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04. Dezember 2010, 15:59 Uhr

Peter Ramsauer

Schilder gegen Geisterfahrer

Peter Ramsauer will Deutschlands Autobahnen sicherer machen: Der Verkehrsminister folgt dem österreichischen Vorbild und lässt Warntafeln aufstellen - so sollen Fahrer daran gehindert werden, in die falsche Richtung zu fahren. Experten halten wenig von den Schildern.

München/Wien - Die Schilder sind riesengroß und neongelb, eine abwehrende Hand warnt: "Stop". Seit mehr als zehn Jahren sollen diese Warnungen an österreichischen Autobahnauffahrten Geisterfahrer bremsen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zieht jetzt mit einem Pilotprojekt auf deutschen Autobahnen nach.

Auf nahezu 40 Kilometern der Autobahn 8 zwischen Bad Reichenhall und der Anschlussstelle Übersee werden insgesamt 36 Warntafeln aufgestellt. Sie sollen Fahrer daran hindern, in die falsche Richtung auf die Autobahn zu fahren.

"Mit unseren Warntafeln wollen wir wachrütteln", sagte Ramsauer. Dabei wisse er, dass nicht alle Geisterfahrten aus Unachtsamkeit passierten: "Wir können vorsätzlich herbeigeführte Falschfahrten, wie etwa Wenden auf der Autobahn, nicht durch diese Warntafeln verhindern." Nach Angaben des Ministeriums fahren jährlich etwa 1700 Autofahrer auf deutschen Schnellstraßen mit getrennten Fahrstreifen auf der Gegenfahrbahn. Manchmal endet eine solche Fahrt tödlich.

Ein erster Bericht zur Wirksamkeit der Schilder soll im Jahr 2012 vorliegen. Ramsauer folgt mit dem Projekt dem österreichischen Vorbild, wo es Geisterfahrt-Warnschilder schon länger gibt.

Experten halten wenig von den Warntafeln

Doch in Österreich bringen die Warnungen kaum etwas. "Wichtiger ist es, die Auffahrten so zu gestalten, dass man unausweichlich auf die richtige Spur geführt wird", sagte Markus Schneider vom österreichischen Autofahrerclub ÖAMTC. "Denn wenn ich erst einmal an ein solches Schild komme, ist es ja schon zu spät."

"Auch eine Unmenge an Schildern garantiert nicht, dass die Botschaft wahrgenommen wird" meint Klaudia Niedermühlbichler, Sprecherin des Autobahnbetreibers ASFINAG. Oft starteten Falschfahrer nach dem Besuch einer Raststätte in die falsche Richtung - das geschehe häufiger als an Autobahnauffahrten.

Doch solche Schilder stehen in der Alpenrepublik nur an Stellen, wo Autobahnauffahrt und -abfahrt über die gleiche Rampe führen. Warntafeln auch an anderen Zufahrten anzubringen, ist nach Ansicht der Unternehmenssprecherin keine Lösung: "Die wenigsten Geisterfahrer nehmen versehentlich die falsche Auffahrt."

bac/dpa

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