Golf-Konkurrent Peugeot 308 Entschuldigung, da fehlen ein paar Knöpfe!

Kahlschlag im Cockpit: Ende September tritt Peugeot mit der nächsten Generation des 308 in der Kompaktklasse an. Clou des Golf-Konkurrenten ist die radikal reduzierte Fahrzentrale - und ein Drehzahlmesser, der alles Gewohnte auf den Kopf stellt.

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Peugeot

Der erste Eindruck: Hallo, wo seid ihr? Wo sich sonst rund ums Lenkrad ein Königreich der Knöpfe befindet, erstrecken sich im neuen Peugeot 308 kahle Konsolen und glatte Oberflächen. Lediglich neun Schalter und Taster gibt es noch im Armaturenbrett des Testwagens, fast wie in einem Oldtimer. Trotzdem mangelt es dem Auto nicht an neumodischem Schnickschnack, er ist nur klug versteckt. Fast alles, was es zu bedienen gibt, wird über den großen Touchscreen in der Mittelkonsole erledigt.

Das sagt der Hersteller: Die gähnende Leere rund um das ungewöhnlich kleine Lenkrad zählt für PSA-Chef Philippe Varin zu den stärksten Argumenten für den neuen 308. "Mit diesem i-Cockpit wollen wir ganz bewusst einen Kontrapunkt zu dem setzen, was man in dieser Klasse sonst so kennt." Weniger ist mehr, so die Botschaft der Franzosen.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen, einstellen, passt! Während man sich im Peugeot 208 mit dem kleinen und nach unten gerückten Lenkrad noch ein bisschen schwertut, fühlt man sich im 308 auf Anhieb zu Hause. Auch hier sind die vertrauten Ebenen ein wenig verschoben, die stark reduzierten Instrumente thronen vergleichsweise hoch auf dem Armaturenbrett. Aber es wirkt rundum stimmiger, natürlicher und weniger aufgesetzt.

Das gilt übrigens auch für das ebenso klare wie coole Cockpit: Ja, man muss den Startknopf erst einmal finden, weil der jetzt auf dem Mitteltunnel vor dem Schaltknüppel versteckt ist. Doch wenn die Zündung aktiviert ist und mit ihr der große Monitor in der Mitte der Konsole, erklärt sich der Rest von selbst.

Radio, Klima, Navigation oder die neuen Apps von Peugeot - wofür man früher noch drei Dutzend Knöpfe brauchte, dafür reicht jetzt ein Fingerzeig. Die Folge dieses Bedienkonzepts sind große, schmucke Oberflächen, auf denen sich die Designer austoben durften. Über den meisten Ablagen beispielsweise schließen sich jetzt Jalousien oder Klappen. Das schafft Raum für eigenwillige Maserungen oder auffällige Farb- und Materialkontraste: Nicht alles wirkt elegant und praktisch, aber es sieht gut aus. Und es passt zum neuen Außendesign, das bescheidener wirkt als die teils vorlaute Formensprache des Vorgängermodells.

In Fahrt macht der neue 308 richtig Laune. Der 1,6 Liter große Turbo-Benziner des Testwagens, den Peugeot gemeinsam mit dem BMW-Ableger Mini baut und einsetzt, ist kultiviert und kraftvoll, geht mit 156 PS behände ans Werk und macht beim Ampelspurt eine ebenso gute Figur wie auf der Überholspur. Die Lenkung ist direkt und das Fahrwerk nicht ganz so weich und wabbelig, wie man es sonst schon mal bei Autos aus Frankreich findet.

Nur beim Rückwärtsrangieren kommt man ins Schwitzen: Denn die Heckscheibe ist eine schmale Scharte, so dass man ohne Rückfahrkamera ziemlich aufgeschmissen wäre. Das erklärt auch, weshalb Hinterbänkler im 308 nicht glücklich werden dürften. Die Kniefreiheit ist zwar in Ordnung und das Einsteigen ohne große Verrenkungen möglich, doch die abfallende Dachlinie verringert nicht nur die Sicht, sondern auch die Kopffreiheit. Und dann drücken auch noch die zu kurzen Kopfstützen in den Nacken.

Das muss man wissen: Noch während Peugeot auf der IAA in Frankfurt die Publikumspremiere des 308 feiert, beginnt am 21. September der Verkauf des neuen Modells. Die Preise starten bei 16.450 Euro und liegen damit sogar ein wenig unter denen des Vorgängers - allerdings hat das Basismodell künftig nur noch einen Dreizylinder-Benziner mit 82 PS. Daneben gibt es den 1,6-Liter mit 125 oder 156 PS sowie zwei Diesel mit ebenfalls 1,6 Liter Hubraum und 92 oder 115 PS. Damit kommt der 308 auf einen Normverbrauch von bestenfalls 3,7 Liter. Später soll es ein Sparmodell mit einem Verbrauchswert von 3,2 Liter geben.

Diese Ersparnis war nur möglich, weil der 308 auf einer komplett neuen Plattform steht. Diese Bodengruppe ist ähnlich variabel wie der modulare Querbaukasten von VW - und bietet vergleichbare Gewichtsvorteile. Der neue 308 soll bis zu 140 Kilo leichter sein als das bisherige Modell.

Bei fünf Motorisierungen und einer Karosserievariante wird es nicht bleiben. Stärkere Diesel- und Benzintriebwerke sind ebenso geplant wie ein neuer Kombi. Außerdem werden Anfang 2014 die beiden Crossover-Modelle 3008 und 5008 überarbeitet und der neuen Designlinie angepasst. Was es dagegen wahrscheinlich nicht mehr geben wird, ist ein 308 Cabrio. Weil dieses Modell ausschließlich für den europäischen Markt relevant war, zweifeln die Verantwortlichen an der Rentabilität einer solchen Modellreihe. Da auch der 208 CC vorerst ohne Nachfolger bleibt, meldet sich der einstige Cabrio-Marktführer Europas komplett ab vom Open-Air-Geschäft.

Das werden wir nicht vergessen: Wie viel Mühe sich die Designer mit dem neuen 308 gegeben und welchen Spielraum sie für Spielereien gefunden haben. Außen zeugen die kleinen Seitenspoiler an der Heckscheibe und die vielen Sicken rund um die Rückleuchten vom Bestreben, den Wagen zierlicher wirken zu lassen, als er tatsächlich ist.

Und innen ist es vor allem der Drehzahlmesser, der ins Auge sticht. Es dauert einen Moment, bis der Groschen fällt, doch dann beginnt man zu schmunzeln und zieht in Gedanken den Hut vor dem Designer: Statt wie sonst immer bewegt sich diese Anzeige gegen den Uhrzeigersinn und wird so zu einer zarten Rebellion gegen das Ewiggleiche.

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Seite 1
fr1 29.08.2013
1. sponsored by
subventioniert von der eu weil frankreich psa finanziell unterstützt. der kunde entscheidet...man muss sehen.
c5s1 29.08.2013
2. Das kann ja nichts werden!
Oje, der Schalter für das Licht nicht dort, wo ihn Fahrer "deutscher" Modelle (die werden überall geschraubt, am wenigsten aber hierzulande) gewohnheitsmäßig suchen würden? Das kann ja wohl nicht sein! Was trauen die sich, die Franzmänner?! Das hat doch so zu sein, wie das im tollen Golf auch ist, fertig! PS: ich fahre seit ...zig Jahren PSA-Produkte. Die Bedienung ist ergonomisch optimal und man probiert durchaus auch mal was Neues aus. Das muss deswegen nicht schlecht sein. Der angesprochene 1.6er tut auch in meinem aktuellen Modell Dienst, als VTi mit 120 PS. Der von PSA angegebene Durchschnittsverbrauch ist aber auch bei sparsamster Schleichfahrt nicht zu schaffen - 5,9l Werksangabe, 7,6l real.
Mardor 29.08.2013
3. 208 cc?
"Da auch der 208 CC vorerst ohne Nachfolger bleibt, meldet sich der einstige Cabrio-Marktführer Europas komplett ab vom Open-Air-Geschäft." Den 208 CC gibt es nicht, Sie meinen den 207 CC.
mikaiser 29.08.2013
4. Back to the Future
Was aussieht wie der Vorgänger vom Opel Astra ist also der Nachfolger vom 308. Für mich ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Löschknecht 29.08.2013
5. Bedenklicher Trend
Die Position eines mechanischen Schalters ist immer gleich. Man prägt sie sich ein und kann ihn ohne hinzusehen ertasten. Das bindet keine Aufmerksamkleit und ich muss den Blick nicht von der Straße abwenden. Um auf einem Touchscreen eine Einstellung vorzunehmen, muss ich mich zuerst vergewissern, dass das gewünschte Schaltelement sichtbar ist - und nicht gerade etwa die Karte meines Navis. Dann wechseln in den betreffenden Modus - wie anch immer das geht. Dann "virtuelle Taste" betätigen - was einen zielsicheren Finger ohne haptisches Feedback bedarf - also nochmal hinschauen - und zwar so lange, bis ich das visuelle Feedback erfasst habe oder es piepst. Jetzt möge mir ein Vertreter der Automobilindustrie oder des Gesetzgebers erklären, warum ich das alles beim Fahren machen darf, hingegen das Ausschalten des Weckers meines Handies als Ordnungswidrigkeit sanktioniert wird. Und das ganze Gefasel vom dadurch ermöglichten tollen Design (Danke auch an den Schreiber des Berichtes für unkritische Übernahme aus dem Werbetext) stelle ich auch mal infrage - ich bin überzeugt davon, dass dies alles nur gemacht wird um Autos billiger zu produzieren und teure mechanische Schalter und Verkabeklung einzusparen.
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