ADAC-Umfrage Pkw-Maut stößt auf Ablehnung

Ein Großteil der deutschen Autofahrer fordert von der Regierung höhere Investitionen in den Straßenbau - gleichzeitig sind aber nur wenige bereit, dafür künftig mehr zu bezahlen. Das ergab eine Umfrage des ADAC. Der Automobilclub sieht sich damit in seiner Ablehnung der Pkw-Maut bestätigt.

Schild vor einem mautpflichtigen Tunnel: "Die Politik macht es sich sehr einfach"
DPA

Schild vor einem mautpflichtigen Tunnel: "Die Politik macht es sich sehr einfach"


Düsseldorf - Seit Jahren singt der ADAC das Klagelied über das doppelte Leid deutscher Fahrzeugbesitzer: Nach Ansicht des Automobilclubs müssen sie über kaputte Straßen rollen, werden aber gleichzeitig durch hohe Abgaben auf Spritkosten und die Kfz-Steuer belastet. Durch eine selbst in Auftrag gegebene Umfrage sieht der ADAC sich jetzt in dieser Haltung bestätigt. Die Ergebnisse der Befragung werten die Kfz-Lobbyisten vor allem als Abgesang auf etwaige Pläne einer Pkw-Maut.

Laut der Umfrage fordern 86 Prozent der deutschen Autofahrer höhere Investitionen in den Erhalt und Ausbau von Straßen. Aber nur 28 Prozent wären mit weiteren Kostenbelastungen wie etwa einer Pkw-Maut einverstanden. Außerdem rechnen gut zwei Drittel der Befragten nicht damit, dass die von den Autofahrern bereits bezahlten Abgaben tatsächlich in die Infrastruktur fließen. Nach Angaben einer ADAC-Sprecherin nahmen in den vergangenen zwei Monaten rund 2800 Autofahrer in Deutschland an der Umfrage teil.

"Die Politik macht es sich sehr einfach", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Düsseldorf. "Jedes Jahr aufs Neue hebelt sie die gesetzliche Zweckbindung der Mineralölsteuer aus und verwendet die zur Verfügung stehenden Milliarden für alles Mögliche, nur nicht für die Straßen." In einem am Freitag vorgestellten Sechs-Punkte-Plan fordert er unter anderem, dass finanzielle Zusagen für Infrastrukturprojekte mehrjährig und verbindlich sein müssen.

"Populistische Abkassiermodelle"

Meyer forderte die nächste Bundesregierung auf, "den Straßen die benötigten und vorhandenen finanziellen Mittel so schnell wie möglich bereitzustellen". Zugleich müssten "durchsichtige, populistische Abkassiermodelle" wie die von CSU-Chef Horst Seehofer befürwortete Pkw-Maut endgültig zu den Akten gelegt werden.

Die CSU will eine Maut für alle Pkw einführen. Auf diese Weise sollen nach ihrem Willen aber nur ausländische Fahrer zusätzlich belastet werden - für deutsche Autofahrer soll es eine Entlastung an anderer Stelle geben. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, stattdessen die Kfz-Steuer abzuschaffen.

Laut ADAC befinden sich knapp 20 Prozent des Autobahnnetzes in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Rund 25 Prozent der Brücken müssten saniert oder erneuert werden. Den ADAC-Angaben zufolge bezahlen die Autofahrer jährlich 53 Milliarden Euro über spezifische Abgaben wie Mineralölsteuer, anteilige Mehrwertsteuer und Kfz-Steuer an den Staat. Für die Straßeninfrastruktur würden jedoch nur 19 Milliarden Euro ausgegeben, der Rest versickere an anderen Stellen im Staatshaushalt.

cst/dpa



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insgesamt 184 Beiträge
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Seite 1
ajf00 23.08.2013
1. Ach der ADAC
Super, erstmal nur Autofahrer befragen, natuerlich kommt dabei raus das die alles umsonst wollen. Mehr Investitionen wollen aber nichts bezahlen wollen ist eben kein Votum gegen die PKW-Maut sondern eine Wunesch-dir-was Traum. Nebenbei, man sollte sich schon entscheiden, ob das eigene Argument sein soll die PKW-Maut ist ultra-unbeliebt, oder die PKW-Maut is populistisch. Beides gleichzeitig zeigt einfach nur mangelnde Logikfaehigkeiten.
chrimirk 23.08.2013
2. Alle Einnahmen aus dem Verkehr für den Verkehr!
Zitat von sysopDPAEin Großteil der deutschen Autofahrer fordert von der Regierung höhere Investitionen in den Straßenbau - gleichzeitig sind aber nur wenige bereit, dafür künftig mehr zu bezahlen. Das ergab eine Umfrage des ADAC. Der Automobilclub sieht sich damit in seiner Ablehnung der Pkw-Maut bestätigt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/pkw-maut-stoesst-laut-adac-umfrage-bei-autofahrern-auf-ablehung-a-918232.html
Und davon ist D. noch meilenweit entfernt! Erst wenn die Gesamt-Einnahmen aus dem Verkehr zweckbestimmt für den Verkehr eingesetzt werden, kann über Erhöhungen nachdenken. Derzeit sind aber nur rund 35 % der Einnahmen aus dem Strassenverkehr, auch dorthin zurückfliessend! Wahltag ist Zahltag! Und fast alle Autofahrer sind auch Wähler!
Hammer-Specht 23.08.2013
3. optional
Das ist ja eine wahnsinnige Umfrage mit großer Aussage. Bei einer Steuerabschaffung würde ich ja sagen,bei einer Erhöhung gibst ein Nein.Oder z.B. bei einer neuen Wassersteuer hätte ich es auch nicht schwer.
SMCQ 23.08.2013
4. ADAC sollte mal die Frage richtig stellen?
Soll für die Autobahnsanierung eine Autobahnmaut erhoben werden, mit gleichzeitiger Reduzierung der Kfz-Steuer für deutsche Fahrzeughalter, evtl. begrenzt bis 2000 ccm? Ja/Nein...dann sähe das Ergebnis schon anders aus! Andere Umfragen zeigen genau dieses auf!
alibaba2011 23.08.2013
5. ADAC und Maut
Bei so einer Umfrage kommt bestimmt das gleiche heraus, als ob man ein Schlachtschwein fragen würde, willst Du lieber Kotelett oder Schnitzel sein: ADAC du warst einmal , heute nur noch Lobbyist!
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