Abgasskandal Kraftfahrt-Bundesamt ruft 60.000 Porsche zurück

Dreister Abgasbetrug bei zwei Porsche-Modellen: Behörden rufen die Luxusgeländewagen Cayenne und Macan zurück, weil sie gleich mehrere Software-Manipulationen entdeckt haben.

Porsche Macan auf der Offroad-Teststrecke am Porsche-Werk in Leipzig
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Porsche Macan auf der Offroad-Teststrecke am Porsche-Werk in Leipzig

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Kanzlerin Angela Merkel hatte sich am Mittwoch noch vor die Autoindustrie gestellt. Es sei nicht im Interesse der Regierung, "durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken", sagte sie im Bundestag. Die Autobosse forderte Merkel zugleich auf, "verloren gegangenes Vertrauen selber wieder gut" zu machen. Vielleicht hätte die Kanzlerin noch einmal Rücksprache mit ihren Beamten vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) halten sollen, bevor sie die Hersteller so öffentlichkeitswirksam in Schutz nahm. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

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Heft 21/2018
Wie Verbrecher und Heilige eine Weltmacht schufen

Zwei Tage zuvor hatte die Flensburger Behörde ein Schreiben an den zum VW-Konzern gehörenden Sportwagenbauer Porsche verschickt. Gegen zwei seiner Diesel-Modelle haben die Beamten einen amtlichen Rückruf erlassen. Dabei handelt es sich nach Informationen des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks um das aktuelle Modell des Macan 3.0 Liter V6 mit einer Stückzahl von 53.000 und den Cayenne 4.2 Liter V8, bei dem in 6800 Exemplaren Software manipuliert wurde. "Aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen kann es im Betrieb der Fahrzeuge zu erhöhten NOx-Emissionen kommen", so ein Sprecher des Verkehrsministeriums gegenüber SPIEGEL und BR. Beide Modelle haben die Schadstoffklasse Euro 6, die von Konzernen und Regierung beworben werden, um im Austausch gegen ältere Diesel für bessere Luft zu sorgen.

Beim Macan fanden die Prüfer des KBA fünf illegale Abschalteinrichtungen, die bewirken, dass das Abgasreinigungssystem nur im Labor voll funktioniert - aber nicht auf der Straße. Im Verkehrsministerium ist man über die Anzahl der Software-Manipulationen ebenso verärgert wie über den Umstand, dass beim Macan bereits 2016 ein Softwareupdate vorgenommen wurde, um die Abgaswerte zu verbessern. Damals hatte der Stuttgarter Autohersteller die jetzt beanstandeten Manipulationen nicht eingestanden. Porsche erklärte, man habe diesen Februar die Behörden über "Unregelmäßigkeiten" informiert.

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck

Es ist nicht das erste Mal, dass Porsche Manipulationen an der Abgasreinigung eingestehen musste. Unter anderem verhängte der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt nach einer SPIEGEL-Enthüllung einen Verkaufstopp für den Porsche Cayenne mit 3-Liter-Motor, der Rückruf startete im Herbst des vergangenen Jahres. Damals wurde eine Technik festgestellt, die erkannte, dass ein Fahrzeug auf einem Abgasprüfstand stehe. In Tests sprang dann eine "Aufwärmstrategie" an, die im realen Verkehr nicht aktiviert wurde. Aufgrund des Abgasskandals hat Porsche aktuell keine Fahrzeuge mehr mit Diesel im Programm. In diesem Jahr werde der Hersteller auch keinen Diesel ins Programm nehmen.

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck. Schon vor zwei Wochen musste der Konzern bei seiner Tochter Audi gestehen, illegale Abschalteinrichtungen bei den Modellen A6 und A7 verwendet zu haben. Beide wurden mit Umweltprämien von bis zu 10.000 Euro beworben, wenn Kunden den Wagen kaufen und ihren alten Diesel dafür verschrotten lassen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht genauso wie die Kanzlerin in diesen Umtauschaktionen einen Weg, um Dieselfahrverbote in den Städten zu verhindern. Sie lehnen Nachrüstungen von älteren Dieseln mit Stickoxid-Katalysatoren als zu teuer ab. Diesen Kurs zu rechtfertigen, fällt allerdings immer schwerer, wenn weitere aktuelle Modelle mit Software-Manipulationen auffallen.

Video: Abgastricks beim Cayenne Diesel?

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
zinobln 18.05.2018
1. Ein Betrüger bleibt ein Betrüger bleibt ein Betrüger....
Die "führenden Köpfe" unserer Gesellschaft entlarven sich immer mehr zu den führenden Betrügern in Deutschland. Egal in welche Sparte man schaut...Banker, Industriebosse, Versicherungen etc. Betrüger soweit das Auge reicht. Die Bundesregierung stellt sich auch noch schützend vor diese Bande. Wie war das mit der Kassiererin...Pfandbon eingesteckt und schon ermittelt der Staatsanwalt. Wie wäre es, wenn die Staatsanwaltschaft und auch die Bundesregierung endlich mal durchgreift und dieser Verbrecherbande den Prozess macht? Einmal ist es der Rettungsschirm für die zockenden Banker und jetzt soll die Autoindustrie nichts zahlen weil sie ja ach so innovativ ist. Innovativ (beim Betrügen) sind die alle...nur eben nicht da wo es sein sollte.
willhelm.schmitz 18.05.2018
2. Jetzt....
Jetzt gleich kommen wieder die VAG Konzern Versteher um die Ecke und erzählen dem Forum erneut das Märchen vom ach so sauberen Diesel, oder der Tatsache, dass Porsche die Diesel ja nur von Audi bekommt und das die Abgas-Softwaremanipulation nur durch Zufall oder Fehlplanung in die entsprechenden Motoren gekommen ist..... Natürlich können die Vorstände wiederum nicht gewusst haben, dass Manipulation auch bei aktuellen Modellen des VAG Konzerns stattfinden..... Tja, so ist das halt, wenn die gewählte Bundesregierung der Automobilindustrie den Ar*** küsst und grundsätzlich vollständige Absolution verspricht..... dann kann man auch weiter lügen dass sich die Balken biegen.... Vielleicht sollte die Regierung Merkel neben den Automobilmanagern mal vor dem Kadi darlegen, warum Lügen und Betrügen aus politischer Notwendigkeit salonfähig geworden ist....
willhelm.schmitz 18.05.2018
3. Jetzt....
Jetzt gleich kommen wieder die VAG Konzern Versteher um die Ecke und erzählen dem Forum erneut das Märchen vom ach so sauberen Diesel, oder der Tatsache, dass Porsche die Diesel ja nur von Audi bekommt und das die Abgas-Softwaremanipulation nur durch Zufall oder Fehlplanung in die entsprechenden Motoren gekommen ist..... Natürlich können die Vorstände wiederum nicht gewusst haben, dass Manipulation auch bei aktuellen Modellen des VAG Konzerns stattfinden..... Tja, so ist das halt, wenn die gewählte Bundesregierung der Automobilindustrie den Ar*** küsst und grundsätzlich vollständige Absolution verspricht..... dann kann man auch weiter lügen dass sich die Balken biegen.... Vielleicht sollte die Regierung Merkel neben den Automobilmanagern mal vor dem Kadi darlegen, warum Lügen und Betrügen aus politischer Notwendigkeit salonfähig geworden ist....
golden-huakl 18.05.2018
4. Ich kanns nicht mehr hören...
Wie mit Eifer auf die deutsche Autoindustrie eingedroschen wird. Waren die Redakteure dieser Zeitung in den letzten Jahren zB mal in Peking? N Dehli? Es macht unterm Strich keinen Unterschied wie viel heutige Euro 6 Diesel ausstossen, jedenfalls dann wenn man über den Tellerrand blickt. Das einzige was diese Drescherei bewirkt ist dass die deutschen Autokonzerne Verluste einfahren und als Kompensationsmassnahme Kosten senken müssen. Jeder Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft weiss was das bedeutet. Aber immer feste drauf, lieber Spiegel, bist die böse Wirtschaft ganz am Boden liegt. Geld wächst ja zum Glück an den Bäumen.
mirroroffline 18.05.2018
5. Alle werden weiter kaufen
Ein Porsche ist ein Porsche ist ein Porsche auch wenn er ganz ohne Motor ausgeliefert wird. Es geht doch nicht um das Auto, es geht um den Status. Alle werden weiter kaufen, glänzt ja so hübsch.
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