Wie testen chinesische Autojournalisten, ob ein Wagen wirklich geräumig ist? Sie setzten sich in den Fond und schlagen die Beine übereinander. Klappt das, ohne dass die Hose den Vordersitz berührt, bietet das Modell ausreichend Platz. Großzügig geschnittene Autos sind in China begehrt, weswegen viele Hersteller, auch Audi, BMW oder Mercedes, ihre Limousinen auf dem chinesischen Markt in speziellen Langversionen anbieten.
"Am Ende bleiben aber auch die Langversionen immer Pkw", sagt Jay Schultz, Manager des chinesischen Firma King Long Coach, selbstbewusst. Die hat auf der Autoshow in Peking in Halle E3 ihren Stand aufgeschlagen. Auf der Fläche von vielleicht 20 Mal 15 Metern parkt nur ein Fahrzeug. Der "World Class Luxury Coach", ein Highend-Wohnmobil auf der Basis eines Scania-Reisebusses mit 380 PS.
Wer Schultz darum bittet und darüber hinaus saubere Schuhe trägt, darf das zwölf Meter lange Gefährt betreten, um einen Blick ins Herz der Luxusmobilität zu werfen. Über ein paar Stufen, die wie gewohnt in einer Linkskurve am Fahrerplatz vorbei führen, betritt man ein Märchenschloss auf Rädern. Hätte es zu König Ludwigs Zeiten schon die Firma King Long Coach gegeben, der Monarch hätte dort garantiert ein solches Modell bestellt.
Parkettboden, Ledersessel, Leuchtgirlanden, die ständig die Farbe wechseln, edles Geschirr auf dem Speisetisch, ein goldener Wasserhahn im Bad, Stockbetten fürs Personal sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett weiter hinten, Flachbildschirme mitsamt dem kompletten Infotainment-Kommunikations-Overkill - die Einrichtung ist reiner Protz. Im Bus sieht es aus, als habe noch nie ein Kunde danach gefragt, was das denn alles kostet. "Eine Million US-Dollar muss man für so ein Teil mindestens anlegen, nach oben gibt es dann keine Grenze", sagt Schultz.
Dreißig Highend-Busse pro Jahr
Das ist ein Haufen Geld. Doch offenbar läuft das Geschäft prima. Er sei "glücklich", sagt der Manager, dass er pro Jahr "nicht viel mehr als 30 Bestellungen" erhalte, denn sonst müsste er neues Personal einstellen, worunter eventuell die Qualität leiden würde. "Das darf nicht passieren", sagt Schultz, "unsere Kunden sind äußerst anspruchsvoll."
Genau, die Kunden. Wer kauft sich eigentlich einen King Long Coach? "Es sind fast ausnahmslos Geschäftsleute", sagt Schultz. Vor allem Minenbesitzer bestellten häufig bei ihm, denn deren Unternehmungen lägen weit außerhalb der Metropolen und da böte es sich geradezu an, die Fahrt dorthin zum Arbeiten, Ausruhen oder Amüsement zu nutzen.
"In China sind Privatjets streng reglementiert", erklärt Schultz. "Die Regierung erlaubt nur ungefähr hundert solcher Flugzeuge. Es gibt aber Tausende reicher Frauen und Männer, die ständig unterwegs sein müssen." Die meisten fahren Rolls-Royce, Maybach oder Bentley. Und manche nehmen eben den Bus.
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