - das ist der neueste Trend beim Radfahren. Auf dem Elektrovelo verlieren Berge und Wind ihren Schrecken, die Fahrt ins Büro ist weniger schweißtreibend. Aber wehe, wenn der Akku schlappmacht oder die Elektronik spinnt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,690217,00.html
Viel mehr würde mich der Unterschied der europäischen zu den chinesischen Modellen interessieren. Da China die höchsten Stückzahlen an E-Fahrrädern herstellt und verkauft (Preise ab Euro 25 aufwärts), frag ich mich, was den Preisunterschied eines extrem günstigen Leviatec (Preis unter 900 Euro) zu den Preisen und der Qualität in China ausmacht bzw. gerechtfertigt?
El gato negro 27.04.2010
4. Sinvoll je nach Fahrstrecke
Bisher fahre ich mit einem normalen Fahrrad zur Arbeit, knapp 5 Kilometer quer durch die Stadt. Ich könnte jetzt schon schneller fahren, allerdings ist mir dies dank schmaler Radstreifen und uneinsichtiger Autofahrer einfach zu gefährlich, auf manchen, schmalen Streifen zwischen parkenden Autos (und reger Parktätigkeit mit Ein- und Aussteigen) und fließendem Verkehr ist alles über Schrittgeschwindigkeit schon gefährlich. Entsprechend sinnlos fand ich die Pedelecs bisher, allerdings kommen vielleicht bald knapp 10km Strecke pro Richtung hinzu. Damit wird so ein Pedelec für mich doch interessant, denn verschwitzt bei der Arbeit anzukommen ist auch nicht toll, und selbst mit Unterstützung Rad zu fahren finde ich immer noch besser als in überfüllten Bussen zu schwitzen oder mit dem Auto im Stau zu stehen. Mal schauen was draus wird. :-)
hirschnase 27.04.2010
5. Pedelecs sind eine gute Sache
Denn jede Fahrt mit einem Pedelec ist eine Autofahrt weniger und schont die Mitmenschen und die Umwelt vor Lärm, extremen Platzverbrauch auf engen Straßen, krebserregenden Abgasen, Co2, Feinstaub und der Gefährdung durch hohe Geschwindigkeit gepaart mit mehreren Tonnen Gewicht. Als ausdauertrainierter Radfahrer ist die Unterstützung durch einen E-Motor für mich nicht interessant. Aber zumindest kann ich beruhigt in die Zukunft schauen. Wenn die Beine dann mit 85 Jahren nicht mehr mitmachen, gibt es für mich die Option auf einen ökologisch sauberen Antrieb :-) Die Beschleunigung auf 25km/h sollte für den Stadtbetrieb vollkommen ausreichend sein (und kann durch eigenes Treten dann ja noch erhöht werden), wenn man bedenkt das die Durchschnittsgeschwindigkeit in deutschen Städten meist nicht mehr als 21 bis 23km/h beträgt und man mit einem Fahrrad kaum "stop-and-go" fahren muss (wie die Autofahrer) sondern, wenn man seine Route vorher plant, mit wenigen Ampeln auf ruhigen Wegen in vielen Fällen fast direkte Luftlinie fahren kann.
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