Pläne des GM-Chefs Autofahrer ab 2018 überflüssig

Das Auto zirkelt durch den Berufsverkehr, während der Nicht-Fahrer sich auf der Rückbank räkelt, SPIEGEL ONLINE liest und an seinem Kaffee nippt. Was nach ferner Zukunft klingt, könnte der Vorstellung von General-Motors-Chef Rick Wagoner zufolge schon in zehn Jahren Wirklichkeit sein.


Fahren lassen statt selber fahren - was der Chef von General Motors (GM), Rick Wagoner, visioniert, ginge im Prinzip schon heute: Erst vor wenigen Wochen fuhren bei der Darpa Urban Challenge unbemannte Pkw mit mächtigen Elektronengehirnen durch eine US-Kleinstadt. Die Tesfahrzeuge bewältigten den Parcours weitgehend fehlerfrei, allerdings im Kriechtempo. Zudem brannte mitunter der Navigationscomputer durch, was den digitalen Orientierungssinn stark beeinträchtigte. Wer will, könnte sich folglich schon heute einen Robo-Rolls-Royce kaufen - er bräuchte nur Geld, Zeit und gute Nerven.

GM-Chef Rick Wagoner: Es geht auch ohne Lenkrad
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GM-Chef Rick Wagoner: Es geht auch ohne Lenkrad

Wenn es nach GM-Vordenker Wagoner geht, sollen jedoch schon bald auch die gemeinen Massen in den Genuss von Pkw-Autopiloten gelangen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wird der Vorstandschef am Dienstag auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas seine Pläne für autonom fahrende Autos vorstellen und ein bereits erprobtes Testfahrzeug zeigen.

Viele Autohersteller arbeiten an ähnlichen Projekten. Der Zeitplan des US-Konzerns gilt unter Fachleuten jedoch als äußerst ambitioniert. Ein Sprecher sagte der "New York Times", GM wolle derartige Autos ab 2015 testen und ab 2018 verkaufen. Der US-amerikanische Autoanalyst Paul Hansen sieht dagegen nur eine "entfernte Chance", dass autonome Fahrzeuge "in der näheren Zukunft" im Straßenverkehr unterwegs sind.

Nie wieder Vordermänner mit Hut?

Der Zeitpunkt der automobilen Automatisierung sei näher als gedacht, sagte dagegen GM-Technikchef Larry Burns dem "Wall Street Journal". Viele der notwendigen Komponenten seien bereits serienmäßig im Einsatz: So verhinderten elektronische Abstandshalter die Kollision von Fahrzeugen - ein wichtiger Aspekt bei der automatischen Steuerung. Zudem fielen die Preise für moderne Technologien rapide und machten damit den Einsatz erschwinglich.

Bei dem präsentierten Testfahrzeug handelt es sich um einen Chevrolet Tahoe, den die Entwickler mit Kameras, Sensoren, Radar und Navigationstechnik aufgerüstet haben. Tatsächlich gewann der Wagen im November die Urban Challenge.

Auch Toyota und Volkswagen experimentieren mit autonomen Fahrzeugen. Ob die Autos der verschiedenen Hersteller Serienreife erlangen, hängt jedoch nicht nur von der technischen Entwicklung ab, sondern auch von der Klärung juristischer Fragen, etwa bei der Haftung für Unfälle.

hil/dpa



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