Prozess um Drei-Millionen-Mercedes: Umstrittenes Luxus-Sammlerstück

Von Jürgen Pander

Gerichtsposse um einen Luxus-Oldtimer: Es geht um den rechtmäßigen Besitz eines Mercedes 500 K aus dem Jahr 1935. Das Auto wurde vor wenigen Monaten für knapp 3,8 Millionen Dollar ersteigert - jetzt ließen es deutsche Behörden beschlagnahmen.

Der grüne Metallic-Lack betörte das Publikum der Internationalen Automobil und Motorrad Ausstellung in Berlin im Februar 1935. Diese Farbe war völlig neu, und sie glänzte auf dem sportlichen Karosseriekörper eines Mercedes-Benz 500 K Roadster - eines Luxusfahrzeugs mit 5-Liter-V8-Motor, der im Kompressorbetrieb 160 PS leistet und den Wagen bis zu 160 km/h schnell machte. Angeblich wurden lediglich 342 Exemplare gebaut, denn nur wenige konnten sich ein solches Automobil leisten. Einer war Hans Friedrich Prym.

Der Unternehmer hatte es zu Ansehen und Vermögen gebracht, weil er den bereits erfundenen Druckknopf entscheidend verbesserte, die Innovation patentieren ließ und mit Erfolg herstellte. Er kaufte den Nobelschlitten mit der außergewöhnlichen Lackierung. Zehn Jahre lang war Prym im Besitz des Fahrzeugs, dann verlieren sich dessen Spuren in den Wirren des letzten Weltkriegsjahres.

Pryms Enkel verbreiten derzeit folgende Version: Während Prym vorübergehend von den Alliierten Streitkräften inhaftiert wurde, besetzten amerikanische Truppen seinen Besitz in Stolberg bei Aachen und konfiszierten angeblich den legendären Mercedes-Roadster. Das Auto landete schließlich in der Sammlung von Generalmajor William Lyon. Erst in den siebziger Jahren tauchte das Auto in den USA wieder offiziell auf, zunächst noch in der tadellos erhaltenen Grün-Metallic-Lackierung, später wurde es jedoch rot umlackiert.

Wem gehört ein Auto, das angeblich vor 67 Jahren gestohlen wurde?

Im vergangenen Herbst schließlich stand der Wagen, zusammen mit drei anderen Mercedes-Modellen aus Lyons Sammlung, bei einer Versteigerung von RM Auctions im kalifornischen Monterey auf der Bühne. Für knapp 3,8 Millionen Dollar (etwa 3 Millionen Euro) erhielt der holländische Sammler Frans van Haaren den Zuschlag für den 500 K Roadster.

Van Haaren wiederum brachte das Auto im April 2012 zur größten Oldtimer-Show der Welt mit, der "Techno Classica" in Essen. Angeblich sollte der Wagen dort abermals verkauft werden, doch dazu kam es nicht. Die deutsche Justiz ließ das Auto beschlagnahmen - auf Veranlassung der Enkel Pryms.

Jetzt urteilte ein Gericht in Hamburg in erster Instanz, dass die Enkel die rechtmäßigen Besitzer des seltenen und exzellent erhaltenen Mercedes-Roadsters seien. Angeblich streben sie nun einen Entschädigungsprozess an. Frans van Haaren dürfte jedoch kaum auf sein 3,8-Millionen-Dollar-Kleinod verzichten.

Ob grün-metallic oder in rot mit weißen Streifen - dieser Mercedes dürfte noch für längere Zeit Rechtsanwälte, Richter, Ex-Besitzer und Ex-Besitzer-Enkel intensiv beschäftigen.

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insgesamt 67 Beiträge
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1. Da bin ich mal gespannt.
saiber 03.06.2012
Wenn das Gericht zum Gunsten der Enkel Pryms entscheidet, weil Kriegsgut = Diebesgut ist, dann waere es eine weitreichende Entscheidung fuer gestohlene und geraubte Gueter auf der ganzen Welt hindurch der Menschheitsgeschichte. Das Londoner Museum muesste auf ueber 90% ihrer antiken Ausstellungsstuecke Angst haben und Sammler werden nur noch geheime Shows veranstalten koennen. Ich waere dafuer. Pluenderungen von Eigentum als Kriegsbeute ist und bleibt ein Verbrechen.
2. Warum Gerichtsposse?
finger_weg 03.06.2012
Wenn der Generalmajor das Fahrzeug damals konfisziert hat, dann war das Diebstahl. Hat er den Merzedes rechtmäßig erworben, sollte das bei so einem Fahrzeug ja überprüfbar sein.
3. Teure Skulptur
grafwagner 03.06.2012
Für solch ein Automobil lohnt es zu kämpfen.
4. geht wohl eher um den Wert
lorn order 03.06.2012
Zitat von grafwagnerFür solch ein Automobil lohnt es zu kämpfen.
Ich würde als erfolgreicher Kläger die wertvolle olle Karre sofort wieder verkaufen und mir nicht ein zwar wunderschönes aber nutzloses Vehikel in die Garage stellen. Ich denke, es geht den Erben um die Kohle und nicht um die Karre!
5.
Altesocke 03.06.2012
Zitat von sysopDarin Schnabel / RM AuctionsGerichtsposse um einen Luxus-Oldtimer: Es geht um den rechtmäßigen Besitz eines Mercedes 500 K aus dem Jahr 1935. Das Auto wurde vor wenigen Monaten für knapp 3,8 Millionen Dollar ersteigert - jetzt ließen es deutsche Behörden beschlagnahmen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,836516,00.html
Die Gelegenheit war guenstig! In den USA haben es die 'Erben', trotz das dieses Fahrzeug bekannt und auch der Standort kein Geheimnis war, anscheinend nie probiert. Ich wuerde sagen, damit haben sie schon vor langer Zeit auf ihre ansprueche verzichtet. Aber wo der wage ja nun grad in D. war,....!
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