Porsche Cayenne Diesel Ölbrenner aus Zuffenhausen

Jahrelang gefiel sich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in der Rolle des Diesel-Verächters. Niemals werde man einen Dieselmotor entwickeln, tönte es aus Zuffenhausen. Das ist auch nicht mehr nötig: Als VW-Eigner greift sich Porsche einfach einen Selbstzünder von Audi.

Von Jürgen Pander


Schon im Februar soll es soweit sein. Dann können auch Porsche-Fahrer dieseln, und zwar im Cayenne. Der luxuriöse Geländewagen wurde bislang mit fünf unterschiedlichen Benzin-Motorisierungen angeboten – durchweg hoch gezüchtete Aggregate mit Leistungen zwischen 290 und 550 PS, von denen bereits die zahmste Variante mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,9 Liter je 100 Kilometer im Verkaufsprospekt stand. Kein Cayenne-Fahrer dürfte im normalen Autoalltag diesen Wert je erreicht haben. Doch das soll sich ja bald ändern.

"Vor dem Hintergrund veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen speziell in europäischen Ländern, die eine steuerliche Bevorzugung von Dieselfahrzeugen zur Folge haben", so heißt es in einer Mitteilung von Porsche, habe der Vorstand grünes Licht für den Ölbrenner gegeben. Immerhin fügen die Schwaben an, dass die Beteiligung am VW-Konzern "neue Perspektiven für den Bezug dieser Aggregate eröffnet" habe.

Plötzlich geht es ganz fix. Der Porsche Cayenne erhält einen 3-Liter-V6-Turbodiesel von Audi. Die Ingolstädter setzten das Triebwerk unter anderem in den Modellen Q5, A8, A6, A5 und A4 ein, bei VW stampft die Maschine auch im Cayenne-Zwilling Touareg. Die Adaption im Porsche-SUV war deshalb wenig aufwendig.

Vergleichsweise sparsam und erstaunlich stark

Derart motorisiert, verbraucht der Diesel-Cayenne nach Porsche-Angaben 9,3 Liter im Schnitt und stößt 244 Gramm CO2 je Kilometer aus; bisher lag der niedrigste CO2-Ausstoß eines Cayenne-Modells bei 310 Gramm. Doch interessiert das Porsche-Kunden wirklich? Wohl eher nicht. Die angepeilte Klientel dürfte allerdings hellhörig werden bei der schieren Kraft, die der Dieselmotor dem Cayenne verleiht. 550 Nm maximales Drehmoment lautet der betreffende Wert. Um dies zu übertreffen, muss es aus der Benziner-Riege schon der Cayenne Turbo sein, der mindestens 111.711 Euro kostet. Verglichen mit diesem Preis nehmen sich die 56.436 Euro, die Porsche für die Dieselversion verlangen wird, wie ein Sonderangebot aus.

Weder ist es eine neue Entwicklung, dass Dieselmotoren sparsamer sind als Benziner; noch ist die Erkenntnis überraschend, dass Selbstzünder viel höhere Drehmomente entwickeln als vergleichbare Ottomotoren. Dennoch schallt es jetzt aus Zuffenhausen, als habe man dort den Stein der Weisen des Motorenbaus entdeckt. Das "bullige Drehmoment" biete "sportliche Dynamik sowie hohe Souveränität" und vermittle "Porsche-typische Fahrfreude".

Nach dem Diesel ist vor dem Hybrid

Die jedoch bleibt vorerst der europäischen Kundschaft vorbehalten. Vor allem für den wichtigen Markt Nordamerika entwickeln die Schwaben ja einen Cayenne mit Hybridantrieb, der ab 2010 verkauft werden soll. Dieses Modell solle dann, so wird bereits verkündet, weniger als neun Liter Kraftstoff je 100 Kilometer verbrauchen. Eigentlich ein schöner Fortschritt. Aber auch fatal, denn so lässt sich wunderbar kaschieren, dass es ja auch den abgedrehten Cayenne Turbo S mit 550-PS-Biturbo-Motor gibt, dessen Normverbrauch bei 14,9 Litern liegt.

Auch wenn dem Gros der Porsche-Käufer Verbrauchswerte schnuppe sind - an einem makellosen Image sind sie offenbar interessiert. Ein dicker SUV mit großem Durst ist da eher hinderlich. Die Reaktion darauf ist in der Zulassungsstatistik abzulesen: Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg hat in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 3706 Neuzulassungen von Porsche-Cayenne-Modellen registriert - 12,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Diese Talfahrt dürfte ein weiterer Grund dafür sein, dass nun auch Porsche ein Diesel-Auto anbietet.



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