R4-Rallye nach Afrika Bildungstrip mit Klapperkisten

Rallyefieber für Bildungshungrige: 2000 Studenten heizen derzeit in alten Renault-4-Autos von Paris nach Marrakesch, im Gepäck tonnenweise Bücher für Schulkinder. SPIEGEL ONLINE zeigt die besten Bilder der Tour.


So groß wie in diesem Jahr war der Andrang noch nie, und dabei waren schon im vergangenen Jahr exakt 672 Renault 4 am Start. Jetzt, zur zehnten "4L Trophy", wurden mehr als 700 der kultigen Kastenwagen gemeldet für die wilde Zickzack-Fahrt über 6000 Kilometer von Paris nach Marrakesch und zurück. In der marokkanischen Stadt liegt das Ziel der Rallye, die vor gut zehn Jahren von Fans des Marathonrennens Paris-Dakar ausgeheckt wurde.

Allerdings ging es den Erfindern der Veranstaltung nicht um spektakulären Motorsport, sondern viel mehr um das Abenteuer einer Wüstenfahrt, verbunden mit einer Hilfsaktion. Die Idee kam nicht auf Anhieb an: Als die erste "4L Trophy" 1998 gestartet wurde, machten sich gerade einmal drei Teams auf die beschwerliche Reise.

Inzwischen aber ist die Rallye, die von Studenten der ESC School of Business Rennes gemeinsam mit einem Reiseveranstalter organisiert wird, eine Großveranstaltung geworden. Auch deshalb, weil seit drei Jahren Studenten aus ganz Europa teilnehmen dürfen, während die Rallye zuvor französischen Teilnehmern vorbehalten war.

Die Bedingungen sind aber noch immer dieselben wie ganz zu Anfang: Jedes teilnehmende Auto muss am Start mindestens 50 Kilogramm an Schulmaterialien als Spende an Bord haben. In diesem Jahr gelangen auf diese Art mehr als 35 Tonnen an Unterrichtsmaterialien nach Marokko. Denn das ist das Ziel der rund 2000 Studenten, die sich in ihren R4-Modellen auf den Weg machen: Mindestens 3000 marokkanischen Kindern soll durch die Spenden eine Schulausbildung ermöglicht werden.

Der kunterbunte Konvoi startete am 14. Februar in Paris und wird an diesem Freitag das Ziel in Marrakesch erreichen. Auf ihrer Fahrt über Schotterstraßen, Sandpisten und durch Ödland hinterlassen die Rallye-Teilnehmer dabei eine Spur der Bildung, denn überall wo es nötig erscheint, werden Bücher oder Schultaschen, Hefte oder Stifte, Taschenrechner, Tafelkreide, Spiele, Bälle, Sportschuhe oder Springseile abgeladen.

"Du sollst die Mechaniker lieben"

Allerdings gibt es auch ein paar Regeln, die auf der Webseite der Trophy als die "zehn Gebote" ausgewiesen sind. Darunter finden sich Aufforderungen wie: "Du sollst gute Stimmung machen und im Lager singen" (abends, so hört man, herrscht am Lagerfeuer bei Gitarrengeschrammel stets beste Laune) oder "Du sollst die Mechaniker lieben", oder "Du sollst keine Kugelschreiber aus dem Fenster werfen" (denn die Stifte sind ja für die Schulen bestimmt, nicht als Souvenir für Kinder am Straßenrand).

Dass die Rallye mit Renault-4-Modellen gefahren wird, erhöht den Sympathiewert der Veranstaltung nochmals. Denn das Auto, von dem zwischen 1961 und 1992 mehr als acht Millionen Exemplare gebaut wurden, gehört nicht nur zu den am meisten produzierten, sondern auch zu den vielseitigsten Fahrzeugen der Pkw-Geschichte. Der R4 war der erste in Großserie hergestellte Fünftürer, war eines der Kultmobile der französischen Studentenbewegung, wurde als Kastenwagen, Cabrio und mit diversen Aufbauten angeboten und gehörte mit anfangs 26, später 34 PS starken Motoren zu den bescheidenen, überaus praktischen Alltagswagen für jede Gelegenheit. Und dass die Autos wüsten- und rallyetauglich sind, beweisen sie ja noch immer.

jüp/sto



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