Porsche-Team im Langstrecken.-Einsatz Jagdszenen bei Tempo 340

Perfektes Timing ist gefragt, wenn man einen Rennwagen beim Langstrecken-Rennen ablichten will. Frank Kayser tat es - viele tausend Mal. Jetzt ist daraus ein Buch entstanden.

Frank Kayser

Von Matthias Kriegel


50.000 Kilometer ist Frank Kayser gereist. Insgesamt 820 Stunden stand er mit seiner Kamera parat, stets bereit für das nächste Foto. Mehr als 1,1 Millionen Mal drückte er dabei auf den Auslöser. Ein Mammut-Projekt, dessen Essenz nun in einem Buch mit 223 Fotos, die es in die Endauswahl geschafft haben, vorliegt. "Porsche Werkseinsatz - Die großen 24-Stunden-Rennen", heißt der Band, der die zurückliegenden vier Jahre des Porsche-Werksteams und der Renneinsätze des Porsche 919 Hybrid protokolliert; eine Art Chronik der Langstreckenrennen in Le Mans, am Nürburgring und in Daytona von 2014 bis 2017.

In diesen vier Jahren begleitete der Fotograf Frank Kayser das Porsche-Team und versuchte das einzufangen, was den Langstrecken-Rennsport ausmacht: die Fahrer, die Konstrukteure, die Fans, das Auto, die Strecken, die Emotionen, den Druck, das Glück, das Wetter. Kayser hat all das fotografiert. Den angespannten Blick des Porsche-Mechanikers, die Jubelfaust im Publikum, zu Streifen verwischte Rücklichter in der Morgendämmerung - auf 271 Seiten bekommen die Leser des quadratischen, großformatigen Buchs einen seltenen und eindrucksvollen Einblick hinter die Kulissen der legendären Langstreckenrennen. Die Herzen von Motorsportfans jedenfalls dürften auch Hochtouren kommen. Die Bilder sprechen eine klare Sprache. Kein Klick zu früh oder zu spät. Dazu kommen, unterteilt in zwölf Kapitel, Texte der Motorsportexpertin Heike Hientzsch.

Der letzte Le-Mans-Erfolg, ehe das Vollgas-Abenteuer mit dem Porsche 919 Hybrid begann, datiert von 1998. Damals raste ein 911 GT1 mit Sechszylinder-Boxermotor und 550 PS zum Sieg. Doch das war im vergangenen Jahrhundert, in den goldenen Zeiten, als Porsche zwischen 1970 und 1998 insgesamt 16 Gesamtsiege in Le Mans einfuhr. Als dann 2011 die Entscheidung fiel, in die erste Liga des Langstreckensports zurückzukehren, war die Aufregung groß.

Zumal alles ein bisschen anders war als zuvor, denn für Prototypen, die in Le Mans in der Klasse 1 (LMP1) starten, war inzwischen ein Hybridantrieb verpflichtend geworden. Aus dem Renn- wurde ein Forschungsprojekt, sogar neue Werkshallen waren nötig, ein neues Team wurde aufgebaut. 260 Experten tüftelten fortan an einem Hybrid-Rennwagen mit 2-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und rund 1000 PS Systemleistung. Im Eiltempo wurde das Projekt initiiert, im Eiltempo wurde der Renner gebaut, und dann, nachdem er 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, raste er im Eiltempo von Sieg zu Sieg. 2015, 2016 und 2017 wird schließlich die Porsche-Erfolgsstory in Le Mans fortgeschrieben. Drei Le-Mans-Gesamtsiege in Folge. Und Frank Kayser mit seiner Kamera mittendrin.

1950 Kilometer auf dem Weg zur besten Perspektive

Und das nicht nur in Le Mans, sondern auch in Daytona und am Nürburgring. Mal in der Boxengasse, dann wieder am Streckenrand. Mal mitten unter den jubelnden Zuschauern, dann im Fahrerlager. Mal ein gewaltiges Panorama, dann wieder ein fast unscheinbares Detail. "Vor Ort waren wir etwa 1950 Kilometer mit dem Roller oder zu Fuß unterwegs", berichtet Kayser im Nachwort. Das entspricht in etwa der Strecke von Kiel bis nach Neapel.

Für den ehemaligen Werbefotografen war die Motorsport-Fotografie anfangs noch Neuland. Während er sich früher noch in aller Ruhe Zeit für ein Motiv nehmen konnte, entschieden jetzt Wimperschläge über ein gelungenes Foto. "Rennsportfotos sind wie Jagdszenen", sagt Kayser. "Vieles geschieht blitzschnell und du bist wie der Jäger auf der Pirsch, dein Geist hat stets wachsam zu sein, während dein Auge ständig die Umgebung nach interessanten Motiven scannt." Vier Jahre lang hat er das so gemacht, sich ein hellwaches Auge antrainiert, war an Rennwochenenden bis zu 32 Stunden im Dauereinsatz und bekam bisweilen nur drei Stunden Schlaf. Langstreckenrennen sind Schwerstarbeit - für alle direkt Beteiligten.

Dieser Sport ist eine Art Parallelwelt. Und das wird in diesem Bild- und Textband eindrucksvoll klar. In gewisser Weise liefert das Buch auch einen Vorgeschmack, denn am 16. Juni geht es in Le Mans wieder auf die Kilometerjagd. Porsche ist zwar nicht mehr mit einem Werksteam dabei, aber die Erinnerungen an die letzten ereignisreichen Jahre sind noch frisch. Frank Kayser sagt es so: "Wenn du einmal dabei warst, bist du infiziert."

Frank Kayser: Porsche Werkseinsatz. Die großen 24-Stunden-Rennen. Nürburgring. Le Mans. Daytona. Delius Klasing Verlag. 2017. 49,90 Euro.



insgesamt 4 Beiträge
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noalk 10.06.2018
1. Perfektes Timing?
223 von mehr als 1100000 Fotos? Nur 0,2 Promille der Fotos haben es in das Fotobuch geschafft. Dasklingt nicht gerade nach Timing, sondern eher nach Zufallstreffern.
milliway42 10.06.2018
2. Porsche ist noch dabei...
Porsche tritt nach wie vor an, nur nicht mehr in der LMP1-Klasse sondern (wie die Jahre zuvor auch) in der GT-Pro.
fehleinschätzung 10.06.2018
3. tolle Kamera
"Mehr als 1,1 Millionen Mal drückte er dabei auf den Auslöser." Das entspricht wie vielen Kameras? Meine kleine Kompakte hat bei 230.000 den Geist aufgegeben und war natürlich keine SLR mit aufwändigem Mechanismus. Die Kamera ist der Star des Bildbandes. ;-)
h.nurtinger 10.06.2018
4. Richtig oder besser gesagt ...
Zitat von noalk223 von mehr als 1100000 Fotos? Nur 0,2 Promille der Fotos haben es in das Fotobuch geschafft. Dasklingt nicht gerade nach Timing, sondern eher nach Zufallstreffern.
... das sind keine Zufallstreffer, sondern dank gewaltiger Bildermengen in kurzer Zeit ist einfach irgendwas dabei. Zu KB-Filmzeiten waren es eher Zufallstreffer. Den Rest macht dann Photoshop. Laaaaangweilig.
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