Streit um Urheberrecht Design des Porsche 911 beschäftigt Landgericht

Erwin Komenda war Chefdesigner bei Porsche. Seine Tochter streitet nun mit der Sportwagenfirma vor Gericht und fordert, das Urheberrecht für den legendären 911 ihrem Vater zuzusprechen.

Porsche 911 / Ur-Elfer
Tom Grünweg

Porsche 911 / Ur-Elfer


Wer ist für das weltbekannte Design des Porsche 911 verantwortlich? Darüber berät seit Dienstag das Landgericht Stuttgart. Die Tochter des ehemaligen Chefdesigners Erwin Komenda, Ingrid Steineck, fordert, das Urheberrecht für das Design des berühmten Sportwagens und des Vorgängermodells 356 ihrem Vater zuzusprechen und hat deshalb Porsche verklagt.

Der Autobauer bestritt vor dem Landgericht am Dienstag, dass Komenda für das Aussehen des 911 hauptverantwortlich war. Die ersten Entwürfe für die Porsche-Sportwagen würden nicht von Komenda stammen. Der Konzern schreibt das Design der Sportwagen maßgeblich Ferdinand Alexander Porsche, einem Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche, zu. Einen Vergleich lehnte der Anwalt des Autobauers zunächst ab, man habe Komendas Anteil an den Sportwagen bereits ausreichend gewürdigt.

Es geht um bis zu 20 Millionen Euro

Das Gericht muss in dem Fall mehrere Fragen klären: Wie viel vom Porsche 356 steckt im Porsche 911? Stellen die beiden Porsche-Modelle eine überdurchschnittliche Designleistung dar? Ist der "Ur-911er" noch in den heutigen Modellen erkennbar? Und vor allem: Wer ist hauptverantwortlich für das Design beider Autos?

Die Entscheidung könnte die grundsätzliche Frage klären, ob Autodesigner einen Urheberrechtsanspruch auf die von ihnen geschaffenen Modelle haben. Die Klage könnte auch deshalb letztlich vor dem Bundesgerichtshof landen. Im konkreten Fall geht es zudem um einen Nachzahlungsanspruch der Familie Steineck von bis zu 20 Millionen Euro. Das Gericht will bis zum 7. Juni entscheiden, ob es in die Beweisaufnahme geht oder die Klage abweist.

Video: Kultmobil auf Rädern - Porsche 911

ene/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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eunegin 24.04.2018
1. 100%ig sicher ist...
dass die Tochter des Chefdesigners Komenda keinen Anteil an der Entwicklung des 911er hatte. Er selbst ist 1966 verstorben. Schon interessant, welche Blüten Geldgier so treibt. Es scheint ihr und ihrer Familie ja zuvorderst darum zu gehen.
RalfBukowski 24.04.2018
2. Bis zum 993....
...lässt sich der einstige 901 (der Dank Peugeot zum 911 mutierte) anhand der Dachlinie noch verfolgen. Danach ist es vorbei. Zumal schon der 993 unten rum so unglaublich breit geworden war. Die Nachfolger sind nur noch Karikaturen und dürften normalerweise kein Gegenstand eines (irgendwie peinlichen) Prozesses werden. Aber wenn es um Geld geht...
felisconcolor 24.04.2018
3. Ich dachte
immer wenn ich was im Auftrag meiner Firma mache, zum Beispiel als Chefdesigner ein Auto kreieren, dann gehört das Ergebnis der Firma. War der besagte Designer bei Porsche angestellt oder war er freiberuflich tätig?
pumpking 24.04.2018
4.
Ohne irgendwelches juristisches Fachwissen würde ich sagen, dass Komenda möglicherweise das Design erfunden hat. Da er aber als Angestellter für Prosche gearbeitet hat würde ich denken, dass das Ergebnis seiner Arbeit Porsche gehört, die ihn dafür ja auch bezahlt haben. Der Typ der die Motoren zusammensetzt kann ja auch nicht einfach sagen: "Hab ich gebaut, is jetzt meins!"
Dogbert 24.04.2018
5. Die Foristen hier irren
falls der Designer den massgeblichen Anteil an dem, im übrigen genauso potthässlichen wie unpraktischen, 911er Design hat, stehen ihm im Rahmen des Erfindervergütungsgesetzes Anteile am Gewinn jeden einzelnen Fahrzeugs zu. Und da die Porsche Designer ja noch nie eine andere Idee hatten, als das 911er Design von ihren Vorgängern abzukupfern (und es dabei immer noch ein bisschen klobiger zu machen), ist, für jeden ersichtlich, auch heute noch ein Anspruch nur schwer von der Hand zu weisen. Das Firmen ihre Erfinder grundsätzlich mit Almosen abspeisen wollen, weiss jeder Patentinhaber im Angestelltenverhältnis aus dem ff. Und meist kommen sie damit durch, wer verklagt schon den Arbeitgeber bei dem er noch arbeitet ? Und wer kann sich überhaupt einen Rechtsstreit dieser Art leisten, eine normale Rechtschutzversicherung zahlt hier keinen Cent.
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