Produktion im Ausland Immer mehr deutsche Autos sind Mischlinge

Solide Verarbeitung, innovative Technologie - Autos deutscher Hersteller haben weltweit einen guten Ruf. Doch laut einer neuen Studie ist es mit "Made in Germany" auf den Straßen nicht weit her: Viele deutsche Modelle werden inzwischen zu großen Teilen im Ausland gebaut.


Hamburg - Autos deutscher Pkw-Hersteller haben oft nur noch einen geringen Fertigungsanteil im Inland. Das hat eine Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) der Fachhochschule Gelsenkirchen im Auftrag der "Bild"-Zeitung ergeben. Demnach ist der deutsche Wertanteil an der Autoproduktion in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Dem Blatt zufolge liegt der geschätzte "Deutschland-Anteil" an der Fertigung von Audi-Modellen zwischen 30 Prozent beim in Ungarn montierten Modell TT und 55 Prozent bei den in Deutschland gebauten Typen A 4 und A 6. Auch der A4 und der A6 haben allerdings einen Motor aus Ungarn. Bei BMW erreicht der geschätzte deutsche Anteil bei den Modellreihen 1 bis 5 aufgrund der zum Teil aus Österreich und Großbritannien stammenden Motoren 55 Prozent. Beim in Österreich montierten X3 liegt die Quote bei 30 Prozent, beim X5 aus den USA bei 25 Prozent.

Ford erreicht beim Fiesta und beim Focus aufgrund englischer Motoren und gemischter Montage in Deutschland und Spanien Werte von 45 Prozent beziehungsweise 40 Prozent. Bei Opel sind die Prozentzahlen geringer: Da die Opel-Motoren zum Teil aus Österreich, Ungarn und Polen stammen und die Modelle zum Teil in Spanien, Belgien, England und Polen montiert werden, haben Corsa und Astra einen deutschen Wert-Anteil 35 Prozent beziehungsweise 30 Prozent.

Weil rund zwei Drittel aller Fahrzeuge aus Zulieferteilen gebaut werden, die nur zu 35 bis 45 Prozent aus Deutschland kommen, wird selbst die hierzulande mit deutschem Motor gebaute E-Klasse von Mercedes in der Studie nur auf einen Deutschland-Anteil von 65 Prozent taxiert. Die in den USA produzierte M-Klasse kommt lediglich auf 35 Prozent "Deutschland-Anteil".

Das Porsche-Modell Boxter wird aufgrund der überwiegenden Fertigung in Finnland auf 45 Prozent geschätzt, während der Klassiker 911 bei 65 Prozent liegt und der Cayenne aufgrund Teilmontage in der Slowakei auf 35 Prozent kommt.

Selbst die Marke Volkswagen kommt beim Massenmodell Passat wegen der zum Teil in Ungarn produzierten Motoren nur auf durchschnittliche Fertigungskosten in Deutschland von 60 Prozent. Beim Golf sind es 50 Prozent, weil Teile aus Belgien und der Slowakei stammen und die Motoren zum Teil aus Ungarn und Polen zugeliefert werden. Der in der Slowakei und in Spanien montierte Polo, dessen Motoren teils in der Tschechischen Republik gebaut werden, erreicht laut der Studie lediglich 35 Prozent Fertigungsanteil in Deutschland.

har/ddp/AFP



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