Porsche Mission E Saurier unter Strom

Übermotorisierte Sportwagen und übergewichtige SUVs - kaum eine Marke steht derart am Klimapranger wie Porsche. Der Mission E soll das ändern.

Porsche

Der Weg in die Zukunft führt durch den Stau. Zumindest in Zuffenhausen. Überall in dem ohnehin schon heftig verbauten Stadtteil von Stuttgart behindern Kräne und Bagger den Verkehr, es liegt ein Dröhnen in der Luft und über dem dichten Verkehr wabern die Abgase. Der Stammsitz von Porsche ist eine einzige Baustelle, und zwar im doppelten Sinne.

Zum einen entstehen neue Fabrikhallen. Zum anderen steht die ganze Firma vor einem gravierenden Umbau, diese Botschaft möchte der Sportwagenhersteller in die Welt senden. Mission E - unter diesem Etikett will sich Porsche zur Speerspitze deutscher Elektromobilität aufschwingen. Ausgerechnet das Mutterhaus der Vollgasfraktion und der selbst erklärte Gralshüter des Sportwagenbaus pumpt Milliarden von Euro und Tonnen von Beton in ein Projekt, das Porsche zum aussichtsreichen Tesla-Konkurrenzen machen soll.

Dort, wo jetzt noch tiefe Gruben gähnen und langsam die Stahlgerüste in den Himmel wachsen, sollen im nächsten Jahr 1400 neue Mitarbeiter die Produktion einer elektrischen Sportlimousine aufnehmen. Die will mit Porsche-typischen Eckdaten Jagd auf das Tesla Model S machen: 500 Kilometer Reichweite und 15 Minuten Ladezeit für 80 Prozent des 800 Volt-Akkus, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, und ein Sprintwert von 3,5 Sekunden für die zusammen mehr als 600 PS starken Motoren an den beiden Achsen.

Ein Mix aus SUV, Sportwagen und Kombi

Auf dem Autosalon in Genf zieht Porsche das Tuch von einer Studie, die einen ziemlich konkreten Ausblick darauf ermöglicht, was für Fahrzeuge man aus den neuen heiligen Hallen in Zuffenhausen erwarten darf. Sie trägt den Namen Cross Turismo und ist eine 4,95 Meter lange Mischung aus SUV, Sportwagen und Kombi.

"Was wir bei der Studie vor zwei Jahren angekündigt haben, das wollen wir auch einhalten oder, besser noch, überbieten", sagt Projektleiter Stefan Weckbach. 2015 zeigte Porsche auf der IAA bereits schon mal eine Elektrosportwagenstudie. Die allerdings war noch sehr weit entfernt von einer möglichen Serienfertigung. Das ist diesmal anders.

Der Mission E Cross Turismo entspreche innen wie außen schon zu mehr als 80 Prozent dem finalen Stand, sagt Designchef Michael Mauer mit Blick auf Details wie die vier Scheinwerferpunkte, die in zwei Spoilern im Bug aufgehen, auf das im Takt der Ladespannung funkelnde Leuchtband im Heck oder das erste voll digitale Porsche-Cockpit ohne Drehzahlmesser, die wohl so auch in die Serienfertigung gehen werden.

Automatische Drohne im Kofferraum

Andere Dinge identifiziert er offen als Spielerei mit wenig Aussichten auf eine Realisierung, zum Beispiel etlichen Zierrat, die aufwendig gestalteten Felgen, etliche abgefahrene Bedienelemente, bei denen sich die Designabteilung mal austoben durfte. Die Porsche-Drohne im Kofferraum, die dem Wagen automatisch folgt und so ein ganz persönliches Roadmovie dreht, natürlich auch.

Trotzdem soll die Studie zeigen, in welche Richtung sich die Mission E-Familie weiter entwickeln könnte. Wenn man den Interviews mit Porsche-Chef Oliver Blume Glauben schenken darf, sind die geplanten 20.000 pro Jahr produzierten Elektroautos allenfalls ein erster Schritt. Blume hat bereits eine ganze elektrische Modellfamilie angekündigt und die Mittel für den sogenannten Zukunftspakt, in den Management und Belegschaft auch mit einem gewissen persönlichen Risiko einzahlen, gerade erst verdoppelt: Sechs statt drei Milliarden Euro wollen die Schwaben bis 2022 in ihre elektrische Flotte investieren - jeweils die Hälfte davon in Entwicklung und Anlagen.

Hybridtechnik auch für den 911

Um die Produktion des Mission E in Zuffenhausen zu halten, mussten die Kosten um 200 Millionen Euro gedrückt werden, berichtet das manager magazin und schreibt vom einem teilweisen Verzicht auf Lohnerhöhungen bis zum Jahr 2025. Oder zumindest einen Aufschub. Denn wenn der Mission E zum Erfolg wird, bekommen die Tarifbeschäftigten diesen "Zukunftsbeitrag" zurück. Und niemand mag sich so recht vorstellen, dass ausgerechnet das Porsche-Management sein Prestigeprojekt zum Flop erklärt, um sich vor dieser Zahlung zu drücken.

Zwar zählen zur Elektrifizierung der Vollgasmarke auch die Plug-In-Hybride, die nach und nach in jeder Baureihe Einzug halten und zur Mitte der nächsten Generation womöglich sogar den 911 ereilen werden. Doch die Schlüsselrolle spielt der Mission E. "Das wird für uns der Beginn einer neuen Zeitrechnung", sagt Designchef Michael Mauer.

Jaguar bei E-Mobilität vor Porsche

Ein relativ später Beginn, muss man allerdings dazu sagen. Denn selbst Jaguar ist mit Autos wie dem rein elektrischen i-Pace in Sachen Schubumkehr in Richtung Elektromobilität an Porsche vorbeigezogen. Trotzdem trauen Marktbeobachter den Schwaben den Kurswechsel zu: "Porsche hat schon mehr als eine Transformation erfolgreich gestemmt", sagt Berylls-Strategieberater Jan Burgard. Erst hätten sie sehr erfolgreich ein SUV entwickelt und sich damit völlig neue Kundenkreise erschlossen. Und dann hätten sie ihrem SUV auch noch Dieselmotoren verpasst und erfolgreich vermarktet.

"Ein Unternehmen, das so wandlungsfähig ist, kann auch bei der E-Mobilität ganz vorne dabei sein", ist Burgard überzeugt. "Schließlich passen Elektromotor und Sportlichkeit gut zusammen." Wie gut das gelingt, habe Porsche bereits mit dem 918 vor vier Jahren bewiesen und den Hybrid aus der Ökoecke geholt. Und die Siege in Le Mans haben da sicher auch nicht geschadet. Burgard ist deshalb guter Dinge, "dass Porsche die Kunden auch mit einem reinen E-Modell begeistern kann."

Leistung statt Verzicht

Nachhaltigkeit, die eigentliche Kernidee von Elektromobilen, dürfte dabei allerdings nur eine Nebenrolle spielen. Nur, weil er künftig elektrisch angetrieben wird und deshalb lokal emissionsfrei ist, wird ein Porsche nicht automatisch vernünftig. "Egal ob Benziner oder E-Motor, ob Sportwagen, SUV oder wie beim Mission E eine Coupélimousine - wir wollen immer das fahrdynamischste, agilste und sportlichste Auto im Segment anbieten", beschwört Weckbach den Wertekanon der alten Autowelt.

Damit liegt Porsche im Übrigen ganz auf einer Linie mit dem Unternehmen, das man mit der "Mission E" angreifen will: dem vermeintlichen Erneuerer Tesla: Auch die Amerikaner predigen schließlich weder Verzicht noch Zurückhaltung bei den Fahrleistungen. Und die Kunden, die in dieser Preisklasse kaufen, ticken entsprechend.

Für den Konkurrenten aus den USA hat Projektleiter Stefan Weckbach übrigens noch eine Botschaft. "Unser Autos werden die versprochen Leistungen nicht nur einmal und kurz abrufen können, sondern immer und immer wieder bringen", keilt er unverhohlen gegen Tesla, deren Autos nicht gerade als Vollgasfest gelten und unter Last schnell abbauen.

Anmerkung der Redaktion: "Wir haben die Angabe zur Höchstgeschwindigkeit des Porsche Mission E im Text korrigiert."



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Seite 1
chrismuc2011 06.03.2018
1.
Sieht gut aus. Allerdings fände ich vorne zwei Doppelrundscheinwerfer schöner. Geschmackssache. Dem Wesen von Porsche hätte aber ein funktionierender Wasserstoffantrieb mit Brennstoffzelle viel besser entsprochen.
rab17 06.03.2018
2. Das könnte das erste E-Auto werden,
Dass man wirklich haben will!
Bob Hund 06.03.2018
3.
Sieht aus, als hätte man den Vorderteil/Motorhaubenbereich von einem Auto schlecht an die Kabine von einem anderen Auto dran geklebt.
herm16 06.03.2018
4. fuer mich
ein gehaessiger Bericht, mit dem Ziel die Deutsche Wirtschaft zu schwächen. Ja lasst Porsche doch bauen, Wo ist das Problem?
DerHerrMustermann 06.03.2018
5. Na dann...
...muss nun nur noch die gute Fee in Stuttgart einschweben, die den Porsche-Leutchen eine superleichte Batterie schenkt, die sich nicht stark erhitzt, eine große Energiedichte besitzt und schnell geladen werden kann. Bekanntlich kann man diese Batterien ja in jedem Baumarkt kaufen. Die Autohersteller weltweit verbauen diese Batterien nur deswegen nicht, weil sie allesamt böse, raffgierig und faul sind. Mal im Ernst: Wenn ich mir allein die "gewünschten" Leistungsdaten des neuen Wunder-Porsche durchlese, dann frage ich mich, wie viele Tonnen der Wagen denn wiegen soll, wenn man ihn mit verfügbarer Batterietechnik bebaut, um 500 km Reichweite zu schaffen. Ich tippe auf ca. 4 bis 5 Tonnen. Die Mission E klingt für mich nach einer reinen Image-Politurmaßnahme. Wenn es so einfach wäre, ein leistungsfähiges E-Auto mit großer Reichweite zu bauen, dann hätten alle anderen Autohersteller das längst getan. Bei BMW beispielsweise forscht man daran schon über zehn Jahre. Und ausgerechnet Porsche, die bisher null Aufwand in dieses Thema investiert haben, sollten plötzlich innerhalb von einem Jahr so ein Wundermobil vom Band rollen lassen? Das kommt mir schon sehr unrealistisch vor. Man darf sehr gespannt sein. Auch die so oft gehypten Tesla-Autos schaffen nur die recht hohen Reichweiten, weil man dort vom Typus her Laptop-Akkus verbaut, die sich stark erhitzen und daher brandgefährlich sind. Den deutschen Autobauern ist das offenbar zu riskant, da hier ja ganz offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn ein Tesla während der Fahrt Feuer fängt, ist das ein kleiner technischer Defekt, wenn ein Mercedes oder Porsche das tut, ist das ein Skandal und die Schuld der deutschen Automafia. Das übliche Spiel halt, wie beim Dieselthema auch. Da wird ja auch so getan, als ob ausschließlich die Deutschen böse Dieselautos bauen würden.
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