Pleiten, Pech und Mercedes Teuerstes Auto der Welt entpuppt sich als Pannenmühle

Auf ein gutes Geschäft hatte ein Autohändler in Los Angeles gehofft: Für einen Millionenbetrag erstand er das teuerste Auto der Welt und wollte es mit Gewinn weiterverkaufen. Doch die silberfarbene Mercedes-Rennmaschine entpuppte sich als Reinfall. Jetzt will er Schadenersatz.


Los Angeles - Theoretisch sollte er in 9,9 Sekunden von Null auf 200 Stundenkilometer beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreichen. In der Praxis schaffte der teuerste Sportwagen der Welt bei weitaus geringerer Geschwindigkeit aber nicht einmal vier Kilometer Strecke, bevor ihn seine Kraft verließ und er sie auch nicht wieder zurück gewann. Drei Jahre nach seinem teuren Abenteuer mit dem legendären Mercedes Benz AMG CLK-GTR Roadster hat nun ein kalifornischer Autohändler den Hersteller und seinen Stuttgarter Mutterkonzern vor einem US-Zivilgericht verklagt. Er fordert die Annullierung des Kaufvertrags, eine Rückerstattung der entstandenen Kosten und Schadenersatz.

Tolle Hülle, mieses Innenleben: Der Mercedes Benz AMG CLK-GTR Roadster von US-Händler Mark Johnston
AFP

Tolle Hülle, mieses Innenleben: Der Mercedes Benz AMG CLK-GTR Roadster von US-Händler Mark Johnston

Mark Johnston ist Spezialist für rollende Legenden. Als er im Jahr 2003 für 1,7 Millionen Dollar (rund 1,35 Millionen Euro) den silberfarbenen Mercedes Roadster für sein Autohaus "Grand Prix Motors" in Los Angeles erstand, glaubte er noch an ein gutes Geschäft. Rund drei Millionen Dollar wollte er für den Zwölfzylinder haben, von dem es auf der ganzen Welt nur fünf Exemplare gibt. Ein Interessent war schnell zur Hand. Doch die Probefahrt in Beverly Hills endete in einem Fiasko: Schon nach wenigen Häuserblocks leuchtete die Ölanzeige, und der Motor gab seinen Geist auf. Die Strecke zurück zum Autohaus legte der Supersportwagen mit Hilfe des Abschleppdienstes zurück.

Laut Guinness-Buch der Rekorde ist der aus einem Rennwagen hervorgegangene Roadster das teuerste Auto der Welt. In jedem Fall, meint Johnston, sei er exotisch - aber im schlimmsten Wortsinn: "Er fährt einfach nicht". Seit drei Jahren steht der Rennschlitten nun schon in seinem Autohaus - regungslos wie ein Kunstwerk. Nur einen Kunden findet Johnston dafür nicht. Von Mercedes erhielt er nach eigenen Angaben wenig Hilfe: 2005 sei ein Techniker aus Deutschland gekommen, habe Öl und einige Teile entnommen und sei wieder verschwunden. Seitdem hat er nichts mehr gehört. "Die beachten mich einfach nicht", klagt er. "Seit 25 Jahren bin ich nun schon in diesem Geschäft, doch dass sich ein Hersteller nach einer Panne so schnell zurückzieht, ist mir noch nie passiert". Von DaimlerChrysler war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Zachary Slobig, AFP



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