Luxusbusse in China: Prunkschloss auf Rädern

Aus Peking berichtet Jürgen Pander

Luxusbus King Long Coach: So üppig wie möglich Fotos
Jürgen Pander

Größe ist in China ein Zeichen von Erfolg. Auch die Firma King Long Coach aus Xiamen setzt auf XXL. Sie zeigt auf der Peking Auto-Show ihr Erfolgsmodell: einen Luxusbus für eine Million Dollar. Der hat sogar Betten für die Dienstboten an Bord.

Wie testen chinesische Autojournalisten, ob ein Wagen wirklich geräumig ist? Sie setzten sich in den Fond und schlagen die Beine übereinander. Klappt das, ohne dass die Hose den Vordersitz berührt, bietet das Modell ausreichend Platz. Großzügig geschnittene Autos sind in China begehrt, weswegen viele Hersteller, auch Audi, BMW oder Mercedes, ihre Limousinen auf dem chinesischen Markt in speziellen Langversionen anbieten.

"Am Ende bleiben aber auch die Langversionen immer Pkw", sagt Jay Schultz, Manager des chinesischen Firma King Long Coach, selbstbewusst. Die hat auf der Autoshow in Peking in Halle E3 ihren Stand aufgeschlagen. Auf der Fläche von vielleicht 20 Mal 15 Metern parkt nur ein Fahrzeug. Der "World Class Luxury Coach", ein Highend-Wohnmobil auf der Basis eines Scania-Reisebusses mit 380 PS.

Wer Schultz darum bittet und darüber hinaus saubere Schuhe trägt, darf das zwölf Meter lange Gefährt betreten, um einen Blick ins Herz der Luxusmobilität zu werfen. Über ein paar Stufen, die wie gewohnt in einer Linkskurve am Fahrerplatz vorbei führen, betritt man ein Märchenschloss auf Rädern. Hätte es zu König Ludwigs Zeiten schon die Firma King Long Coach gegeben, der Monarch hätte dort garantiert ein solches Modell bestellt.

Parkettboden, Ledersessel, Leuchtgirlanden, die ständig die Farbe wechseln, edles Geschirr auf dem Speisetisch, ein goldener Wasserhahn im Bad, Stockbetten fürs Personal sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett weiter hinten, Flachbildschirme mitsamt dem kompletten Infotainment-Kommunikations-Overkill - die Einrichtung ist reiner Protz. Im Bus sieht es aus, als habe noch nie ein Kunde danach gefragt, was das denn alles kostet. "Eine Million US-Dollar muss man für so ein Teil mindestens anlegen, nach oben gibt es dann keine Grenze", sagt Schultz.

Dreißig Highend-Busse pro Jahr

Das ist ein Haufen Geld. Doch offenbar läuft das Geschäft prima. Er sei "glücklich", sagt der Manager, dass er pro Jahr "nicht viel mehr als 30 Bestellungen" erhalte, denn sonst müsste er neues Personal einstellen, worunter eventuell die Qualität leiden würde. "Das darf nicht passieren", sagt Schultz, "unsere Kunden sind äußerst anspruchsvoll."

Genau, die Kunden. Wer kauft sich eigentlich einen King Long Coach? "Es sind fast ausnahmslos Geschäftsleute", sagt Schultz. Vor allem Minenbesitzer bestellten häufig bei ihm, denn deren Unternehmungen lägen weit außerhalb der Metropolen und da böte es sich geradezu an, die Fahrt dorthin zum Arbeiten, Ausruhen oder Amüsement zu nutzen.

"In China sind Privatjets streng reglementiert", erklärt Schultz. "Die Regierung erlaubt nur ungefähr hundert solcher Flugzeuge. Es gibt aber Tausende reicher Frauen und Männer, die ständig unterwegs sein müssen." Die meisten fahren Rolls-Royce, Maybach oder Bentley. Und manche nehmen eben den Bus.

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insgesamt 24 Beiträge
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1.
janus_23 26.04.2012
Als ich 16 war hat mich sowas noch beeindruckt...
2. Infantile Peinlichkeit auf vier Rädern
Ylex 26.04.2012
Der SPIEGEL wird wissen, ob dieser Artikel ernst gemeint ist oder ob er als Satire gedacht ist - die wäre jedenfalls gelungen. Auf zwei Fotos sieht man die Leute mit todernsten Mienen vor der infantilen Peinlichkeit auf vier Rädern stehen, dabei müssten eigentlich alle laut loslachen, besonders angesichts dieser Airbrush-Verirrung. Den Amis und den Chinesen kann man alles verkaufen: je geschmackloser desto besser laufen die Geschäfte. Im Übrigen würden mich die "raffinierten" Beleuchtungseffekte in dem Luxusbus nach kurzer Zeit in den Wahnsinn treiben.
3.
Arne Karl 26.04.2012
Also wer sich mit China auskennt, der weiß was in als Käufer dieses Buses erwartet. Das Ding wird qualitativ nicht gut sein und nicht 100% funktionieren. Also lieber 2 Millionen drauf legen und sich so ein Ding "made in Germany" erstellen lassen.
4.
Chr Suess 26.04.2012
Eine Karaoke-Bar auf Rädern! Schönen Tag noch Chr Suess
5. .
markus_wienken 26.04.2012
Zitat von YlexDer SPIEGEL wird wissen, ob dieser Artikel ernst gemeint ist oder ob er als Satire gedacht ist - die wäre jedenfalls gelungen. Auf zwei Fotos sieht man die Leute mit todernsten Mienen vor der infantilen Peinlichkeit auf vier Rädern stehen, dabei müssten eigentlich alle laut loslachen, besonders angesichts dieser Airbrush-Verirrung.
Also mir gefällt der Drache :-) Nein,was sind Sie auch für eine Spaßbremse... ;-) Fahren Sie mal nach China, jeder Park ein kleines Disney Land... einfach nur fürchterlich. Ist halt eine andere Kultur Yep, mich auch! Aber die Idee ist schon genial, meinen Bus würde ich sicher etwas anders einrichten (hätte ich das notwendige Kleingeld).
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