Prototyp "Ciento Once": Remake eines Auto-Superstars

Von Jürgen Pander

Die Fachwelt geriet in Ekstase, als Mercedes vor 42 Jahren das Experimentalfahrzeug C 111 enthüllte. Ein Dutzend der orangefarbenen Flügeltürer wurden gebaut, dann war Schluss. Jetzt erlebt das Auto eine Wiedergeburt.

Ciento Once: Rückkehr einer Legende Fotos
GWA International

"Ciento Once" heißt das Auto, das ist spanisch und bedeutet "einhundertelf". Die Traditionslinie ist damit geklärt. Arturo Alonso, Chef des Mercedes-Tuners GWA aus San Antonio im US-Staat Texas, will einen Prototypen bauen, der bis in die Details an den legendären Mercedes C 111 erinnert.

Zumindest gilt das für die Silhouette, denn die gedrungen-keilförmige Karosserie, die Flügeltüren und das gestreckte Heck, in dem der Motor steckt, sind nahezu eins zu eins vom Original übernommen. Lediglich der Radstand wurde etwas verkürzt und die Klappscheinwerfer fehlen ebenso wie die charakteristischen Nebellampen im Kühlergrill. Weitere Unterschiede: Der Ciento Once soll über einen ausfahrbaren Spoiler am Heck verfügen und - natürlich - über modernste Technik.

In den siebziger Jahren war der Mercedes C 111 nicht nur ein optischer Hammer, sondern auch ein technischer Exot. In der ersten Version rotierte ein 258 PS starker Dreischeiben-Wankelmotor, später dann wurde das Aggregat durch eine 350 PS starke Vierscheiben-Kreiskolbenmaschine ersetzt. Als Höchstgeschwindigkeit waren bis zu 300 km/h möglich. Ähnlich spektakulär war auch der Spritdurst des Supersportwagens, eine Tatsache, die dem Projekt angesichts der Ölkrise im Herbst 1973 den Garaus machte.

Mercedes pflanzte in der Folge einem der insgesamt zwölf gefertigten C 111-Modelle einen Fünfzylinder-Turbodieselmotor mit 190 PS unter die Haube, und so ausstaffiert stellte der Renner auf dem italienischen Hochgeschwindigkeitskurs in Nardo im Jahr 1976 zahlreiche Rekorde für Diesel-Fahrzeuge auf. Insgesamt aber war das Projekt C 111 gescheitert, die Wankeltechnik bei Mercedes ad acta gelegt und an ein Serienauto dieser Facçon schon gleich gar nicht mehr zu denken.

Klassische Optik, moderne Technik und eine große Frage

Die Firma GWA allerdings träumt nun wieder den Traum von einer C 111-Kleinserie. Das Projekt Ciento Once soll einem V12-Motor von AMG erhalten, der 408 PS Leistung abgibt und unter anderem auch im italienischen Supersportwagen Pagani Zonda eingesetzt wird. Dazu gibt es ein Sechsgang-Getriebe, eine aus dem Mercedes S 55 AMG entlehnte Bremsanlage sowie ein Fahrwerk, das in weiten Teilen dem aktuellen Mercedes SLS entnommen ist. Auf der Vorderachse sind 19-Zoll-Räder von GWA geplant, auf der Hinterachse sind es Räder der Dimension 20 Zoll.

Der Aufbau soll nach dem Strickmuster des Vorbilds erfolgen, nur dass der Ciento Once über einem Gitterrohrrahmen eine handgefertigte Aluminiumkarosserie tragen soll; das Originalauto von damals fuhr mit einer glasfaserverstärkten Kunststoffkarosserie vor. Im Innenraum gibt der Ciento Once den Retro-Renner - mit klassischem Karomuster auf den Karbonsitzen, einer spartanisch gestalteten Armaturentafel aus Karbon und einem Old-School-Lenkrad, das genausogut in einen Mercedes Strich-Acht passen würde.

Die große Frage ist, ob GWA mit dem Ciento Once eine Kleinserie gelingt. Die Antwort darauf dürfte davon abhängen, wie viele Millionäre in den nächsten Wochen bei Mister Alonso vorstellig werden mit dem dringenden Wunsch, solch ein Auto zu besitzen und der Bereitschaft, dafür nahezu jeden Preis zu bezahlen. Denn auch wenn es noch kaum konkrete Daten zu dem Auto gibt, steht wohl fest, dass der Preis für dieses Geschoss im hohen sechsstelligen Bereich liegen wird.

Bei Mercedes verfolgt man die Entwicklung derzeit sehr aufmerksam: "Wir nehmen den Schutz unseres geistigen Eigentum sehr ernst und wenn es notwendig ist, werden wir einschreiten", sagt Konzernsprecher Christoph Horn.

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insgesamt 49 Beiträge
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    Seite 1    
1. titel stinken
Bobby Shaftoe 07.01.2011
und wieder eine karre, die die welt nicht braucht - gebaut für menschen, die ihre persönlichkeit über ihr auto definieren. ich frage mich nur, warum ausgerechnet der spiegel diesen brainfuck mitmacht?
2. Na wie wärs mit ner 70er Corvette mit Stern?
mitbestimmender wähler 07.01.2011
Nun wenn ich die Sterne wegdenke, käme mir nie und nimmer ein Mercedes in den Sinn und den " sChinken Onkel" ist schon längst vergessen und verarbeitet. Front ISDERA Ja an dem hätte man eher den Stern kleben können. Seite Ford GT40 Absolut unpassend zu den Flügeltüren Felgen Koenig Ja waren mal schöne Felgen Heck FordGT40/512 BBi Hat überhaupt nichts von einem Mercedes
3. Reinkarnation
widerspiegel 07.01.2011
Zitat von sysopDie Fachwelt geriet in Ekstase, als*Mercedes*vor 42 Jahren das Experimentalfahrzeug C 111 enthüllte. Ein Dutzend*der orangefarbenen*Flügeltürer wurden gebaut, dann war Schluss. Jetzt erlebt das Auto eine Wiedergeburt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,738276,00.html
Geil, so einen hatte ich mal!...Leider nur in 1:7 :-(( Bei dem "Neuen" hätte ich mir allerdings nem richtig fetten E-Motor gewünscht mit brutalst möglicher Beschleunigung ohne den Krach dabei. ..aber wer weiß schon, dafür gibt's ja schließlich die Wiedergeburt.
4. nee
Silberstern 07.01.2011
Schade! Da wird abseits der ganzen Altherren-Kutschen mal ein aufregender Mercedes konzipiert und dann steckt unter dem Plastekleid nur wieder AMG-Standardtechnik ohne alle Features die das Original damals so auszeichneten...
5. Titel
barlog 07.01.2011
Zitat von Bobby Shaftoe.... . gebaut für menschen, die ihre persönlichkeit über ihr auto definieren . . ...
Schönes Auto mit maskuliner Ausstrahlung - Steve McQueen hätte es vermutlich gefallen.
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