Geländewagenstudie von Mercedes-Maybach SUV Li

Chinesen lieben SUVs und Limousinen. Für die Peking Motor Show hat die Luxusmarke Mercedes-Maybach beide Erfolgskonzepte in einer Studie fusioniert.

Daimler

Maybach bringt auf den Automessen der Welt Superreiche mit visionären Showcars ins Träumen. Zur Motorshow in Peking zieht die Mercedes-Marke nun das Tuch von einem SUV, nachdem sie in Pebble Beach, Kalifornien, zweimal hintereinander einen leidenschaftlichen Luxus-Sportwagen präsentiert hat - einen Roadster und ein Coupé. Der SUV mit dem sperrigen Namen Mercedes-Maybach Ultimate Luxury könnte Konkurrenten wie den Bentley Bentayga und den kommenden Rolls-Royce Cullinan buchstäblich alt aussehen lassen.

Das liegt in erster Linie an der Form und weniger an den technischen Daten, die ohnehin nur Fantasiewerte sind (750 PS, vier E-Motoren, bis zu 500 km Reichweite). Während Bentley und Rolls-Royce einfach einen gewöhnlichen SUV mit feineren Materialien gebaut haben, hat Maybach den Geländewagen zur Limousine geadelt und ihm einen Kofferraum angesetzt. Das klingt schräg und sieht ungewöhnlich aus. Doch je länger man die Studie anschaut, desto stimmiger wirkt sie.

Peking Motor Show 2018
  • DPA
    Die Peking Motor Show ("Auto China") ist gemeinsam mit der Schwestermesse in Shanghai die wichtigste Automesse des Landes. Mit dem Aufstieg Chinas zum größten Pkw-Markt der Welt hat auch die Ausstellung international an Bedeutung gewonnen. Für die meisten deutschen Hersteller ist China der wichtigste Absatzmarkt, alle zusammen besitzen dort einen Marktanteil von gut 21 Prozent. Die Peking Motor Show öffnet am 25. April erst für Medienvertreter, ab dem 29. April bis zum 4. Mai für alle Interessierten.

Für Designchef Gorden Wagener ist der Mercedes-Maybach Ultimate Luxury die Kombination aus den beiden weltweit erfolgreichsten Karosseriekonzepten. Da fragt man sich natürlich, weshalb eigentlich vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist.

Mit Roségold beschichtete Sitzschalen

Während der SUV von außen erfrischend anders aussieht, ist der Innenraum weniger überraschend, aber deshalb nicht minder einladend. Im Fond sind Liegesessel wie in der Maybach S-Klasse montiert. Dazu gibt es feinste Materialien, ein radikal reduziertes Cockpit mit einer besonders edlen Interpretation der digitalen Bedienlandschaft MBUX aus der neuen A-Klasse sowie als Tribut an das Land der Premiere ein paar mehr oder minder augenzwinkernde China-Bezüge. So wartet zwischen den beiden Liegesesseln im Fond auf einem Tablett aus Ebenholz ein handgetöpfertes Teeservice mit einem asiatischen Bäumchen darüber. Die Sitzschalen sind mit Roségold beschichtet, der feuerrote Lack der Studie ist inspiriert von der Flagge der Volksrepublik.

Liegesessel im Mercedes-Maybach
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Liegesessel im Mercedes-Maybach

Damit schmeichelt Maybach aber nicht nur dem Gastgeber der Motorshow oder dem eigenen Aktionär Geely, sondern trägt auch der Genese des Fahrzeugs Rechnung. Die ursprüngliche Idee für das Showcar und die ersten Entwürfe kommen aus dem Daimler-Design-Studio in Peking.

"Chief Creative Officer" Gorden Wagener versteht sich längst nicht mehr allein als Automobildesigner. Für ihn sind Mercedes und erst recht Maybach Luxusmarken, die ein ganzheitliches Erlebnis bieten müssen. Dafür hat er vor ein paar Jahren den Bereich MB Style gegründet und begonnen, auch Jachten, Flugzeug-Interieurs oder Lampen zu entwerfen. In Peking präsentiert sein Team den 5,26 Meter langen Super-SUV in einer Lounge mit exklusiven Maybach-Möbeln in den gleichen Materialien und Farben wie das Auto. Während die Realisierungschancen für den Wagen in dieser Form denkbar schlecht stehen, können sich die Designer einer Kleinserie für Sessel und Sofas durchaus vorstellen.

Maybach-Möbel
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Maybach-Möbel

Die Grenzen zwischen Virtual Reality und Wirklichkeit verwischen

Die Marke Maybach hat bisher einfach zu viel Geld verbrannt, als dass in Stuttgart noch mal jemand die Entwicklung eines dezidierten Maybach-Serienmodells bezahlen würde. Dennoch scheinen nicht alle bei Daimler mit dem jetzigen Status als bloße Mercedes-Beimarke zufrieden und wollen den Bekanntheitsgrad von Maybach mit eigenen Studien wie dem SUV steigern.

Für Designexperte Lutz Fügener eine schlüssige Strategie: Erstens sei eine solche SUV-Studie aus Stuttgart ein geschicktes Störfeuer für die bevorstehende Premiere des Rolls-Royce Cullinan. Und zweitens verfolgt Mercedes nach seiner Ansicht damit ein übergeordnetes Ziel: "Es geht darum, die Marke wieder bekannt zu machen und sie als eigenständig zu positionieren", sagt der Professor an der Fachhochschule Pforzheim.

Im Dezember 2012 verließ das letzte Maybach-Fahrzeug die Manufaktur, zwei Jahre später gab der Konzern bekannt, dass Maybach als Ergänzungsmarke wiederbelebt werden soll. Mittlerweile trägt weltweit mehr als jede zehnte verkaufte S-Klasse ein Maybachlogo, allein nach China gehen jeden Monat über 500 Exemplare.

Super-SUV wird zum GLS geschrumpft

"Maybach spielt ganz geschickt mit einer Entwicklung, die wir Facebook und Co verdanken: Die Grenzen zwischen Virtual Reality und Wirklichkeit verwischen zusehends und sobald das Bild eines Autos existiert, wird es als real wahrgenommen." Ob die Studie in Serie gebaut werde oder nicht, das mag zwar die Oligarchen und die Milliardäre in Peking oder Los Angeles interessieren - für die Markenbildung spiele das aber in Zeiten der Internet-Realität kaum mehr eine Rolle.

Und ganz folgenlos wird das Super-SUV nicht bleiben. Schließlich soll im nächsten Jahr ein neuer GLS die SUV-Flotte von Mercedes krönen. Und wenn es stimmt, was man in Stuttgart hört, dann haben sich die Maybach-Verantwortlichen die Prototypen des Fünf-Meter-Modells schon sehr genau angeschaut.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
ocmone 24.04.2018
1. Einspruch Euer Ehren!
Dass dies die erste SUV Limousine sein soll, kann bezweifelt werden: siehe BMW X6. Und dass das Design erst mit der Zeit stimmig wirkt, bedeutet nur, dass es potthässlich ist und auf dem Markt schwer verkäuflich wäre. Beim letzten Ford Scorpio hatten die Besitzer dasselbe gesagt, und das Auto wurde der größte Flop der Firmengeschichte.
jasper366 24.04.2018
2.
Zitat von ocmoneDass dies die erste SUV Limousine sein soll, kann bezweifelt werden: siehe BMW X6. Und dass das Design erst mit der Zeit stimmig wirkt, bedeutet nur, dass es potthässlich ist und auf dem Markt schwer verkäuflich wäre. Beim letzten Ford Scorpio hatten die Besitzer dasselbe gesagt, und das Auto wurde der größte Flop der Firmengeschichte.
Der X6 war ein SUV Coupe und auch da war er nicht der erste, Nissan war mit dem Infiniti QX70 auch in dem Segment (neben SUV Cabrio) schneller...
Bueckstueck 24.04.2018
3. Gelände...
Weder diese Kisten noch die Leute die sie kaufen, sind fit fürs Gelände. Lassen wir also am besten dieses Wort gleich ganz weg.
Leonbeck 24.04.2018
4. Wenn der Fondpassagier
seinen Tee mit genug Rum versetzt, kann er sich den Wagen sicher schöntrinken. Im Ernst: warum nicht? In einer so winzigen aber lukrativen Marktnische wird auch so ein Crossover seinen Platz finden. Und es ist doch erfrischend, wenn es mal wieder was zu gucken und zu diskutieren gibt.
teichenstetter 24.04.2018
5. Da hat mal wieder
jemand nicht nachgedacht. Der X6 ist ja wohl kaum mit der Mercedes Studie vergleichbar. BMW hat mit dem X6 auch etwas neues ersachaffen, so wie jetzt Mercedes mit dem SUV+Kofferaum. Ich finde die Idee gut und hat potenzial weiter gedacht zu werden. Was nactürlich nicht jedermanns Sache ist.
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