Er gilt als Meister der Einfachheit. Der französische Designer Philippe Starck liebt klare Linien und bürstet allenfalls mal mit ungewöhnlichen Materialien gegen den Strich. Viele Gutverdiener schmücken ihr Bad mit seinem berühmten Zuber, im Wohnzimmer steht der Stuhl aus dem noch berühmteren Café Costes - und in der Küche die dreibeinige Zitronenpresse namens Juicy Salif.
Mit Autos kann Starck dagegen nicht viel anfangen. Mehr noch: Er kann sie eigentlich überhaupt nicht leiden. Sie seien laut, verpesteten die Umwelt und brächten das Schlechteste im Menschen zum Vorschein, erklärte er einmal. Trotzdem - oder gerade deshalb - machte er sich jetzt daran, ein Auto zu gestalten. Der V+ des französischen E-Mobil-Herstellers Volteis ist noch bis zum 18. März im grünen Pavillon auf dem Genfer Autosalon zu sehen.
Im eher tristen Umfeld der Sonderausstellung ist das Gefährt tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung - aber eine eher unfreiwillig komische. Die hier gezeigten Elektroautos sollten sich irgendwie von ihren mit Verbrennern angetriebenen Vettern unterscheiden, darüber herrscht offensichtlich Konsens - nur wie, darauf haben die Designer noch keine passende Antwort gefunden. Auch Philippe Starck nicht.
Sein V+ ist abgeleitet vom Volteis X4, einem 720 Kilogramm leichten Elektrofahrzeug mit sechs PS Motorleistung und 65 km/h Spitze. Mit diesem E-Mobil hat der V+ aber eigentlich nur die vier Räder gemein. Er erinnert vielmehr an ein aufgebrezeltes Golf-Caddy. Gebürstete Aluminiumrohre bilden das Gerüst für eine halbdurchsichtige Markise, vorne schützt eine riesige platte Frontscheibe vor dem Fahrtwind. Wenn man sich den Überbau einmal wegdenkt, sitzen die Insassen eher auf dem Gefährt als darin, denn die Wagenflanken sind extrem niedrig.
Sorgsam gestalteter Innenraum
Die ebenfalls sehr offenherzigen Urahnen des Starck-Mobils, der Citroën Mehari und der Mini Moke, vermittelten ihren Insassen vor allem durch das höher angebrachte Armaturenbrett mehr Geborgenheit, die natürlich in Wahrheit auch nicht vorhanden war. Im V+ fühlt man sich etwas nackt und ungeschützt, was der Übersicht zweifelsohne gut tut, aber die Verbindung zwischen Auto und Fahrer nicht gerade fördert.
Immerhin fällt man in einen hübschen Weidenkorb. Denn zumindest bei der Gestaltung des Interieurs ließ Starck sein Talent aufblitzen. Das Lenkrad mit seiner massiven Querstrebe könnte auf Autofahrer zwar bedrohlich wirken, doch im Stillstand sieht es gut aus. Das kleine Display im Smartphone-Format folgt ebenfalls dem starckschen Purismus. Absolutes Highlight sind aber die schicken Sitze mit einer Bespannung nach Art eines Gartenstuhls sowie die geflochtene Ablage vor der Frontscheibe. Sie sind wahlweise naturfarben, kräftig grün oder blassblau und wecken sofort Gedanken an Strand und Mittelmeer.
Auch bei der Gestaltung der Details hat der Designer nichts dem Zufall überlassen. Trotz der fehlenden Auskleidungen wirkt der Innenraum nicht kahl, die Blechkanten wurden sorgfältig umgebogen. Man streicht gern mit der Hand über Rundungen und Griffe. Nichts wirkt hier flimschig und unbearbeitet.
Volteis meint es übrigens ernst mit dem V+: 400 Fahrzeuge sollen in diesem Jahr produziert werden. Wer 25.000 Euro für ein Ferienmobil übrig hat, kann sich das Designerstück von Phillipe Starck zulegen.
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