Pkw-Markt Japan Bunte, kleine Autowelt

Von wegen Globalisierung und Gleichmacherei: Zwar sieht man auf Japans Straßen auch bekannte Marken und Modelle, doch lässt sich das Verkehrsbild in Osaka kaum mit dem von Offenbach vergleichen. Vor Beginn der Tokyo Motor Show hat sich SPIEGEL ONLINE ein bisschen vor Ort umgeschaut.


Schon vor dem Flughafenterminal wird es deutlich: Der japanische Automarkt ist mit dem deutschen nicht zu vergleichen. Zu unterschiedlich ist das Kaufverhalten und zu verschieden der Geschmack der Kunden, als dass sich hier wie dort identische Modelle behaupten könnten. Zum Auftakt der Motorshow in Tokio (27. Oktober bis 11. November) hat SPIEGEL ONLINE einen Blick auf Straße und Statistik geworfen, um den unbekannten, aber keineswegs unbedeutenden Markt etwas näher zu beleuchten. Schließlich werden in Japan 2007 nach Prognosen von Global Insight und CSM rund 5,4 Millionen Neuwagen verkauft, während der Markt in Deutschland nur auf rund 3,25 Millionen Zulassungen taxiert wird. Geprägt ist der japanische Markt von einer Fahrzeugkategorie, die bei uns keine Rolle spielt: Den Superminis. Rund ein Drittel der Zulassungen entfallen auf diese so genannten K-Cars, die kürzer sind als 3,40 Meter und deren Hubraum kleiner ist als 660 Kubikzentimeter. Das liegt am Finanzgebaren der Verkehrsbehörden: Denn wer in den Städten ein Auto besitzt, muss dafür auch einen Parkplatz nachweisen, der zum Beispiel in Tokio umgerechnet 200 bis 400 Euro pro Monat kostet. Nur die an ihrem gelben Kennzeichen erkennbaren Winzlinge sind von dieser Pflicht befreit und erfreuen sich deshalb so großer Beliebtheit.

Neben den Zwerg-Modellen, von denen zwischen Januar und August bereits mehr als eine Million Exemplare verkauft wurden, stehen die Japaner laut dem Marktbeobachter Jato Dynamics vor allem auf Großraumlimousinen: Sie kommen auf mehr als 500.000 und die kleinen auf noch einmal 230.000 Zulassungen in den ersten acht Monaten. Die überall sonst auf der Welt so beliebten Geländewagen dagegen gehen mit gut 150.000 Zulassungen fast unter.

Meistverkauftes Modell ist der Suzuki Wagon R+

Entsprechend ungewöhnlich wirkt für Europäer der Blick auf die Hitliste der meistverkauften Modelle, die nach Angaben von Jato Dynamics in den ersten acht Monaten des Jahres vom Suzuki Wagon R+ und dem Daihatsu Move angeführt wird. Während die rollenden Schuhschachteln bei uns wegen des bevorstehenden Modellwechsels bei Suzuki nur noch 33 Mal verkauft und von Daihatsu ganz aus dem Programm genommen wurde, stehen sie in Japan mit 155.618 und 146.633 Zulassungen in den Jato-Daten.

Auch die weiteren Spitzenplätze der Zulassungstabelle sind Autos vorbehalten, die bei uns nur eine Nebenrolle spielen oder erst gar nicht angeboten werden: Auf Rang drei steht mit 79.750 Zulassungen der Toyota Vitz, den wir als Yaris kennen. Platz vier und fünf haben Daihatsu Tanto und Mira inne, auf dem sechsten Rang steht der Honda Fit, der bei uns Jazz heißt, und danach folgen Toyota Passo, Honda Life, Nissan Serena und Toyota Corolla.

Selbst die Markenwertung birgt manche Überraschung: Dass Toyota mit einem Marktanteil von derzeit 30,6 Prozent das Geschäft bestimmt, wird niemanden verwundern. Und dass Nissan (14,3 Prozent) und Honda (12,7 Prozent) mit aufs Treppchen steigen, passt auch noch ins Bild. Doch Suzuki auf dem vierten und Daihatsu auf dem fünften Platz und damit noch vor Mazda, Mitsubishi und Subaru hätte wohl kaum einer erwartet.

VW ist erfolgreichster Importeur in Japan

Natürlich haben es Importeure auf einem solchen Markt nicht leicht, wenn ihnen die Produkte für die wichtigsten Segmente fehlen. Schließlich ginge nicht einmal der Smart als K-Car durch. Doch zielen gerade die deutschen Hersteller nicht auf das Massengeschäft, sondern haben sich als Premium-Alternative etabliert. "Der Begriff Importauto gilt als Synonym für groß und teuer", sagt Marktbeobachter Christoph Stürmer von Global Insight. "Wer so ein Auto fährt, erwartet Exklusivität und will sich differenzieren." Auf dem Land sieht man das eher selten. Doch je größer die Städte, desto größer auch der Anteil von Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Porsche. Und während der Durchschnitts-Japaner sein Lenkrad auf der rechten Seite hat, bestellen die Besserverdiener gern Linkslenker, um sich weiter abzuheben.

Erfolgreichste Importmarke in Japan ist VW. Die Niedersachsen kommen laut Jato auf bislang 33.000 Zulassungen und einen Marktanteil von 1,1 Prozent, den sie vor allem 11.000 Golf und 8000 Polo verdanken. Mit jeweils knapp 29.000 Zulassungen auf Platz zwei und drei der Importwertung stehen BMW, die mit dem 3er auch das erfolgreichste Importauto überhaupt stellen, und Mercedes, wo der Erfolg vor allem auf C- und E-Klasse fußt. Allerdings ist dem Duo die luxuriöse Toyota-Tochter Lexus dicht auf den Fersen. Obwohl erst seit wenigen Jahren überhaupt auf dem Heimatmarkt vertreten, hat sie die deutschen Luxusmarken schon fast eingeholt. Und glaubt man Experten wie Henner Lehne von CSM, wird die Lage eher prekärer: "Die japanischen Marken Lexus, Infiniti und Acura werden sich nach und nach ihren Platz im Markt erkämpfen. Obwohl es die jüngsten Premium- Marken sind, genießen sie längerfristig einen Heimvorteil."



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.