Porsche 911 GT3 Hybrid Stromstoß am Kurvenausgang

Autos mit einem zusätzlichen Elektroantrieb auszustatten, ist normalerweise eine Spritsparmaßnahme. Beim Porsche 911 GT3 liegen die Dinge anders: Kurze Stromstöße und ein Schwungrad sollen dem Rennwagen ein paar zusätzliche PS verschaffen.


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Porsche 911 GT3 Hybrid: Elektrischer Extraschub
Die Hybrid-Welle erfasst nach Mercedes, BMW und VW nun auch Porsche. Im Bemühen um geringere Verbrauchswerte und einen niedrigen CO2-Ausstoß springen die Schwaben, bislang bekannt als erzkonservative Leistungsfanatiker, über ihren Schatten und setzten die Modellpalette unter Strom.

Beim neuen Cayenne, der in wenigen Tagen debütieren wird, kommt ein gemeinsam mit VW entwickeltes Hybridsystem zum Einsatz. Spätestens 2011 soll auch für die Limousine Panamera ein Hybridantrieb verfügbar sein. Für die Sportwagen der Marke bereiten die Ingenieure in Weissach jedoch ein völlig neues Konzept vor: Ähnlich wie in manchen Formel-1-Rennwagen nutzen die Porsche-Techniker für ihren Rennhybrid keine schweren und teuren Akkus, sondern ein Schwungrad. So speichern sie die Energie nicht elektrisch, sondern kinetisch - und das spart jede Menge Gewicht.

Debüt wird die Technik in der Rennversion des Porsche 911 GT3 Anfang März auf dem Autosalon in Genf feiern. Bei diesem Auto ist anstelle des Beifahrersitzes eine Mechanik installiert, etwa so groß wie die Trommel einer Waschmaschine und bestückt mit einem Rotor. Gerät dieser in Schwung, speichert er Energie für die beiden jeweils 60 kW starken Elektromotoren an der Vorderachse, die dem rund 480 PS starken Vierliter-Boxermotor im Heck zuarbeiten.

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Wann immer der GT3 bremst, werden die Elektroaggregate zu Generatoren und liefern, ähnlich wie Dynamos, den Strom für einen weiteren Elektromotor, der das Schwungrad auf bis zu 40.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Gibt der Rennfahrer - beispielsweise am Kurvenausgang - wieder Gas, kann er diese gespeicherte Energie zusätzlich abrufen. Der Motor des Schwungrades wird nun zum Generator und liefert den Strom für einen Art elektrischen Nachbrenner, der den GT3 regelrecht nach vorn katapultieren soll.

Nur für ein paar Sekunden macht der "Elektro-Turbo" Tempo

Während der neue Cayenne mit einem konventionellen Hybridantrieb mehrere Kilometer mit elektrischer Kraft fahren kann, reicht der Strom beim GT3 Renner nur für sechs bis acht Sekunden. Und auch der Verbrauchsvorteil wird längst nicht so deutlich sein wie bei dem Geländewagen, der durch die Hybridtechnik rund 20 Prozent Sprit sparen soll. Dennoch, ein bisschen sparsamer als konventionelle Rennwagen wird der GT3 Hybrid wohl sein, und weil in einem Rennen schon kleine Vorteile einen großen Unterschied ausmachen können, plant Porsche mit kleineren und damit leichteren Tanks - oder mit weniger Boxenstopps.

Fürs erste wurde das mit dem Namen "Porsche Intelligent Performance" (PIP) betitelte System zwar nur für den Einsatz auf der Rundstrecke entwickelt; dort soll es im Mai, beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, zum Härtetest antreten. Außerdem gibt es die Hoffnung, dass die neue Technik Porsche so weit nach vorne bringt, dass auch ein Start beim Langstrecken-Klassiker in Le Mans aussichtsreich erscheint.

Zugleich jedoch soll der GT-Renner "als Technologieträger und sogenanntes Rennlabor Erkenntnisse für die spätere Anwendung der Hybridtechnik in Straßensportwagen liefern", heißt es in Weissach. Ganz neu ist die Thematik für das Haus allerdings nicht. Vor rund 110 Jahren baute das Unternehmen ein Modell namens Lohner-Porsche. Das kutschenartige Gefährt hatte einen kombinierten Antrieb aus Elektro- und Verbrennungsmotor an Bord.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
cha cha 11.02.2010
1. keine neue Idee ...
Zitat von sysopAutos mit einem zusätzlichen Elektroantrieb auszustatten, ist normalerweise eine Spritsparmaßnahme. Beim Porsche 911 GT3 liegen die Dinge anders: Kurze Stromstöße und ein Schwungrad sollen dem Rennwagen ein paar zusätzliche PS verschaffen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,677107,00.html
Die Idee ist ja nicht gerade neu - die schweizerische Post nutzte früher mal schwungradbetriebene Omnibusse: http://de.wikipedia.org/wiki/Gyrobus. Die Porsche-Techniker sollten dann bitte auch das Problem lösen, wie sie das Auto mit dem Kreisel um die Kurve bringen wollen. Da wird sich der Fahrer schön wundern, wenn er das Lenkrad einschlägt und das Auto dank der Kreiselkräfte einfach geradeaus weiter fährt.
Arnero 11.02.2010
2. Fotoserie
Auf dem Bild sieht es so aus, als ob das Schwungrad unter dem Beifahrersitz im Fußraum der Hinterbank liegt. Das wäre ja fast alltagstauglich (also wenn da nur ein Kind sitzt). 8 s sind gar nicht so schlecht verglich mit andern mild-Hybrids. Das Wort "Allradantrieb" vermisse ich bei Foto 3. Oberlehrermodus an. Also das heißt: "Hochspannungskabel". Volt ist die Einheit der Spannung. Es heißt ja auch: "Der Motor hat viel Leistung". Nicht "viele kW" und schon gar nicht "viele PS".
poster 11.02.2010
3. was ist schon normal
Zitat von sysopAutos mit einem zusätzlichen Elektroantrieb auszustatten, ist normalerweise eine Spritsparmaßnahme. Beim Porsche 911 GT3 liegen die Dinge anders: Kurze Stromstöße und ein Schwungrad sollen dem Rennwagen ein paar zusätzliche PS verschaffen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,677107,00.html
Technisch gesehen schließt der Elektromotor zunächstmal genau die Leistungs- und Komfort-Lücken des Verbrennungsmotors, um ihn später ganz zu ersetzen... Schön, dass diese Öko-Spinnereien jetzt auch in den Renn-"Sport" Einzug halten.
josipbroztito 11.02.2010
4. Kretin-Rad
Zitat von cha chaDie Idee ist ja nicht gerade neu - die schweizerische Post nutzte früher mal schwungradbetriebene Omnibusse: http://de.wikipedia.org/wiki/Gyrobus. Die Porsche-Techniker sollten dann bitte auch das Problem lösen, wie sie das Auto mit dem Kreisel um die Kurve bringen wollen. Da wird sich der Fahrer schön wundern, wenn er das Lenkrad einschlägt und das Auto dank der Kreiselkräfte einfach geradeaus weiter fährt.
Ja klar. Die dummen, dummen Ingenieure, wenn sie nur so ein Genie wie Dich bei sich hätten, dann würde so ein riesen Fehler nicht passieren. Dass immer die Ahnungslosesten am lautesten krakeelen müssen. Schon mal darüber nachgedacht, dass die Lagestabilität des Rades zum Vorteil werden könnte für ein Auto? Mann mann...
Bernd.Brincken 11.02.2010
5. Erstaunlich
Da muss sich der Ingenieur doch etwas wundern: Aus den zwei Rad-Elektromotoren wird bereits elektrische Energie geliefert. Anstatt diese nun elektrisch zu speichern, wie beim Hybrid und auch in der Formel1, wird diese hier erst in kinetische Energie umgewandelt (Beschleunigung des Schwungrades) - und dann bei Bedarf wieder zurück in elektrische, womit die Motoren betrieben werden, die daraus wieder kinetische Energie für den Vortrieb machen. Und die Porsche-Ingenieure wollen uns sagen, dies sei unterm Strich effizienter als die Akku-Speicherung? Trotz der Verluste der zusätzlichen Umwandlungen an der Schwungscheibe? Oder geht es vielleicht doch eher darum, irgendwie technisch auszudrücken, dass Elektroantriebe nicht ernstzunehmen und mehr eine Spielwiese für Spinner sind?
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