Porsche Cayenne S Transsyberia So weit die Reifen tragen

Für den Einsatz auf Rundstrecken bietet Porsche der nach Tempo gierenden Kundschaft seit Jahrzehnten Rennsportmodelle an. Nun erweitern die Zuffenhausener das Angebot um ein Auto für Langstrecken-Rallyes und legen eine Kleinserie des Typs Cayenne S Transsyberia auf.


Die Idee entstand durch einen Doppelsieg. Im vergangenen Jahr nahmen zwei Privatteams erstmals mit je einem Porsche Cayenne S an der Transsyberia Rallye teil - und belegten prompt die ersten beiden Plätze. "Durch den erfolgreichen Einsatz der Fahrzeuge ist Porsche auf die Veranstaltung aufmerksam geworden", teilt der schwäbische Sportwagenbauer jetzt in einer Presseerklärung mit. Nicht nur auf die Rallye tief im Osten wurde das Interesse gelenkt, sondern auch auf eine neue Geschäftsnische im profitablen Markt des sogenannten Kundensports.

Das Resultat steht nun auf vier 18-Zoll-Rädern mit grobstolligen Reifen und trägt den Namen Cayenne S Transsyberia. 135.000 Euro kostet jedes der 26 Exemplare des Langstrecken-Rallye-Fahrzeugs, die in den nächsten Monaten im Entwicklungszentrum der Firma in Weissach gebaut werden. Mit diesen Autos sollen dann 26 Kundenteams am 2. August in Moskau zur Transsyberia Rallye starten und möglichst alle am 17. August in Ulan Bator in der Mongolei eintreffen; am besten natürlich vor der Konkurrenz. Dazwischen liegen rund 6200 Kilometer - Verbindungsetappen und Sonderprüfungen addiert - über normale Straßen, Schotterstrecken, Trialpfade und Pisten durch die Wüste Gobi.

Der Motor des Rallyefahrzeugs wurde nahezu unverändert aus dem Serienmodell übernommen. Nach wie vor leistet das 4,8-Liter-V8-Aggregat also 385 PS und beschleunigt die Fuhre in 6,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Ansonsten aber wurde der Cayenne S Transsyberia umfangreich umgebaut. Er bekam eine kürzere Achsübersetzung, Verstärkungen an der Vorderachse, einen Sicherheitskäfig für die beiden Insassen, eine leichtere Abgasanlage, Aluminium-Schutzbleche am Unterboden und einen Luftfilter-Schnorchel, der sich aufs Dach verlegen lässt, damit auch bei Flussdurchquerungen der Motor noch tropfenfrei Sauerstoff ansaugen kann.

Klappspaten, Klappsäge und Axt an Bord

Um Gewicht zu sparen und Platz zu schaffen, muss das Rallyeauto ohne Verkleidungsteile, Dämmstoffe oder eine Rücksitzbank auskommen. Die drei hinteren Scheiben sind aus Polycarbonat, die beiden verbliebenen Sitze werden in Leichtbauweise gefertigt. Hinter dem Fahrer und seinem Navigator ist nun genug Platz für die notwendige Ausrüstung. Porsche liefert das Auto komplett mit Seilwinde, zwei 20-Liter-Reservekanistern, zwei Feuerlöschern, zwei Sandblechen, zwei Reserverädern, zwei Werkzeugboxen, zwei Zwei-Mann-Zelten, zwei Isomatten sowie Klappspaten, Klappsäge, Axt, Arbeitsscheinwerfer und vier Abschleppösen aus.

Das klingt ein wenig nach Pfadfinder-Hauptquartier, ist aber auf einer Rennsportveranstaltung quer durch Sibirien wohl unerlässlich. Denn dass es in diesem Auto auch um Zehntelsekunden geht, machen nicht nur der sogenannte Tripmaster-Computer vor dem Beifahrerplatz klar, sondern auch die Tatsache, dass die serienmäßig im Cayenne installierte Fußfestellbremse der guten, alten Handbremse weichen musste. "Mit der", heißt es im Pressetext, könne "das Auto in engen Kehren zum Übersteuern gebracht werden". Falls der Drift im Graben endet, ist das passende Werkzeug ja an Bord.

jüp



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