Es war eine seltsame Ehe, die da in den sechziger Jahren geschlossen wurde: Auf der einen Seite der russische Staat, der seinen Bürgern Mobilität ermöglichen wollte. Auf der anderen Seite der italienische Fiat-Konzern mit seinem roten Boss, dem bekennenden Kommunisten Giovanni Agnelli.
Der Deal: Die Italiener bauten den Russen eine Autostadt an die Wolga, von deren Fließbändern pro Jahr rund 700.000 Kopien des Fiat 124 laufen konnten. Fiat bekam im Gegenzug für Togliatti, so wurde die Retortenstadt genannt, Millionen Tonnen Stahl geliefert.
Das Problem: Der Stahl war von so miserabler Qualität, dass die daraus gebauten Fiats der sechziger und siebziger Jahre binnen kürzester Zeit zu Rost zerbröselten - genau wie das Image der gesamten Marke Fiat.
Das Ende für den Klassiker
Für die Russen jedoch war es eine Erfolgsstory. Jahrzehntelang baute die Awtowas oder Lada genannte Firma das Auto, das bis zuletzt in wesentlichem auf dem Fiat-Design aus den sechziger Jahren basierte. Millionenfach lief die eckige Kiste im klassischen Wenn-Kinder-Autos-malen-Design vom Band. Erst jetzt, mehr als 40 Jahre nach der Markteinführung, wurde die Produktion gestoppt.
Eigentlich hätten die Bänder für den kantigen Klassiker schon 2009 auslaufen sollen. Doch 2010 erlebte der Wagen noch mal einen zweiten Frühling, avancierte mit 136.000 verkauften Einheiten zum meistverkauften Auto Russlands.
Nun ist endgültig Schluss für den Neuwagen mit Oldtimer-Flair: Die Nachfrage sei stark zurückgegangen und liege im Vergleich 76 Prozent unter der des Vorjahresquartals, begründete ein Unternehmenssprecher den Produktionsstopp.
Als Nachfolger für den 2107 gilt der Lada Granta, der rund 5500 Euro kostet, bislang aber nicht nach Deutschland verkauft wird. Lada gehört inzwischen zu 25 Prozent zum Renault-Konzern.
mhe/afp
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