Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Preisrekord: Wieso der Diesel-Boom zu Ende ist

Von

Es ist das Ende einer Erfolgsgeschichte: Diesel kostet jetzt deutschlandweit genauso viel wie Benzin - Diesel-Autos verlieren ihren Kostenvorteil. Und auch die technischen Vorteile schwinden. Ottomotoren sind fast genauso robust.

Mit der neuen Preisrunde ist es passiert. Seit diesem Mittwoch kosten in Deutschland Diesel, Normal- und Superbenzin gleich viel - nämlich rund 1,52 Euro je Liter.

Gleichauf - oder sogar teurer: An einigen Tankstellen kostete Diesel schon mehr als Normal- und Super-Benzin
DPA

Gleichauf - oder sogar teurer: An einigen Tankstellen kostete Diesel schon mehr als Normal- und Super-Benzin

Der plötzliche Preisanstieg überrascht selbst Experten: "Differenzschwankungen zwischen den beiden Kraftstoffsorten sind durchaus normal", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel, "aber die Preissteigerung, die wir jetzt erleben, ist eigentlich nicht zu erklären."

Im Mai 2007 betrug die Differenz zwischen dem traditionell billigeren Diesel und dem teureren Benzin noch rund 23 Cent. Dabei müsste Diesel eigentlich deutlich billiger sein, weil der Steuersatz geringer ist. Im Literpreis für Dieselkraftstoff stecken 0,47 Euro Energiesteuer, bei Normal- und Superbenzin dagegen 0,65 Euro.

Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband führt den ungewöhnlich hohen Diesel-Preis auf die hohen Kosten am europäischen Ölmarkt in Rotterdam zurück. Schon im Dezember hatte er in einigen Regionen Deutschlands den Benzinpreis überflügelt - doch war der Grund damals ein kurzfristiger Preiskampf beim Benzin. "Jetzt haben wir den Eindruck, dass sich diese Tendenz verfestigt", sagt Meyer-Bukow.

Als Grund führt sie unter anderem die Olympischen Spiele in China an. "Die Chinesen haben in diesem Jahr einen besonders hohen Mobilitätsbedarf. Sie müssen viele Personen und Material transportieren, deshalb importieren sie außergewöhnlich viel Diesel und treiben den Preis in die Höhe." Experten sehen auch die steigende Zahl von Diesel-Aggregaten zur Stromerzeugung in Afrika, Südamerika und Asien als Problem.

Außerdem sind weltweit immer mehr Fahrzeuge mit dem Kraftstoff unterwegs. "Die ganze Welt fährt Diesel, die Nachfrage steigt stärker als beim Benzin. Deshalb wird der Preis für Diesel auch in Deutschland dauerhaft über dem für Benzin liegen", sagte der Ölexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, der "WAZ".

Dieselmotoren verlieren Vorsprung

Damit sinkt der Anreiz drastisch, sich einen Diesel statt eines Benziners zuzulegen - die Autobranche muss umdenken. "Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Diesel-Boom seinen Höhepunkt erreicht hat und in den kommenden Jahren der Benziner wieder Marktanteile gewinnt", sagt Professor und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Für deutsche Autofahrer rechnet sich der Kauf eines Dieselautos immer weniger. Noch im Mai 2007 hätte sich der Kauf einer Diesel-Version der aktuellen C-Klasse von Mercedes bei einer jährlichen Kilometerlaufleistung von 20.000 Kilometer gegenüber dem Benziner ausgezahlt. Heute fährt der Diesel erst nach acht Jahren ins Plus. Verglichen wurden die Modelle 320 CDI und C 280, die ähnliche Leistungswerte erbringen. Berücksichtigt wurden neben den Kraftstoffkosten auch der Kaufpreis und die Kfz-Steuer.

Dieselmotoren schneiden nicht nur finanziell immer schlechter ab. Vor wenigen Jahren galt der Diesel-Motor als das robustere Aggregat, jetzt büßt er auch in Bezug auf die Haltbarkeit ein. Man konnte mit ihm durchaus mehr als 200.000 Kilometer zurücklegen, bevor er ausgemustert werden musste, beim Benziner war meist vorher Schluss. Doch moderne Autos mit Ottomotor erreichen mittlerweile ebenfalls solche Laufleistungen.

Bei Diesel-Autos nimmt die Robustheit hingegen inzwischen sogar eher ab, sagt Autoexperte Dudenhöffer. Durch zahlreiche neue Technologien wie Common-Rail-Systeme mit sehr hohem Einspritzdruck ist das Drehzahl-Niveau binnen kurzer Zeit stark gestiegen. Dadurch verringern sich die Testphasen für die neuen Dieselmotoren, und das könnte die Haltbarkeit beeinträchtigen.

Ottomotoren werden immer effizienter

Als weiteren Grund für eine Annäherung der beiden Antriebstypen nennt Dudenhöffer die Weiterentwicklung der Ottomotoren. Durch das so genannte Downsizing arbeiten diese schon jetzt deutlich effizienter als früher. Beim Downsizing wird der Hubraum des Motors verringert und der Leistungsverlust durch den Einsatz eines Turboladers ausgeglichen. Künftige Entwicklungen wie der selbstzündende Benzinmotor "Diesotto" von Mercedes werden den Wirkungsgrad noch weiter steigern. Und das ist auch für die Umwelt gut, denn bei der Verbrennung von Benzin entsteht weniger CO2 als bei der Diesel-Verfeuerung.

Wer sich also demnächst ein neues Auto kaufen will, sollte vorher gut abwägen. Eine Entscheidungshilfe kann der Diesel-Benzin-Rechner auf Yahoo.de sein. Dort gibt man Daten wie Verbrauch, Kraftstoffpreise, jährliche Kilometerlaufleistung und Kfz-Steuern ein. Das Tool ermittelt dann, nach wie vielen Gebrauchsjahren sich der Kauf eines Diesels rentiert.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 160 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das goldene Kalb hat sich totgelaufen
t.rubbert, 21.05.2008
Damit wird auch hoffentlich bald die steuerliche Förderung dieser volksgesundheitlich unheilvollen Technik endlich zu Grabe getragen.
2. nun,
silenced 21.05.2008
da faellt einem doch nur eins ein: abzocke und da die leute auf benzin und diesen angewiesen sind, ist es eigentlich rel. egal wie preisintensiv sie das machen, es WIRD ZWANGSWEISE gekauft werden an alle die es noch nicht gemerkt haben -> willkommen im kapitalismus =)
3. Good bye Diesel!
MarkusKrawehl, 21.05.2008
Tja, dann bleibt wohl als verkaufsförderndes Argument also nur noch die Legende vom "sportlichen" Drehmoment durch das subjektiv stärkere Beschleunigungserlebnis in Dieselfahrzeugen übrig. Wer Restwertleasing auf Dieselfahrzeuge laufen hat, sollte sich auch schonmal nach nem günstigen Überbrückungskredit umsehen, falls das Girokonto für die zu zahlende Marktpreidifferenz nicht mehr ausreicht.
4. Quatsch!
suum.cuique 21.05.2008
Solange mein E220CDI mit knappen 6L / 100km verbraucht, bin ich immer noch zufrieden. Das muss ein Benziner erst einmal schaffen....
5. wenn man in europa und anderswo
bimbim 21.05.2008
politiker hätte die wenigstens etwas weitsichtig denken könnten hätte man schon längst ein umstellungsprogramm auf gas angeleiert und dies konsequent durchgezogen. dies wäre ohne probleme schon vor 20 jahren möglich gewesen und man hätte all diese probleme mit den öl heute nicht. zu was sind die politisch verantwortlichen nutz ? das sie diäten erhöhen und ihre ganze energie verschwenden um sich gegenseitig für nichts zu bekämpfen wie z.B. jetztbeck/schwan gegen köhler jetzt? zu was glauben diese typen eigentlich zu welchen zweck die gewählt wurden ? die haben diese ämter bekommen um dem LAND zu dienen und nicht um ihre niedrigen egoismen zu fröhnen. also leute ich sags euch wie man dies in thailand macht, da sind z.B. schon fast alle taxi auf gas umgestellt, ein guter teil der LKW's auch und im moment gibts eine kampagne dies stark für alle autos zu forcieren. warum seid ihr leute in der EU nicht in der lage etwas durzuziehenm das sogar entwicklungsländer wie thailand locker schaffen ? also hört auf mit dem geschwätz und macht was, z.B. eine dicke steuererleichterung für den einbau von gasumstellung und in 2 jahren hat man das problem weg. der angelpunkt ist nicht dann schon wieder das gas exzessive zu besteuern also fangt an, ihr habt es in der hand das problem mehr oder weniger sofort zu lösen !!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Aktuelles zu