Staatslimousine für Putin: Projekt Ehrengeleit

Von Claudia Thaler

Staatslimousine für Putin: Von diesen Autos hat der Präsident genug Fotos
RIA Novosti

Wladimir Putin wünscht sich sooooo sehr eine Staatskarosse aus der Heimat. Doch sämtliche Versuche russischer Hersteller, den Ansprüchen des Präsidenten zu genügen, schlugen fehl. Jetzt nehmen sich Wissenschaftler der Aufgabe an.

Eines ist sicher: Die Russen mögen die Deutschen. Und wer die Deutschen nicht liebt, liebt zumindest ihre Autos. BMWs, Porsches, Mercedes-Limousinen und VW Touaregs reihen sich in Moskaus Innenstadt aneinander wie in keiner anderen europäischen Hauptstadt. Auch Präsident Putin fuhr bislang auf deutsche Autos ab. Doch diese Zeiten sind offensichtlich bald vorbei.

Noble Staatskarossen aus deutscher Produktion scheinen nicht mehr nach Wladimir Putins Geschmack, er möchte seinen Weg zur Arbeit künftig in einem echten russischen Auto zurücklegen. Gehen die Pläne des Kreml auf, entsteht eine ganze Limousinen-Serie für Präsident, Regierungschef, Minister und seine Beamtenschar. Putin will seinen Landsleuten Vorbild sein - und dadurch der russischen Autoproduktion auf die Sprünge helfen.

Denn bis 2020 soll Russland zum größten Automarkt Europas aufsteigen, bisher rangierte das Land noch auf Platz zwei hinter Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden 2,8 Millionen Pkw verkauft, in Deutschland waren es 3,3 Millionen. Vom Nachholbedarf in Russland profitieren aber vor allem ausländische Hersteller. Beinahe alle Global Player unter den Autobauern haben inzwischen eigene Fabriken in Russland.

400 Millionen Euro für Putins Traumauto

Die Koreaner KIA und Hyundai produzieren in Kaliningrad und im Großraum St. Petersburg. Auch die Importe aller ausländischer Autobauer wuchsen trotz Zölle und protektionistischer Maßnahmen im vergangenen Jahr um 9,35 Prozent auf insgesamt mehr als eine Million Fahrzeuge an.

Der Anteil der russischen Autokonzerne hingegen sinkt seit Jahren kontinuierlich. Seit Jahresbeginn fiel er um 13 Prozent. Um den negativen Trend zu brechen, hatte Putin schon 2010 gefordert, dass russische Beamte Dienstwagen aus russischer Produktion nutzen sollen.

Weil dieser Appell kaum Widerhall fand, ruft Premierminister Dmitrij Medwedew das Projekt "Kortesch - Ehrengeleit" auf den Plan. Für Design und Produktion einer neuen, für Putin tauglichen Prestige-Limousine sind über 400 Millionen Euro aus dem Haushaltsbudget angesetzt. Ende 2017 soll das erste Modell der Ehrengeleit-Serie einsatzbereit sein.

Die Neue muss gefallen

Fast wie zu Sowjetzeiten beschäftigen sich nun Wissenschaftler mit dem Design. Per Dekret ordnete Medwedew an, dass sich nun Universitätsprofessoren des renommierten "Wissenschaftlichen Forschungsinstituts für Automobile und Automotoren" in Moskau mit der Gestaltung der Luxuslimousine auseinandersetzen sollen. "Allein dafür sind 16 Millionen Euro veranschlagt," erklärte der stellvertretende Industrie- und Wirtschaftsminister Alexej Rachmanow.

Aussichtsreichster Kandidat für die Produktion ist der zweitgrößte russische Autohersteller GAZ (Gorki Automobilwerk) aus Nischni Nowgorod. GAZ sorgte im Mai 2009 für Schlagzeilen in Moskau. Gemeinsam mit dem austro-kanadischen Magna-Konzern und der russischen Sberbank wollte GAZ den deutschen Autoproduzenten Opel aufkaufen, dann kam der Übernahme der amerikanische Konzern General Motors in die Quere.

Damit GAZ den lukrativen Zuschlag von der Regierung bekommt, sind die Kontakte des Inhabers gefragt. Der Oligarch Oleg Deripaska ist bestens mit den Regierungskreisen und mit Putin verbunden. Auch dürften die Kontakte seiner Ehefrau Tatjana Djatschenko, der Tochter des ehemaligen Präsidenten Boris Jelzin, bei den Verhandlungen hilfreich sein.

Allerdings muss Putin, damit die Produktion beginnen kann, erst einmal dem neuen Design der Wissenschaftler zustimmen. Und das, so zeigen die Erfahrungen, wird kein Selbstläufer. Bisher hatte Putin alle vorgelegten Pläne verworfen.

Geheim-Testfahrt hinter den Kreml-Mauern

Bereits im Dezember 2012 war dem russischen Präsidenten ein Prototyp der ehemals auf Staatslimousinen spezialisierten Firma Zil präsentiert worden. Doch nach einer kurzen Testfahrt innerhalb der Kreml-Mauern soll Putin sich geweigert haben, das Auto als Präsidentenlimousine in Betracht zu ziehen, zitiert die Kreml-nahe Tageszeitung Isvestija einen Insider.

Dabei hat Zil schon lange Tradition im Kreml: Noch vor der Oktoberrevolution von 1917 wurde das Werk in Moskau als erster russischer Automobilhersteller gegründet, mit einer Lizenz von Fiat. Später avancierte Zil als Stalin-Werk zum größten Lastwagenproduzenten der Sowjetunion und lieferte gleichzeitig die Staatskarossen für sowjetische Parteikader. In Spitzenzeiten liefen bis zu 25 Limousinen pro Jahr vom Band.

Heute ist Zil nur noch für schwere Geschütze der Armee bekannt, eine Staatskarosse produzierte das Werk zuletzt vor 25 Jahren für Michail Gorbatschow, den letzten Präsidenten der Sowjetunion.

"Putin wird noch mindestens fünf Jahre Mercedes fahren"

Nach der missglückten Kreml-Testfahrt rief der Konzern deswegen gemeinsam mit dem Formel-1-Team Marussia einen Design-Wettbewerb für einen neuen, zeitgenössischen Zil ins Leben. Daran beteiligten sich 120 Designer, es gewann das Modell des Russen Jaroslaw Jakowlew und des Niederländers Bernd Weel.

Die überdimensionale Motorhaube und das Heck sollten, so sagten beide, an die Kreml-Festung der russischen Provinzstadt Pskow an der estnischen Grenze und eine sowjetische Tupolew-Rakete erinnern. "Eigentlich wollten wir gerade mit dem klassischen russischen Flair und der Eleganz bei Putin Eindruck schinden", sagt Jaroslaw Jakowlew, einer der Designer. Putin, sonst immer für martialische Auftritte zu haben, gefiel der Wagen nicht. Zumindest gab es bislang keine Rückmeldung aus dem Kreml.

Die Pläne der russischen Regierung, bis 2017 eine eigene Staatskarosse auf die Räder zu stellen, sieht er nach seinen Erfahrungen mit einer gewissen Skepsis. Für Jakowlew steht fest: "Putin wird noch mindestens fünf Jahre in seinem deutschen Mercedes herumfahren müssen. Solange wird es ja mindestens dauern, ein sicheres und fahrtüchtiges Auto zu bauen."

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1.
Oberleerer 27.09.2013
Autokauf ist schwierig, ich kenne das. Wenigstens kümmert sich Putin selber drum, sonst kommt am Ende so ein häßliches Monster wie bei den Amis raus. Dieses "Sieger"-Auto sieht auch einfach nur prollig aus. Wie ein neuer Rolls Royce Phantom mit blauen LEDs. Eigentlich DIE Chance für Mercedes ein paar Psychologen zu beauftragen den Geschmack von Putin zu ergründen. Ggf. muß das Auto dann eben in Russland zusammengeschraubt werden.
2. Tja,
antonwitt 27.09.2013
Zitat von sysopWladimir Putin wünscht sich sooooo sehr eine Staatskarosse aus der Heimat. Doch sämtliche Versuche russischer Hersteller, den Ansprüchen des Präsidenten zu genügen, schlugen fehl. Jetzt nehmen sich Wissenschaftler der Aufgabe an. Putin will eine russische Staatslimousine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/putin-will-eine-russische-staatslimousine-a-924726.html)
kleine Männer brauchen große Autos....
3. Putin bracht was Sportliches
tiram 27.09.2013
nicht so ein Leichenwagenlook ala Obama
4.
Pinky & Brain 27.09.2013
Zitat von antonwittkleine Männer brauchen große Autos....
Dann leben in Deutschland aber auch nur noch Pergs (Person restringierter Grösse), wenn ich mir die weiterhin steigenden Verkaufszahlen dieser unsäglichen SUVs in Deutschland anschaue.
5. Stimmt,
antonwitt 27.09.2013
Zitat von Pinky & BrainDann leben in Deutschland aber auch nur noch Pergs (Person restringierter Grösse), wenn ich mir die weiterhin steigenden Verkaufszahlen dieser unsäglichen SUVs in Deutschland anschaue.
wobei hier der Begriff "Grösse" noch zu definieren wäre..., ;-)
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