PS-Zahl von Neuwagen Mehr, mehr, immer mehr!

Die Neuwagen in Deutschland werden immer leistungsstärker. Laut einer Studie lag der Durchschnittswert 2014 bei 140 PS - neuer Rekord. Vor allem ein Hersteller hat die Zahl nach oben getrieben.

VW Touareg: Mehr SUVs, mehr PS
Volkswagen

VW Touareg: Mehr SUVs, mehr PS


Duisburg - Deutschlands Autofahrer verlangen nach immer leistungsstärkeren Fahrzeugen: Im Schnitt kamen die Neuwagen, die von Januar bis November 2014 hierzulande verkauft wurden, auf 140 PS. Das geht aus einer Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Die aktuelle PS-Zahl ist demnach ein Rekord.

Im Vergleich zu den Werten vor rund 20 Jahren habe sich die Motorleistung der Neuwagen immer weiter gesteigert: 1995 lag die PS-Zahl der verkauften Autos in Deutschland laut CAR-Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer noch im Schnitt bei 95 PS. Im Vergleich zu 2014 bedeutet das einen Zuwachs von 45 PS oder um 47 Prozent. Die einzige Unterbrechung bei diesem Trend gab es mit der Abwrackprämie im Jahre 2009, wie dieser Grafik zu entnehmen ist:

Den größten Leistungssprung bei Autos aus deutscher Produktion haben laut Dudenhöffer seit 1995 die Fahrzeuge von VW gemacht: Ein Durchschnitts-VW aus dem Jahr 2014 kommt der Auswertung zufolge auf eine Motorenleistung von 128 PS, 1995 lag der Wert noch bei 79 PS. Das ist ein Plus von 62 Prozent.

Fast zurückhaltend erscheint dagegen der PS-Zuwachs bei Porsche, wo die Fuhrpark-Leistung seit 1995 um 18 Prozent anstieg - allerdings auf weit höherem Niveau, von 290 PS auf 349 PS. Das bedeutet laut Dudenhöffer aber nicht, dass einzelne Porsche-Modelle bei der Leistung nicht auch kräftig zugelegt haben. Jedoch seien vergleichsweise kleine Modelle wie Boxster und Macan dazugekommen, die den Durchschnittswert beim Zuffenhausener Sportwagenhersteller drücken.

Entwicklung PS-Zahlen deutsche Autobauer

Hersteller 1995 2014* Differenz 1995/2014
Porsche 290 PS 342 PS 17,9 Prozent
BMW 147 PS 193 PS 31,3 Prozent
Audi 128 PS 182 PS 42,2 Prozent
Mercedes 138 PS 179 PS 29,7 Prozent
Gesamtmarkt 95 PS 140 PS 47,4 Prozent
VW 79 PS 128 PS 62 Prozent
Ford 84 PS 123 PS 46,4 Prozent
Opel 84 PS 122 PS 45,2 Prozent

* Jan-Nov, Quelle: CAR Universität Duisburg-Essen

Einer der Gründe für die steigenden PS-Zahlen sei der Vorliebe der deutschen Autokäufer für SUV geschuldet. Mit 166 PS liegt der Durchschnitts-SUV laut Dudenhöffer deutlich über dem Leistungsniveau eines durchschnittlichen Neuwagens (140 PS). Im Jahre 2006 waren dem CAR-Institut zufolge 6,5 Prozent aller Neuwagen SUV-Fahrzeuge. Der Durchschnitts-Neuwagen hatte damals 126 PS. Bis zum Ende des Jahres 2014 sei der SUV-Anteil auf 18 Prozent aller Neuwagen angestiegen.

Daneben begünstigt nach Ansicht Dudenhöffers auch der preisgünstige Treibstoff den Kauf von höhermotorisierten Autos. So ist im Jahr 2014 der Benzin- und Dieselpreis deutlich gefallen und die PS-Zahl der Neuwagen schneller gestiegen.

Die Leistung steigt, der Verbrauch sinkt

Gleichzeitig setzt sich ein weiterer Trend fort: Denn obwohl die PS-Zahl der Autos immer weiter steigt, sinkt ihr Normverbrauch. So ist nach Erkenntnissen des CAR-Instituts der Kohlendioxid-Ausstoß der verkauften Neuwagen in Deutschland seit 2003 von im Gesamtschnitt 176 auf 133 Gramm CO2 pro Kilometer gesunken. Die Studien-Macher beziehen sich dabei auf die offiziellen Herstellerangaben, die in den vergangen Jahren durch einige Tricks jedoch stärker als zuvor geschönt werden.

Der aktuelle CO2-Durchschnittswert entspricht rechnerischen Normverbrauchswerten von 5,6 Litern Benzin oder 5 Litern Diesel. Hier könnte es noch besser aussehen, würden die Deutschen nicht so sehr auf SUVs abfahren, gibt Dudenhöffer zu bedenken: Die sportlichen Geländewagen stoßen im Schnitt pro Kilometer 151 Gramm CO2 aus. Außerdem, so Dudenhöffer, wären die Treibstoffeinsparungen der letzten Jahre ohne die strengeren Vorgaben der EU-Kommission nicht erreicht worden.

Dudenhöffer geht davon aus, dass die Motorleistung auch 2015 weiter zunehmen wird: Schließlich halte der Boom der SUVs immer noch an.

smh/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 267 Beiträge
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cbr 05.01.2015
1. ein weiterer Grund: Das stetig steigende Gewicht
Ein weiterer Grund für den Leistungshunger ist sicher das stetig steigende Gewicht. Mein 1980er Scirocco wog mal weniger als 800 Kg, mein jetziger fast 1400 Kg. Das alte Modell war mit 85 PS ziemlich flott unterwegs, der aktuelle erscheint mir zumindest auf der Landschstraße trotz 210 PS weniger agil. Die auf weit über 200 km/h gesteigerte Endgeschwindigkeit macht die Leistung zwar möglich, ist mir aber egal. Bei stetig wachsender Größe und extrem steigendem Gewicht durch Luxusausstattung und den Ausbau der Auto"mobile" zu optimierten ENCAP Crashzellen braucht es die Leistung, um die Fahrdynamik einigermassen aufrecht zu erhalten.
mariowario 05.01.2015
2. Vielleicht sollte man alle Auto ab 200 PS höher besteuern
Beispiel: Für einen BMW mit 250 PS zahlt der Fahrzeughalter 50 Euro pro Monat; dann würde sich der Verbraucher endlich mal Gedanken machen über Abgasemissionen. By the way: Einen Aufschlag für TV's ab 50 Zoll wäre auch zeitgemäß - Vorschlag: 200 Euro, beim Kauf fällig.
Sabi 05.01.2015
3. pervers
Der Fiat Cinquecento (500) hatte damals 16 bis 18 PS, heute nicht unter 100. Mini hatte 25 bis 34 PS, heute hat er auch mindestens 100- bei Cooper S gar perverse über 200 PS !!!! So werden immer mehr Kleinautos mit viel PS offeriert mit der Kalkulation von noch mehr Tote durch Rasen im Straßenverkehr ! Das ist pervers !
outwiper 05.01.2015
4. Da wundert man sich
was die Deutschen mit soviel PS wollen. Fahren doch die meisten so als hätten sie nur 35 PS und abgeklebte Scheiben und Rückspiegel. Auf die Strasse kriegen diese Leistung leider die wenigsten. Den anderen wäre zu empfehlen sich ein gemütliches 50PS Auto anzuschaffen und sich von dem gesparten Geld ein Intensivfahrtraining und einen Gaspedalsucher zu kaufen.
memphisman 05.01.2015
5. Dudenhöffer mal wieder
Was der für einen Mist erzählt. Die Autos haben immer mehr Leistung weil sie durch Ausstattung und Sicherheitsequipment immer schwerer werden. Ausserdem werden Motoren effizienter mit mehr Leistung bei gleichem oder gar weniger Verbrauch. Mit SUVs hat das in erster Linie gar nichts zu tun. Reine Polemik von Herrn Dudenhöffer.
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