Peking Motor Show Famos in Fernost

Einzelsitze mit Biobezügen, Schnitzkunst in den Echtholz-Vertäfelungen und Schalterleisten wie vom Juwelier: Citroën und Peugeot sind in Asien Luxusmarken. Auf der Automesse in Peking wartet ein Modell einparfümiert auf den großen Auftritt.

Peugeot

Liest man im Zusammenhang mit einem Auto vom "Rausch der Sinne" und von Materialien wie Ebenholz, Edelstahl oder gealtertem Leder, denkt man sofort an Rolls-Royce oder Bentley. In diesem Fall geht es aber um einen Peugeot: Die Designstudie "Exalt" des französischen Herstellers, eine sportliche Limousine im Format der oberen Mittelklasse, wird am Osterwochenende auf der Automesse in Peking erstmals enthüllt.

In der Vorabveröffentlichung zu dem Konzeptauto beschreiben die Peugeot-Leute ein Ambiente, als wollten sie mit der Mercedes S-Klasse konkurrieren.

Der Prototyp Exalt verfügt über Einzelsitze mit Biobezügen, erlesene Schnitzkunst in den Echtholzvertäfelungen und Schalterleisten wie vom Juwelier. Und selbst im Dauersmog von Peking verspricht der Hersteller eine geradezu paradiesisch reine Atmosphäre im Wagen, denn der Inneraum wird vor dem Einsteigen nicht nur mit einem Chemikalien-Cocktail automatisch desinfiziert, auch während der Fahrt filtert die Klimaautomatik Gerüche und Schadstoffe restlos aus.

Dazu gibt es technische Finessen wie einen Vierzylinder-Hybrid-Antrieb mit einer Leistung von 340 PS und eine spektakuläre Karosserieoberfläche: Während die schnittige, 4,70 Meter lange Limousine vorne aussieht, als wäre sie aus blank gebürstetem Blech geformt, trägt sie hinten eine Folie aus roter, künstlicher Haifischhaut. Das Material ist mit speziellen Nanopartikeln so geschmeidig strukturiert, dass der Strömungswiderstand besonders gering ist.

Der Aufwand entbehrt aus europäischer Perspektive nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet Peugeot, eine Marke, die in Europa seit Jahren in der Krise steckt, bestenfalls noch im Mainstream mitschwimmt und jenseits der Kompaktklasse seit Ewigkeiten nichts mehr zu melden hat, klopft in China mit dieser Studie an die Tür zum automobilen Oberhaus.

Französische Autos sind in China begehrt

Aber die Strategie klingt Erfolg versprechend, denn in Asien hat Peugeot ein ganz anderes Image als bei uns. Gerade in China steht die Marke aus Frankreich für Pariser Flair, für Haute Couture, Stil und guten Geschmack und den Duft der großen weiten Welt. Erkennbar ist das auch an den Absatzzahlen: Im vergangenen Jahr hat Peugeot in China rund 272.000 Autos verkauft, ein Zuwachs um mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: In Deutschland waren es nur 55.000 Peugeot-Neuwagen und damit 20 Prozent weniger als im Jahr davor. Einzig in Frankreich steht die Löwenmarke aktuell noch besser da als in China.

Ähnliches gilt für die Schwestermarke Citroën, die in China sogar noch stärker zulegen konnte (plus 26 Prozent) und im vergangenen Jahr noch mehr Autos verkaufte (285.000). Auch deshalb, weil sich Citroën schon früher als Peugeot auf Fernost fokussierte. Zudem führt Citroën in China die auch in Europa relativ erfolgreiche DS-Linie als eigene Luxusmarke mit einem speziellen Vertriebsnetz mit 50 exklusiven Händlern in noblen Einkaufsvierteln.

Die bieten sogar ein exklusives Modell an, denn neben den auch in Europa erhältlichen Modellen DS3, DS4 und DS5 gibt es in China seit dem Jahreswechsel zusätzlich den Typ DS5 LS. Das vor Ort gebaute Auto ist eine stattliche 4,70 Meter lange Limousine mit klassischem Stufenheck.

Citroën stellt den ersten eigenen Geländewagen vor

Dabei will es Citroën aber nicht belassen. Die Marke wird auf der Messe in Peking eine sportliche R-Version des DS5 LS enthüllen, die einen auf 300 PS hochgezüchteten 1,6-Liter-Turbo-Benziner unter der Haube hat, und zudem noch ein zweites exklusives China-Modell einführen. Ein Jahr nach der Premiere der Designstudie Wild Rubis zeigt Citroën in Peking nämlich die Serienfassung des ersten eigenen Geländewagens. Das Auto würde auch ins europäische Verkaufsprogramm passen, doch aufgrund eines Joint Ventures mit einem chinesischen Partner werde es zu dieser Ergänzung vorläufig nicht kommen, sagt Citroën-Chef Frédéric Banzet.

Haute Couture für China und Hausmannskost für Europa - diese Entwicklung könnte sich bei den PSA-Marken Peugeot und Citroën in den nächsten Jahren noch verstärken. Nicht nur, weil der Absatz in China auch in Zukunft schneller steigen wird als in Europa und der Konzern ab 2015 mindestens 50 Prozent der Autos außerhalb Europas verkaufen will. Sondern auch wegen der neuen Eigentümerstruktur: Seit Kurzem gehören 14 Prozent des einstmals französischen Familienunternehmens dem Automobilhersteller Dongfeng. Und der hat seine Wurzeln in China.



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fc-herrenturnverein 10.04.2014
1. Ja, genau!
Zitat von sysopPeugeot Einzelsitze mit Biobezügen, Schnitzkunst in den Echtholz-Vertäfelung und Schalterleisten wie vom Juwelier: Citroën und Peugeot sind in Asien Luxusmarken. Auf der Automesse in Peking wartet ein Modell einparfümiert auf den großen Auftritt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/peugeot-und-citroen-in-china-auf-der-peking-motor-show-a-963653.html
Deswegen sind Citroen und Peugeot auch so wahnsinnig erfolgreich und werden von den Schönen und Reichen gefahren. Und hey, bei aller Deutsch-Französischen Freundschaft, diese Autos gibt es gar nicht und wird es nie geben. Nie. PSA und Renault sind dank Euro, HarzIV und Produktivitätsvorteil dermaßen von VW kaputtkonkurriert worden, dass man sich fragen muss, Merkel und Schäuble, so geht der europäische Einigungsprozess in die Hecke, oder? Da hilft nicht mal mehr das EEG dazu, dass Frankreich und Italiens Autoindustrie überleben kann ... und in China ist ausgerechnet ein französisches Auto von PSA Luxus?
redbayer 10.04.2014
2. Dei Franzosen haben es rechtzeitig erkannt, dass man für China, ähnlich wie Russland)
mit Luxus und Klasse Autos Punkten kann. Für den europäischen Markt, insb. Deutschland lohnen solche Autos nicht. Hier hat man viel weniger Geld zur Verfügung und der Deutsche mag es sowieso nur "sportlich hart" und spartanisch.
spaas11 10.04.2014
3. mir mal
wieder schleierhaft für was so alles die Regierung verantwortlich sein soll..? Wo doch die Franzosen ihre Industrie subventionieren und eben nicht wir...aber lassen wir das. Hauptsache mal geschwafelt.
Jonny_C 10.04.2014
4. Der Exalt....
...gefällt mir, sieht nett aus. Allerdings kann ich zum verbauten Holz nur sagen : aua. Holz gibt im Falle eines Crashs nicht nach. Naja ist ja auch nur ein Prototyp, wird eh niemals so gebaut.
hersp58 10.04.2014
5. andere Märkte andere Sitten
Der Aufwand würde sich für Europa nicht lohnen. Hier sind andere Marken top. Die Chinesen ticken da anders.
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