Der erste Eindruck: Normalerweise wünscht man sich für die erste Ausfahrt mit einem Sportwagen gutes Wetter und trockene Straßen. In diesem Fall jedoch wäre Regen durchaus willkommen. Denn erst dann merkt man - dass man nichts merkt. Der Allrad-Elfer hält die Spur und bringt das Drehmoment sauber auf die schmutzige Straße.
Das sagt der Hersteller: Porsche feiert den Allradantrieb als Erfolgsgeschichte und betont in diesem Fall beide Worthälften gleichermaßen. Die Technik ist ein Erfolg, weil sie beim Vorgängermodell auf einen Verkaufsanteil von über 30 Prozent kam. Und Geschichte hat sie, weil schon der von Ferdinand Porsche im Jahr 1900 konstruierte Lohner-Rennwagen mit vier angetriebenen Rädern unterwegs war. Im Modell 911 allerdings wird der Allradantrieb erst seit 1989 angeboten.
Die jüngste Generation dieser Variante hat Porsche weiter verfeinert. Das Allradsystem wurde leichter, die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung zur Vorderachse reagiert abermals feinfühliger und schneller (in maximal 100 Millisekunden) und ist - laut schwäbischer Eigenwerbung - das sportlichste System auf dem Markt. Fahrspaß hoch vier, lautet das Motto in Zuffenhausen.
Das ist uns aufgefallen: Dass man den ohnehin schon narrensicheren Porsche jetzt noch entspannter über die Landstraße treibt. Reichlich Traktion beim Beschleunigen, keine Beeinträchtigung beim Lenken - fast wie im Computerspiel. Allerdings ist schon der normale Porsche 911 so gutmütig, dass man den Unterschied zum Allradler im Alltag kaum herausfahren wird - und wenn, dann nur an wenigen Tagen im Jahr.
So hat der Allradantrieb, den Porsche optisch durch breitere Radhäuser und einen durchgehenden, roten Leuchtstreifen am Heck erkennbar macht, dieselbe Funktion wie eine Versicherung, die man nie braucht. Der Kunde hat einfach ein gutes Gefühl und der Anbieter mehr Geld in der Kasse. Immerhin kassiert Porsche für den Traktionsvorteil fast 10.000 Euro.
Das muss man wissen: Der Verkauf des Allradlers beginnt zum Jahreswechsel, das Auto kostet dann mindestens 97.557 Euro. Es gibt ihn als Coupé und als Cabrio sowie als normalen Carrera mit 3,4 Liter Hubraum und 350 PS und als Carrera 4S, den ein 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit 400 PS mobilisiert. Beide Varianten sind mit Schalt oder Doppelkupplungsgetriebe verfügbar. Die Kerndaten: Der Sprint von 0 auf 100 ist zwischen 4,1 und 4,9 Sekunden möglich, die Höchstgeschwindigkeiten variieren zwischen 282 und 299 km/h.
Zwar hat Porsche den Wagen gegenüber dem Vorgängermodell um bis zu 65 Kilo abgespeckt und den Verbrauch um bis zu 16 Prozent gedrückt (aktuelle Durchschnittswerte 8,6 bis 10 Liter je 100 Kilometer), doch natürlich kostet der Allradantrieb Sprit: Mit rund 0,3 Liter Mehrverbrauch sollten Allrad-Piloten auf jeden Fall rechnen.
Das werden wir nicht vergessen: Das stille Vergnügen beim Blick auf die neue Allradanzeige des Bordcomputers. Auf der lässt sich nun erstmals live und in Farbe erkennen, wie momentan die Kraft verteilt wird. Das ist durchaus interessant und lehrreich, denn die Technik arbeitet derart unauffällig, das man sie eigentlich gar nicht bemerkt.
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