Porsche 918 Spyder Vollgas im Grünwaschgang

Der 918 Spyder ist in der Porsche-Historie einzigartig. Elektromotoren und ein V8-Aggregat bescheren dem Supersportwagen eine unerhörte Leistung bei einem irrwitzig niedrigen Verbrauch. Nicht nur deshalb ist das Fahrzeug ein technisches Meisterwerk. Die Frage ist nur: Wie viel Sinn macht dieses Auto?

Porsche

Daran muss man sich erst einmal gewöhnen: Mit hundert Sachen schießt der Porsche über die Landstraße, und der Drehzahlmesser zeigt - auf die Null. Er ist nicht kaputt. Er hat nur Pause. Denn was den Karbonrenner in diesem Moment durch die Eifel treibt, sind zwei Elektromotoren mit zusammen 245 PS.

Erst als der Entwicklungsingenieur auf dem Fahrersitz noch etwas fester aufs Gaspedal tritt, ist alles so wie immer: Die Luft wird zerrissen vom Brüllen eines Achtzylindermotors und die Nadel des Drehzahlmessers schnellt augenblicklich nach oben.

Das Auto, das in ziemlich genau einem Jahr als 918 Spyder in Produktion gehen wird und jetzt im Tarnkleid durch die Eifel fliegt, ist ein Fahrzeug mit zwei Gesichtern. Und welches Gesicht es zeigt, kann man mit dem Fuß steuern. Auf der einen Seite ist es ein Supersportwagen, der die Nordschleife des Nürburgrings schon beim ersten Testlauf in der Fabelzeit von 7:14 Minuten umrundete; zugleich handelt es sich um ein Dreiliter-Auto. Jedenfalls wenn man die aktuell gängige Berechnungsmethode zugrunde legt.

Möglich macht das ein Lithium-Ionen-Akku miit einer Speicherkapazität von 6,8 kWh. Das reicht, um den 918 dank der beiden E-Maschinen knapp 30 Kilometer weit rein elektrisch zu bewegen. Ist der Akku leer, rollt der Renner einfach mit der Kraft des V8-Motors weiter, und der lädt mit der gerade überschüssigen Leistung unterwegs die Batterien wieder auf.

"Im besten Fall sind die nach fünf Minuten schon wieder voll", sagt Michael Hölscher, der technische Projektleiter. Dann schaltet man per Lenkradschalter zum Beispiel wieder in den E-Modus und erlebt in der ruhigen, fast gespenstischen Fortbewegung das, was Hölscher den "Wellnessfaktor" des Zweisitzers nennt.

Man kann den Wagen auch mit vereinten Kräfte jagen. Wenn alle drei Motoren zusammenarbeiten, leistet der 918 Spyder 795 PS und entwickelt maximal 780 Nm Drehmoment, mit denen er in drei Sekunden auf Tempo 100 schnellt und nur ein paar Augenblicke später bis zu 325 km/h erreichen kann.

Grünes Mäntelchen? Ja. Aber darunter steckt künftige Serientechnik

Über den Sinn solcher Projekte wie den 918 Spyder und die ähnlich ambitionierten, aber rein elektrisch angetrieben und ebenfalls für 2013 avisierten Konkurrenten Audi R8 E-Tron und Mercedes SLS Eletric Drive kann man trefflich streiten. Die Vollgasbranche legt sich mit Autos dieser Art ein sauberes Mäntelchen um, unter dem dann eifrig weiter gerast und Energie vergeudet wird. Greenwashing heißt das in Fachkreisen.

Zudem hätte man das millionenschwere Entwicklungsbudget auch darauf verwenden können, konventionelle Modelle wie einen Porsche Boxster, Audi A3 oder C-Klasse-Mercedes etwas sparsamer zu machen. Schlagzeilen hätte es dafür wohl keine gegeben, aber jeder Zehntelliter Ersparnis bei einem Volumenmodell entlastet die Umwelt viel mehr als ein paar hundert elektrische Supersportwagen.

Die Hersteller aber feiern die Batterieboliden als "Leuchtturm-Projekte". Solche Autos sollen Strom-Mobile sexy erscheinen lassen, die Entwickler motivieren - und dem Fortschritt den Weg bereiten. In kleinen Stückzahlen und mit flexiblen Teams werden Technologien ausprobiert, die künftig sehr wohl massenhaft gebaut und verkauft werden sollen, heißt es.

"Wir lernen auf diese Weise viel für die anderen Baureihen", sagt Hölscher und nennt als Beispiele die kürzeren Entwicklungszeiten und den Leichtbau mit Karbon. Für die Herstellung des Kohlefaser-Chassis des Carrera GT, der vor knapp zehn Jahren Aufsehen erregte hat, benötigten die Schwaben damals noch fünf Tage. Hölscher: "Heute schaffen wir das in drei Stunden."

In einem Jahr wird die Produktion des 918 Spyder beginnen

Neben solchen grundsätzlichen Lerneffekten gibt es auch konkrete Details im Porsche 918, die in andere Fahrzeuge der Marke Einzug halten werden. Etwa der Karbon-Sitz des Renners, der trotz integriertem Seitenairbag lediglich elf Kilo wiegt und damit um ein Viertel leichter ist als die bisherigen Sportsitze ohne Prallsäcke. "Den werden wir künftig in allen Baureihen anbieten", sagt Hölscher.

Ebenso das ultraleichte Lenkrad des Technologieträgers, das demnächst auch in den sportlichen Varianten von 911, Cayman und Boxster eingebaut wird. Und die Steuerstrategie des Hybridantriebs färbt auf Plug-In-Fahrzeuge wie den eben auf dem Autosalon in Paris enthüllten Panamera Turismo Sport ab.

Auch die aktive Aerodynamik des Supersportwagens wird nach Porsche-Auskunft ihren Niederschlag bei anderen Baureihen finden. Neben dem schon bekannten beweglichen Heckspoiler gehören dazu auch verschließbare Diffusorkanäle im Unterboden und eine aufblasbare Spoilerlippe am Bug, die der nächste 911 Turbo erhalten soll. Nur: Auf dem großen Weg des Mobilitätswandels sind das natürlich eher Marginalien als Sieben-Meilen-Schritte.

Ob ein Auto wie der 918 Spyder die Entwicklungskosten jemals wieder einspielt, möchte niemand bei Porsche sagen. Verkauft jedenfalls wird das Auto zum Preis von 768.026 Euro; das macht bei 918 Exemplaren, die gebaut werden sollen, einen Umsatz von mehr als 700 Millionen Euro. Ein Drittel der Auflage sei bereits verkauft, verkündet Porsche. In der Extremsportliga also scheint der Elektroantrieb begehrt zu sein.

Walter Röhrl fackelt nicht lange: "Vergesst den V8-Motor!"

Das hat womöglich den gleichen Grund wie der Erfolg des Renault Twizy am entgegengesetzten Ende des Angebotspektrums: Auch das Rudimentär-Mobil konkurriert nicht mit einem herkömmlichen Auto, sondern ist vielmehr ein Spielzeug für gewisse Stunden. Hier der kleine Flitzer für eine abgasfreie Spritztour in die Stadt, dort das Carrera-Bahn-Gefühl für sehr reiche Porsche-Fans.

Ob der Porsche 918 eher Öko-Feigenblatt oder Hightech-Geschäftsmodell ist, kümmert Ex-Rennfahrer Walter Röhrl nur am Rande. Für ihn zählt, was schnell macht. Und mit dieser Prämisse lässt der Vollgas-Veteran auf den elektrischen Hilfsantrieb nichts kommen. Nach einer Testrunde über die Nordschleife bringt Röhrl das Thema Hybridantrieb auf einen einfachen Nenner. "Vergesst den 580 PS starken V8-Motor. Wenn die Akkus leer sind, hast Du ein Gefühl, als ob du plötzlich stehen bleibst. "



insgesamt 23 Beiträge
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spon-pano 09.10.2012
1. Hier freuen sie sich...
wie kleine Kinder und bei Toyota sind schon 4Mio. Serienfahrzeuge mit hybrid ausgeliefert worden. Schade, dass es mit der Technik bei uns so spät los geht.
rwdd 09.10.2012
2.
Zitat von sysopPorsche Der 918 Spyder ist in der Porsche-Historie einzigartig. Elektromotoren und ein V8-Aggregat bescheren dem Supersportwagen eine unerhörte Leistung bei einem irrwitzig niedrigem Verbrauch. Nicht nur deshalb ist das Fahrzeug ein technisches Meisterwerk. Die Frage ist nur: Wieviel Sinn macht dieses Auto? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/porsche-918-spyder-im-hightech-hybrid-sportwagen-auf-der-nordschleife-a-859703.html
Auch wenn die Nomverbrauchsangaben äußerst realitätsfern sind bin ich doch erstaunt. Rechnet man den Elektroantrieb heraus, so kommt man auf einen Normverbrauch von 6,6L. Das ist sehr wenig für so einen Motor. Hab ich mich vllt. vertan?
infernum 09.10.2012
3. Offenbarung des Grundproblems
Der Porsche Spyder zeigt wie viele andere Entwicklungen und die Ziele der Politik das Grundproblem der "Grünen Entwicklung": Das Gleiche wollen mit Ökostrom, -gas, -sprit etc. Das geht aber nicht, um eine in jeder Hinsicht nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Nur die für Porsche etc. für die nächsten 20 Jahre. Schade.
Guardsman 09.10.2012
4. optional
Ist ein Spyder nicht definitionsgemaess ein offenes Auto?
hansglück 09.10.2012
5. Der Verbrauch ist nur eine Mogelpackung
Für die offizielle Testmethode werden die ersten Kilometer MIT Emotor gemessen. Dabei kommt, welch Wunder ein geringer Benzin Verbrauch heraus. Sobald der winzige Akku aber nach wenigen Kilometern leer ist, steigt der Verbrauch in altbekannte Sportwagen Höhen. Bis dahin ist die notwendige Reichweite der genormten Messung aber bereits vorbei. DAS ist Greenwashing ! Ich hätte mir von porsche so sehr einen RICHTIGEN Elektro Sportwagen gewünscht. Schade, vieleicht in weiter, weiter Zukunft...
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